Acai - die brasilianische Wunderbeere?
Versprochene Wirkungen zu Acai sind nicht bewiesen und gesundheitliche Risiken nicht auszuschließen. Die Verbraucherzentralen klären auf.

Das Wichtigste in Kürze:
- Acai-Beeren werden mit "hohem Gehalt an Antioxidatien" angepriesen, dabei stehen ihnen heimische Früchte, zum Beispiel Sanddorn, in nichts nach.
- Sie werden als Saft, Pulver oder Kapseln oft zu übertriebenen Preisen angeboten.
- Acai-Produkte sind teils mit Mineralölrückständen belastet, die Ihre Gesundheit gefährden können.
Was sind Acai-Beeren?
Acai-Beeren sind die Früchte der Kohlpalme (Euterpe oleracea), auch Jucara-, Assai-Palme oder Açaí genannt, die vor allem am unteren Amazonas wächst. Neben den Früchten werden auch die Palmherzen verzehrt. Die Früchte sind 1-1,4 cm groß, zunächst rötlich und sehr glänzend. Im richtigen Erntestadium ("turia") haben sie eine feine purpurrote - bei Vollreife fast schwarze - Haut mit einer dünnen Wachsschicht. In dieser Phase ist der Gehalt an den farbgebenden Anthocyanen (Antioxidantien) am höchsten.
Der Geschmack der Beeren und des Saftes gilt als fettig, erdig und adstringierend (zusammenziehendes Mundgefühl). Gesüßt mit Guarana-Sirup soll der Saft kakaoähnlich schmecken. Für die angebotenen Produkte wird in der Regel mit Wasser verdünntes Fruchtmark (Pulpe) unterschiedlichster Qualität verwendet. Außer Saft werden auch gefriergetrocknetes Pulver und Kapseln angeboten.
Was steckt hinter der Werbung zu Acai-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln?
In der Werbung sprechen Firmen gern von der "brasilianischen Wunderbeere" mit einer schier unglaublichen Konzentration an Antioxidantien und lebenswichtigen Fettsäuren. Antioxidantien, zum Beispiel Vitamine und bestimmte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, tragen dazu bei, im Körper die so genannten freien Radikale unschädlich zu machen. Daneben soll die Acai-Beere "entzündungshemmendes Potenzial" besitzen und so das Risiko für etliche Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs reduzieren. Acai-Produkte werden zudem häufig angepriesen die Gewichtsabnahme zu unterstützen, die Energie und Vitalität zu steigern und das Immunsystem zu stärken.
Gesundheitsbezogene Aussagen dazu sind laut Health Claims Verordnung (VO (EG) 1924/2006) nicht zugelassen. Für die behauptete entzündungshemmende Wirkung der Acai-Beere gibt es ebenfalls keine belastbaren klinischen Studien.
In der Acai-Beere enthaltende Antioxidantien wie Vitamin C und E oder Anthocyane unterbrechen Reaktionen freier Radikale, genauer "reaktive Sauerstoffspezies" (RSV) und senken so den oxidativen Stress in körpereigene Zellen. Das Vorkommen von RSV in Verbindung mit vielen verschiedenen Krankheitsbildern wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, führte zu der Annahme, dass Antioxidantien der Entstehung dieser Krankheiten entgegenwirken. Klinische Studien konnten dies nicht bestätigten.
Darüber hinaus wurde außer Acht gelassen, dass RSV für essenzielle Stoffwechselvorgänge wie Signalübertragungen im Gehirn, die Hormonsynthese oder Immunantwort gezielt gebildet werden und daher eine wichtige, trainierende und somit schützende Funktion einnehmen.
Nach heutiger Auffassung werden RSV in niedriger Konzentration, wie sie vom Körper selbst gebildet werden, als gesundheitsfördernd angesehen. In hoher, das heißt pathologischer Konzentration sollen sie dagegen zur Entstehung von Krankheiten beitragen.
Hinzu kommt: In Acai-Beeren stecken nicht mehr Antioxidantien als in heimischem Obst und Gemüse. Der Gehalt an Anthocyanen wird beispielsweise von Holunder, schwarzen Johannisbeeren und Rotkohl deutlich übertroffen. Und im Gegensatz zu hoch konzentrierten Extrakten ist eine Überdosierung mit Obst und Gemüse in natürlicher Form unmöglich.
Worauf sollte ich bei der Verwendung von Acai-Produkten achten?
Acai-Beeren können hohe Mengen an Mangan enthalten. So wurden in Studien durchschnittliche Gehalte von bis zu 450 Milligramm Mangan pro Kilogramm Acai-Fruchtmark festgestellt. Mangan ist einerseits ein essenzielles Spurenelement, kann aber auf der anderen Seite in hohen Dosen neurotoxisch wirken.
Im Körper ist der Mineralstoff vor allem Bestandteil von Enzymen. Es hilft so, den Energiestoffwechsel der Zelle zu sichern und spielt eine wichtige Rolle für den Aufbau von Bindegewebe, Knorpeln und Knochen. In hohen Dosen kann es Nervenschäden verursachen und sich dadurch negativ auf die Atemwege und das Gehirn (ähnlich Morbus Parkinson) auswirken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beziffert den Schätzwert für eine angemessene Zufuhr für Mangan auf 2 bis 5 Milligramm pro Tag für über 15-Jährige und 2 bis 3 Milligramm pro Tag für 7- bis 10-Jährige.
Ergebnisse einer Studie zur Ernährungslage in Deutschland zeigen, dass die durchschnittliche Mangan-Aufnahme der Bevölkerung zwischen 14 und 80 Jahre (70 Kilogramm) in etwa 2,7 bis 3 Milligramm pro Tag beträgt. Demnach ist eine zusätzliche Aufnahme über Acai-Pulver nicht sinnvoll.
Zudem kann sich eine deutlich erhöhte Manganzufuhr negativ auf die Aufnahme von Eisen, insbesondere bei Kindern, Vegetariern und Menschen mit einem Eisenmangel, auswirken. Zudem gibt es Hinweise, dass hohe Mangandosen die antioxidativen Eigenschaften der Anthocyane vermindern.
Neben Acai-Beeren zählen auch Getreide, Reis und Nüsse zu Mangan-reichen Lebensmitteln. Zur Gesamtaufnahme von Mangan trägt eine kleine Menge frischer Acai-Beeren sicherlich nur zu einem geringen Teil bei. Im Falle von hoch dosierten Nahrungsergänzungsmittel oder Getränken auf Basis von Pürees, Pulvern oder Konzentraten kann die empfohlene Tageshöchstmenge jedoch leicht überschritten werden.
Können Acai-Produkte mit Schadstoffen belastet sein?
Acai-Extrakte oder -pulver können mit Schadstoffen belastet sein. Die Lebensmittelüberwachungsbehörde CVUA hat 2023 Untersuchungen veröffentlicht, laut denen Acai-Beeren zu viel von einem bestimmten Pflanzenschutzmittel-Rückstand enthalten können – mehr, als gesetzlich erlaubt ist.
Außerdem wurden in Acai-Pulver erhöhte Mengen an Chlorat gefunden. Chlorat wird eigentlich genutzt, um Wasser zu entkeimen und Produktionsanlagen zu reinigen. Dabei kann es unbeabsichtigt ins Lebensmittel gelangen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung warnt: Wer regelmäßig Chlorat zu sich nimmt, dessen Schilddrüse kann weniger Job aufnehmen. Das kann die Funktion der Schilddrüse stören.
Ein weiteres Problem ist der Stoff 2-Chlorethanol. Er entsteht, wenn Lebensmittel mit dem Gas Ethylenoxid sterilisiert werden. In Deutschland ist dieses Verfahren verboten, in andere Ländern, auch dort, wo Acai-Beeren herkommen, aber noch erlaubt. Sowohl Ethylenoxid als auch 2-Chlorethanol sind giftig und schädigen das Erbgut.
Welche Inhaltsstoffe sind in Acai-Beeren enthalten?
Acai-Beeren bestehen zu fast 50 Prozent aus Fett und sind daher mit 250 Kilokalorien pro 100 Gramm recht kalorienreich. Die mittlere Pulpe (Medium Acai) weist noch 5 bis 8 Prozent Fett auf. Dafür ist der Zuckeranteil im Beerensaft mit 3,6 Prozent gering. Damit ähnelt die Nährstoffzusammensetzung ein wenig die der Olive. Daneben enthält die Acai-Beere reichlich Mineralstoffe wie beispielsweise Calcium und Mangan.
Den Ruf als Wunderbeere verdankt die Acai-Beere jedoch in erster Linie ihrem hohen Anthocyan-Gehalt (dunkelrote bis blauviolette Pflanzenfarbstoffe) sowie der antioxidativen Wirkung, die man den Anthocyanen zuschreibt. Über handelsübliche Acai-Produkte wird jedoch unter Berücksichtigung der empfohlenen Tagesverzehrmenge in den meisten Fällen keine ernährungsphysiologisch relevante Menge an Anthocyanen aufgenommen.
Heimisches Obst und Gemüse enthält zum Teil deutlich mehr Antioxidantien. Warum sollten Sie also Acai-Produkte und unbekannte gesundheitlichen Risiken in Kauf nehmen, wenn Heidelbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Rotkohl etc. genauso gut und oft günstiger sind?
Dieser Inhalt ist im Rahmen des Online-Angebots www.klartext-nahrungsergänzung.de entstanden.











