Trendbeere Aronia

Stand:
Aroniabeeren werden getrocknet, als Saft, Kapseln oder Pulver angeboten. Ist bei diesen Produkten etwas zu beachten?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen

  • Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel werden als Schönheitsmittel, zur Stärkung des Immunsystems, für Gehirn und Herz, gegen Diabetes oder zum Schutz vor Krebs beworben.
  • Die Zusammensetzung der in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzten Aronia-Extrakte ist meist nicht bekannt und die ausgelobten Vitamine sind oft extra zugesetzt.
  • In den Kernen der Aroniabeere sind geringe Mengen an Amygdalin enthalten, welches im Körper giftige Blausäure freisetzen kann.
  • Aronia enthält relativ viel Sorbit (Zuckeralkohol). Das kann bei empfindlichen Personen zu Magen-Darm-Problemen führen.
  • Der Verzehr kleiner Mengen frischer oder getrockneter verarbeiteter Aroniabeeren sowie von Saft und Marmelade ist gesundheitlich unbedenklich und kann zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung beitragen.
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Was steckt hinter der Werbung zu Aroniabeeren?

Angepriesen wird die Aroniabeere (auch Schwarze Apfelbeere oder Schwarze Eberesche, Aronia melanocarpa, Chokeberry) als heimische Superbeere / Superfood, mit einem außergewöhnlich hohen Gehalt an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. In Deutschland wird sie hauptsächlich in Brandenburg und Sachsen angebaut, die Ernte startet meist im August. Tatsächlich sind Aroniabeeren reich an Anthocyanen (die Vorstufe sind OPC) und Polyphenolen, die mit einer Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind allerdings auch in anderen Beeren, wie zum Beispiel Holunderbeeren, Heidelbeeren oder Brombeeren enthalten.

Auf diversen Internetseiten findet sich sogar die Behauptung, dass die Aroniabeere Schwermetalle wie Amalgam und Quecksilber mit Hilfe der enthaltenen Phenolsäuren aus dem Körper ausleiten können soll. Zwar ist eine Bindung möglich, das gilt aber für  den Magen-Darm-Trakt. Für die Entgiftung des Körpers "Detox" sind vor allem Leber und Nieren zuständig.

Bereits 2011 hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) festgestellt, dass die beantragten Werbeaussagen "Schutz vor oxidativen Schäden" und "Stärkung der Blutgefäße" wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und damit nicht verwendbar sind.

Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel werden als Schönheitsmittel, zur Stärkung des Immunsystems oder zur Zellregeneration, aber auch als positiv für Herz und Gehirn beworben. Sie sollen antioxidativ, antithrombotisch und blutdrucksenkend wirken. Diverse Untersuchungen, z.B. aus Osteuropa, sind interessengesteuert, sprich sie sollen zur stärkeren Vermarktung von Aronia beitragen.

Sogar als Schutz vor Krebs wird Aronia angepriesen. Die aktuelle Wissenslage gibt das allerdings nicht her. Zwar haben, so das Deutsche Krebsforschungszentrum, Studien mit Darm-, Brust-, Leukämie- und Gebärmutterhalskrebs-Zelllinien gezeigt, dass ganz bestimmte isolierte Polyphenole aus Aroniabeeren das Zellwachstum gehemmt habe. Um zu prüfen, ob Aronia auch bei Menschen vor Krebs schützt, müssen jedoch bisher nicht erfolgte klinische Untersuchungen durchgeführt werden. Auch zur antiviralen Wirkung gibt es bisher nur Laborversuche, keine Humanstudien.

Noch nicht abschließend geklärt ist, inwieweit Aronia-Saft den Fettstoffwechsel positiv beeinflusst, also LDL-Cholesterin- oder Triglycerid-Werte senkt. Ein Review von dänischen Forschenden aus 2022 zeigte, dass eher keine Wirkung erzielt wird, möglicherweise jedoch leichte Verbesserungen beim Blutzuckerspiegel. Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind für alle Lebensmittel und somit auch für Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel verboten. Wer regelmäßig und abwechslungsreich Gemüse und Obst verzehrt, ist in der Regel ausreichend mit sekundären Pflanzenstoffen / Antioxidantien versorgt.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Aronia-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln achten?

  • In Nahrungsergänzungsmitteln werden verschiedene Aronia-Fruchtextrakte, Fruchtpulver, getrocknete Aronia-Trester (Rückstände aus der Saftgewinnung) oder Saftkonzentrate verwendet.
     
  • Wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel mit Aronia verwenden möchten, sollte Sie die Verzehrempfehlung des Herstellers beachten und auch nicht höher dosieren. Wichtig: Diese Produkte haben nichts mit den aus Aronia isolierten Polyphenolen zu tun, die in der Krebsforschung verwendet werden.
     
  • Wenn Sie Krebspatient:in sind, sollten Sie Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel (und auch alle anderen) nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Sie behandelnden ärztlichen Personal nehmen. Aussagen wie "kann die Nebenwirkungen mancher Chemotherapien mindern und vor Strahlung schützen" oder "Strahlenschäden heilen" können auch bedeuten, dass die Wirksamkeit der Chemotherapie herabgesetzt wird.
     
  • Ärztlichen Rat sollten Sie ebenfalls einholen, wenn Sie an Eisenmangel leiden. Aronia-Extrakte können Proanthocyanidine (OPC) enthalten, die zusätzlich Eisen binden.
     
  • Die auf dem Nahrungsergänzungsmittel angegebenen Vitamine und Mineralstoffe stammen eher nicht oder nur teilweise aus der Aroniabeere, sondern sind in der Regel synthetisch hergestellt und zugesetzt. Erkennbar ist das in der Zutatenliste.
     
  • Es gibt keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Aronia. Die auf den Produkten getätigten Aussagen, z.B. zu „normale Herzfunktion“ oder „normale Gehirnfunktion“ beziehen sich auf weitere Produktzutaten wie die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Aussagen zum Immunsystem beziehen sich meist auf zugesetztes Vitamin C (synthetisch oder aus der Acerola-Kirsche), auf Vitamin B6, Selen oder Zink.
     
  • Sofern Sie regelmäßig Medikamente nehmen müssen, sollten Sie in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke fragen, inwieweit es Wechselwirkungen zwischen Ihrem Aronia-Nahrungsergänzungsmittel und den verordneten Arzneimitteln gibt und was Sie ggf. beachten müssen.

Was sind Aroniabeeren?

Die Aroniabeere auch (Schwarze) Apfelbeere genannt, ist eine erbsengroße violett-schwarze Scheinbeere, die zu der Familie der Rosengewächse gehört. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika, wird aber schon sehr lang vor allem in Ost-Europa angebaut. Die Beere hat durch den hohen Gerbsäureanteil einen herb-süß-säuerlichen Geschmack und eignet sich daher eher für die Verarbeitung als für den Frischeverzehr. Frische Beeren können Zähne und Zunge blau färben.

Aroniabeeren werden vor allem zu Marmelade, Saft und Püree bzw. Pasten verarbeitet, aber auch als Trockenfrüchte (100 g enthalten 22 g Zucker) angeboten. Neben der Herstellung von Lebensmitteln wird sie auch als natürliches Färbemittel zum Beispiel in Süßwaren eingesetzt.

In Aronia-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln finden vor allem Aroniabeeren-Extrakte Verwendung. Diese Extrakte können sich von Produkt zu Produkt unterscheiden, da im Gegensatz zu Arzneimitteln Extrakte bei Lebensmitteln nicht eindeutig definiert sind. Meist ist die genaue Zusammensetzung nicht bekannt und die Wirkung nicht untersucht. Die in Aronia-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ausgelobten Vitamine sind oft künstlich zugesetzt und stammen nicht ausschließlich aus der Beere. Außerdem werden Aronia-Pulver verwendet.

Welche Inhaltsstoffe sind in Aroniabeeren enthalten?

Aroniabeeren sind reich an sekundären Pflanzenstoffen, wie den Flavonoiden und phenolischen Säuren. Vor allem die antioxidativ wirkenden Anthocyane und Proanthocyane sind hierbei zu nennen. Diese Stoffe sind für die rote bis schwarze Färbung der Früchte verantwortlich. Das antioxidative Potential im Reagenzglas (ORAC) ist zwar höher als bei Blaubeeren, Cranberrys oder Preiselbeeren, für den Körper aber nicht relevant.

Zudem enthalten Aroniabeeren Vitamin C (13,7 mg pro 100 g), Folsäure (20 µg), Zink (0,15 mg) und Eisen (0,9 mg). Anthocyane sind unter anderem auch in Sauerkirschen, Heidelbeeren, Brombeeren, Fliederbeeren oder Rotkohl enthalten.

Die enthaltenen Gerbstoffe können bei empfindlichen Menschen Bauchschmerzen verursachen. Die Verträglichkeit ist oft besser, wenn Sie getrocknete Aroniabeeren oder reinen Aroniasaft zu oder nach einer Mahlzeit essen bzw. trinken.

Aroniasaft kann natürlicherweise bis zu 100 g Sorbit pro Liter enthalten. Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der auch als Zuckeraustauschstoff (E 420) verwendet wird. Auf nüchternen Magen oder bei Menschen mit einem empfindlichen Magen-Darm-Trakt kann das Probleme wie Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Bauchschmerzen bereiten. Bei getrockneten Aronia-Beeren ist der Gehalt entsprechend höher.

Können Aroniabeeren mit Schadstoffen belastet sein?

Aroniabeeren enthalten in den Kernen geringe Mengen an Amygdalin, einem toxischen sekundären Pflanzeninhaltsstoff, welcher im Körper Blausäure freisetzen kann. Laut Max-Rubner-Institut ist ein regelmäßiger Verzehr von Produkten aus Aroniabeeren (Saft, Konfitüre, Gelee oder getrocknete Früchte) hinsichtlich des Blausäuregehaltes allerdings unproblematisch. Auch der Genuss einer kleinen Portion frischer Beeren wird als unbedenklich angesehen.

In einer 2023 durchgeführten polnischen Studie wurde der Gehalt an Schwermetallen (Arsen, Quecksilber, Cadmium und Blei) sowie Nitrat/Nitrit in Aronia-Säften (ökologisch, konventionell, aus Konzentrat und nicht aus Fruchtkonzentrat) und in allen in Polen erhältlichen Aronia-Pulvern (Fasern, Ballaststoffe) untersucht. Dabei wurden signifikante Unterschiede im Arsen-Gehalt zwischen Säften aus konventionellem bzw. aus ökologischem Anbau festgestellt, aber alle unterhalb der Höchstmengen. Empfohlen werden dort Bio-Säfte und Direkt-Säfte (Säfte, die nicht aus Konzentrat gewonnen wurden).  Wird regelmäßig über längere Zeit Aronia-Pulver (Fasern) verzehrt, wird eine Überwachung des Blei-Gehalts empfohlen. Hier sollten Sie ggf. beim Hersteller nachfragen, ob eine regelmäßige Kontrolle auf Arsen vorgenommen wird..

Zur  Pestizidbelastung von Aroniabeeren liegen uns keine Untersuchungen vor. Beeren können aber je nach Herkunftsort mit Pestizidrückständen belastet sein. Bio-Produkte schneiden in der Regel besser ab.

Unser Tipp: Die Aroniabeere kann auch gut im eigenen Garten angebaut werden. Aus den Beeren selbst gemachter Saft oder Marmelade schmecken doppelt gut.

Was ist Blausäure?

Einige Pflanzen und daraus gewonnene Lebensmittel (vor allem Bittermandeln, Aprikosen- und Pfirsichkerne) enthalten von Natur aus große Mengen an Blausäure-abspaltenden Verbindungen. Bei der Verdauung kann aus diesen ungiftigen Stoffen die giftige Blausäure freigesetzt werden. Dies führt unter anderem zu Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Pupillenerweiterung und Krämpfen, im schlimmsten Fall durch die Blockade eines Enzyms der Atmungskette (Cytochromoxidase) sogar zum Tod. Bei Verdacht einer Vergiftung deshalb sofort ärztlichen Rat einholen oder mit der Giftnotruf-Zentrale Kontakt aufnehmen.

Bittermandeln sind allein als Gewürz zu verwenden - und dies auch nur in geringer Menge. Sie müssen immer unzugänglich für Kinder aufbewahrt werden.

Für Lebensmittel wie Aprikosenkerne, Leinsamen, Mandeln und Maniok gibt es EU-weit seit 2022 Höchstgehalte für Blausäure:

  • Bittere Aprikosenkerne: max. 20 mg/kg
  • Mandeln: max. 35 mg/kg *
  • Leinsamen: max. 150 mg/kg *
  • Maniok- und Tapioka-Mehl: max. 10 mg/kg
  • Maniok, frisch, geschält: max. 50 mg/kg
     

* mehr, wenn der Warnhinweis "Nur zum Kochen und Backen verwenden. Nicht roh verzehren!" im Hauptsichtfeld (Frontetikett) vorhanden ist

 

Quellen:


Kokotkiewicz A et al. (2010). Aronia plants: a review of traditional use, biological activities, and perspectives for modern medicine. J Med Food. 13(2): 255-69

Bundeszentrum für Ernährung: Trendbeeren und -früchte: Was ist dran an den "Superfrüchten" aus Übersee? (abgerufen am 13.09.2023)

Max Rubner Institut. Aroniabeeren und Aroniasaft. (abgerufen am 13.09.2023)

Deutsches Krebsinformationszentrum: Was ist dran: Aronia zur Krebsprävention? Fakten zum "Superfood" Aroniabeere. Stand: 20.08.2019 (abgerufen am 13.09.2023)

Störing L, Giesen S; Werner G (2018): Aronia – ein „Superfood“? Ernährung im Fokus (07-08): 246ff (abgerufen am 13.09.2023)

Rahmani J et al.(2019): The effect of Aronia consumption on lipid profile, blood pressure, and biomarkers of inflammation: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytother Res. 33(8): 1981-90

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