Indol-3-Carbinol aus Brokkolisamen

Stand: 30. Juli 2026

Was ist das für ein Stoff? Und welche Wirkung hat diese Substanz in Nahrungsergänzungsmitteln?

Frage

Was ist Indol-3-Carbinol für eine Substanz? Und welche Wirkung hat dieses Nahrungsergänzungsmittel? Wie hoch sollte die Dosierung idealerweise sein?

Antwort

Indol-3-Carbinol (I3C) gehört zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe, genauer zu den Glucosinolaten (Senfölglykoside). Es wird von vielen Pflanzen der Familie der Kreuzblütler gebildet. Dazu gehören Kohlsorten wie Brokkoli, Rosenkohl, Kohlrabi, Grünkohl oder Chinakohl, aber auch Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kresse und Senf. Als Nahrungsergänzungsmittel werden meist Brokkolisamen-Extrakte mit Indol-3-Carbinol angeboten.

Indol-3-Carbinol soll laut Werbung eine krebshemmende Wirkung besonders bei hormonabhängigen Krebsarten (Brustkrebs, Prostatakrebs) haben. Außerdem soll es giftige und krebserregende Stoffe unschädlich machen können. Solche krankheitsbezogenen Angaben sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt, denn sie sind nicht dafür bestimmt, Krankheiten vorzubeugen, diese zu lindern oder zu heilen.

Die meisten von Anbietern genannten Studien sind Studien an Zellkulturen oder am Tiermodell. Diese Studien reichen nicht aus, um einen Nutzen für die Einnahme von Indol-3-Carbinol beim Menschen zu belegen. Bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA wurden zu Indol-3-Carbinol zwei gesundheitsbezogene Aussagen zur Prüfung eingereicht. Beide wurden von der EU abgelehnt.

Wie bei vielen anderen sekundären Pflanzenstoffen ist nicht genau bekannt, wie Indol-3-Carbinol wirkt, wenn es statt über herkömmliche Lebensmittel,  isoliert und in viel höherer Dosierung als Nahrungsergänzungsmittels aufgenommen wird. Die durchschnittliche Aufnahmemenge an Indol-Verbindungen in Deutschland beträgt etwa 5,0-5,7 mg pro Tag. Bekannt ist, dass Indol-3-Carbinol nach oraler Aufnahme durch die Magensäure innerhalb weniger Minuten abgebaut wird. Selbst nach Aufnahme großer Mengen von bis zu 400 mg konnte weder im Blutserum noch in anderen Stoffwechseluntersuchungen Indol-3-Carbinol gefunden werden. Mögliche Wirkungen wären also eher auf die gebildeten Abbauprodukte als auf das Indol-3-Carbinol selbst zurückzuführen.

Die Sicherheit der isolierten Substanz Indol-3-Carbinol ist nicht ausreichend untersucht, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten können nicht ausgeschlossen werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Indol-3-Carbinol die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel reduziert. Wenn Sie Medikamente nehmen, fragen Sie bitte vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in der Apotheke nach Wechselwirkungen.

Indol-3-Carbinol wird häufig aus Brokkoli(samen) extrahiert. Auf manchen Produkten ist in der Zutatenliste jedoch gar nicht erkennbar, woraus der Stoff gewonnen wurde. Für Nahrungsergänzungsmittel mit Pflanzenstoffen gibt es keine standardisierte Zusammensetzung. Das heißt, die Produkte mit Indol-3-Carbinol können sich erheblich voneinander unterscheiden. Einige Produkte werden zusätzlich mit Resveratrol, Gemüsepulvern oder auch Selen kombiniert.

Indol-3-Carbinol, das synthetisch durch den Abbau von Glucobrassicin hergestellt wurde, gilt laut EU-Novel-Food-Katalog als neuartige Lebensmittelzutat. Es darf erst nach einer Sicherheitsprüfung durch die EFSA und einer Zulassung durch die EU in Lebensmitteln einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden. Eine solche gibt es bisher nicht.

In Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen sowie Vollkornprodukten sind circa 5.000 bis 10.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Forschende vermuten, dass die positiven Gesundheitseffekte, die für eine pflanzenbetonte Kost nachgewiesen sind, auf dem Zusammenwirken dieser Stoffe beruht.

 

Quellen:



Memorial Sloane Kettering Cancer Center: Indole-3-Carbinol. Stand: 02.08.2023 (zuletzt abgerufen am 30.07.2026)

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EU-Novel-Food-Katalog: Indole-3-carbinol. Stand: 31.10.2023 (zuletzt abgerufen am 30.07.2026)

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Knasmüller, Siegfried (2014): Krebs und Ernährung. Kapitel 6 - Schutzfaktoren in der Nahrung, 6.10 Glucosinolate in Kreuzblütlern und Kohlgemüse. Thieme Verlag

König T:  Schützt Indol-3-Carbinol aus Brokkoli vor Krebs? Medizin transparent, Stand: 09.08.2023 (zuletzt abgerufen am 30.07.2026)