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Hilft Haifischknorpel bei Gelenkbeschwerden?

Stand:
Wenn das Knie oder die Hüfte schmerzt, wird immer noch zu Produkten mit Haifischknorpel gegriffen. Kann Haifischknorpel den Verschleiß menschlicher Gelenkknorpel verhindern?
Hilft Haifischknorpel bei Gelenkbeschwerden

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Die Behauptung "Gelenkgesundheit durch Haifischknorpel-Extrakte" lässt sich wissenschaftlich nicht nachvollziehen.
  • Bei Allergien gegen Fischeiweiß können diese Mittel sogar schwerwiegende gesundheitliche Reaktionen hervorrufen.
  • Die Einnahme von Haifischknorpel kann zu Veränderungen der Blutfettwerte und des Blutzuckerspiegels führen.
  • Angaben zu Fangmethoden und Herstellungsverfahren unterscheiden sich und sind absolut nicht transparent.
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Was steckt hinter der Werbung zu Haifischknorpel-Produkten?

Werbung mit der Gesundheit: Die Haifischknorpel-Kapseln werden hauptsächlich als “Gelenkprodukte“ angeboten und zur "Stärkung der Gelenke" oder im Sinne von "gut für Gelenke, Knorpel und Bindegewebe" beworben.

Für den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Haifischknorpel gibt es aber keine ausreichenden Belege. Ein wissenschaftliches Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beurteilt den Zusammenhang zwischen Haifischknorpel-Pulver mit den Bestandteilen Glucosamin und Chondroitin und der Aufrechterhaltung bzw. Stärkung von Gelenken als nicht hinreichend gesichert. Aus diesem Grund darf mit der Wirksamkeit des Stoffes nicht geworben werden!

Wenige Produkte werben auch mit dem hohen Gehalt an „natürlichem“ Calcium (Kalzium) oder Vitaminen des B-Komplexes.

Werbung mit Tierschutz

Ergänzend tragen einige Produkte die Aufschrift "Haifischknorpel wird […] aus europäischem Fischfang nach der Lebensmittelherstellung gewonnen. Es wird kein Raubbau nur wegen des Knorpels betrieben." Derartige Aussagen sind durch häufig fehlende, nähere Angaben zur Fangnation, zum Fangort sowie zu verlässlichen Kontrollsystemen nicht nachvollziehbar.

Mehrere Millionen Haie werden jedes Jahr gefischt, weil sich besonders Haifleisch und ihre Flossen (englisch: fin) gut verkaufen lassen. Außerdem enden Haie als ungewollter Beifang in vielen Fischnetzen. Die Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten stieg  von einem Viertel auf ein Drittel (Stand 2021). Zum Schutz der Tiere gibt es internationale Artenschutzabkommen.

Auch die Gesetzgebung der EU verbietet seit 2013 das sogenannte “Haifisch-Finning”. Dabei werden die Haifischflossen für asiatische Spezialitäten direkt an Bord von Fangschiffen abgetrennt und das lebende Tier anschließend im Meer entsorgt, wo es qualvoll stirbt. Für EU-Fischereifahrzeuge weltweit (laut WWF gehören Spanien, Frankreich und Portugal zu den 20 größten Haifangnationen) sowie für Schiffe, die innerhalb der EU Haie fangen, ist verbindlich vorgeschrieben, dass Flossen sämtlicher Haie am Körper verbleiben müssen. Lediglich Schiffe, die "nachweislich alle Haiteile verwerten können", sollen im Ausnahmefall eine Fangerlaubnis beantragen dürfen. Ein umfassendes Kontrollsystem für die Haifischereien existiert bisher nicht, Sanktionen bei Verstößen sind kaum zu fürchten - obwohl die EU mit der Fischereikontrollverordnung und der Verordnung zur Bekämpfung illegaler und unregulierter Fischerei (IUU) bereits über gute Möglichkeiten verfügt, den Haihandel zu kontrollieren.

Im August 2019 wurde bei der 18. Cites-Artenschutzkonferenz in Genf das Fischen und der Handel mit Haien erschwert. Nach den Regeln des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) müssen in Ländern, in deren Gewässern gefischt wird, Bestandsdaten erhoben werden. Etwa 90 Prozent aller international gehandelten Hai- und Rochenarten dürfen nur noch gefischt und gehandelt werden, wenn ihr Bestand nachweislich dadurch nicht gefährdet wird.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Haifischknorpel-Produkten achten?

  • Riskant können die Produkte werden, wenn Sie allergisch auf Fisch reagieren, unter Diabetes leiden oder Blutgerinnungshemmer einnehmen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät Verbraucher:innen, die Cumarin-Antikoagulantien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, keine Nahrungsergänzungsmittel mit einer Tagesdosis von 390-790 Milligramm isoliertem Glucosamin zu verzehren, da Glucosamin die blutgerinnungshemmende Wirkung der Medikamente verstärken und zu Blutungen führen kann. In den Zutatenlisten wird häufig nur die Menge des Haifischknorpels angegeben. Entsprechend ist die Menge an Glucosamin pro empfohlener Tagesdosis nicht nachvollziehbar.
  • Durch glucosaminhaltige Mittel können Blutfettwerte und der Blutzuckerspiegel ansteigen sowie Leberwerte beeinflusst werden. Bei regelmäßiger Einnahme sollten die Blutfettwerte und der Blutzuckerspiegel ärztlich kontrolliert werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel, die Chondroitinsulfat in isolierter Form enthalten, wird Schwangeren, stillenden Frauen, Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen.
  • Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie sich vor dem Einkauf eines solchen Nahrungsergänzungsmittels ärztlichen Rat einholen oder sich vom Fachpersonal in der Apotheke beraten lassen, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
  • Problematisch sind auch Produkte aus dem Onlinehandel. So wurde bei dort erworbenen Haifischknorpelprodukten häufiger die unzulässige, nicht deklarierte Beimischung von Cortison festgestellt.

Achtung!
Die vorgeschriebene, hervorgehobene Allergenkennzeichnung für Fisch in der Zutatenliste fehlt bei vielen Haifischknorpel-Produkten!
Auch ein wünschenswerter Warnhinweis bezüglich gleichzeitiger Verwendung von Blutgerinnungshemmern ist meist nicht zu finden.

Was ist Haifischknorpel?

Haie haben keine Knochen, ihre Skelette bestehen aus Knorpel. Diese sind weniger dicht dafür aber elastischer als Knochen. Sie bestehen aus Proteinen, komplexen Kohlenhydraten und Mineralstoffen wie Calcium und Phosphor. Durch die Knorpel verfügt der Hai über einen sehr stabilen Körperbau, wodurch er sich im Wasser hervorragend fortbewegen kann. Diese Besonderheit heben Hersteller in ihren Produktbeschreibungen oft hervor, auch wenn das keinerlei Rückschlüsse auf die Beschaffenheit und Gesunderhaltung menschlicher Gelenke zulässt.

Zur Herstellung von Haifischknorpelpulver wird der Knorpel von Haifischfleisch getrennt, zerkleinert, getrocknet und sterilisiert. In den Zutatenlisten wird meist nur Haifischknorpelpulver aufgeführt ohne nähere Angaben zu einem Herstellungsverfahren.

Unser Tipp:

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu lindern oder zu heilen. Wenn Sie an Gelenkbeschwerden leiden, holen Sie sich ärztlichen Rat zur Klärung der tatsächlich vorliegenden Störung und zu weiteren sinnvollen therapeutischen Maßnahmen.

Eine wirksame und anerkannte Maßnahme gegen fortschreitende Arthrose bleibt die körperliche Bewegung sowie gegebenenfalls eine notwendige Reduzierung des Körpergewichts.

Welche Inhaltsstoffe in Haifischknorpel-Kapseln wirken angeblich?

Die Wirkungsweise ist auf zwei Substanzen - Glucosamin und Chondroitin -  zurückzuführen, die zusammengenommen bei der Regeneration von menschlichem Knorpelgewebe unterstützend sollen.  Haifischknorpel basiert auf den darin enthaltenden Proteinen, das sogenannte Chondroitin (auch Chondroitinsulfat). Chondroitin ist auch ein wichtiger Bestandteil von menschlichem Knorpelgewebe, welches ihm Widerstandskraft und Elastizität verleiht.

Der Aminozucker Glucosamin ist ebenfalls ein Bestandteil des Haifischknorpelgewebes und kommt natürlicherweise auch im menschlichen Körper als Bestandteil von Knorpel, Gelenkflüssigkeiten und im Bindegewebe vor. Auch die Werbung glucosaminhaltiger Nahrungsergänzungsmittel verspricht einem Knorpelabbau entgegenzuwirken – gar verlorengegangenes Gewebe wieder aufzubauen. Laut EFSA gibt es keinen Beleg dafür, dass die beiden genannten Stoffe vor Arthrose oder vor einem Abbau der Knorpelmasse schützen könnten. 

Können Haifischknorpel-Produkte mit Schadstoffen belastet sein?

Das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse in Cuxhaven wies hohe Mengen an Quecksilber in Haifischen nach. In anderen Untersuchungen aus den USA und Asien wurden Neurotoxine von Cyanobakterien (Mikrocystine) sowie die Schwermetalle Quecksilber und Cadmium in den Flossen und im Muskelgewebe von verschiedenen Hai-Arten festgestellt. Auch eine Überprüfung von Haifischknorpel-Produkten ergab, dass diese unerwünschten Schadstoffe in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten waren. Allerdings ist die Datenlage nicht ausreichend, um eine gesundheitliche Bewertung vorzunehmen.

 

Quellen:


Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to shark cartilage and maintenance of joints (ID 1852, 1853), EFSA Journal 2009; 7(9):1269, abgerufen am 07.12.2022

Stiftung Warentest (2022): Medikamente im Test: Wirkstoff Glucosamin, Stand 01.12.22, abgerufen am 07.12.22

BfR (2013): Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel können ein Gesundheitsrisiko für Patienten darstellen, die Cumarin-Antikoagulantien als Blutgerinnungshemmer einnehmen. Stellungnahme Nr. 004/2010 vom 14.08.2009, ergänzt am 21.01.2013, abgerufen am 07.12.22

BfR (2018): Risikobewertung von Chondroitinsulfat in Nahrungsergänzungsmitteln, Aktualisierte Stellungnahme Nr. 040/2018 vom 7. Dezember 2018, abgerufen am 07.12.22

Hammerschlag N et al. (2016): Cyanobacterial Neurotoxin BMAA and Mercury in Sharks. Toxins  8(8), 238; doi:10.3390/toxins8080238, abgerufen am 07.12.2022

LAVES ( Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit): Schwermetalle in Fischen und Fischereierzeugnissen, abgerufen am 07.12.22

Mondo K (2014): Environmental neurotoxins β-N-methylamino-l-alanine (BMAA) and mercury in shark cartilage dietary supplements. Food Chem Toxicol 70: 26-32. doi: 10.1016/j.fct.2014.04.015, abgerufen am 07.12.2022

WWF (2018): Der Haifischhandel boomt. Stand: 26.06.2018, abgerufen am 07.12.2022

VERORDNUNG (EU) Nr. 605/2013 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 12. Juni 2013 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1185/2003 des Rates über das Abtrennen von Haifischflossen an Bord von Schiffen, abgerufen am 07.12.2022

Deutsche Stiftung Meeresschutz: Stop Finning! 1 Million votes! Wir unterstützen die Europäische Bürgerinitiative für ein Haiflossen-Handelsverbot in Europa. Stand: 05.01.2020, abgerufen am 07.12.2022