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So wechseln Sie von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung

Stand:
Viele Privatversicherte sind verunsichert, ob sie steigende Beiträge im Alter noch zahlen können, und denken über eine Rückkehr zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach. Doch die Mitgliedschaft ist an Voraussetzungen geknüpft. Nicht jeder darf frei wechseln.
Drei Würfel, auf denen die Buchstaben P, G, K und V stehen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) geht nicht in jedem Alter und nicht in jeder Lebenssituation.
  • Insbesondere als versicherungspflichtiger Angestellter oder über die Familienversicherung können viele in die GKV kommen. Die Vor- und Nachteile beider Systeme sollten Sie dabei aber gegeneinander abwägen.
  • Drängend wird das Thema oft für ältere Menschen, die sich die jährlich steigenden Beiträge einer privaten Krankenversicherung nicht mehr leisten können.
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Wie komme ich als Angestellte:r in die gesetzliche Krankenversicherung?

Um in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu wechseln, müssen Sie versicherungspflichtig werden. Dafür gibt es zwei wichtige Bedingungen:

  1. Sie dürfen noch nicht 55 Jahre alt sein.
  2. Das Gehalt darf nicht den für Sie geltenden Grenzwert überschreiten. Der liegt 2022 bei 64.350 Euro brutto jährlich. Wer bereits am 31. Dezember 2002 als Arbeitnehmer:in privat versichert war, für den gilt eine niedrigere Grenze von derzeit 58.050 Euro.

Wer älter ist oder mehr verdient, kann als Angestellte:r nicht von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Beim Jahresgehalt können aber Tricks helfen, um unter das Jahresgehalt von 64.350 Euro bzw. 58.050 Euro brutto zu kommen:

  • Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob Sie ein Recht auf eine befristete Teilzeitvereinbarung haben. Das Stichwort ist hier "Brückenteilzeit". Und ob Sie Ihre Arbeitszeit soweit reduzieren können, dass Ihr Gehalt unter den Grenzwert fällt. Das Gesetz gilt für Betriebe, in denen mehr als 45 Arbeitnehmer regelmäßig arbeiten.
  • Bietet Ihr Arbeitgeber ein sogenanntes Arbeitszeitkonto an, auf dem Sie geleistete Arbeit für die Zukunft gutschreiben lassen können, ist dies eine weitere Möglichkeit, das Gehalt zu reduzieren und so Versicherungspflicht zu erreichen. Ähnlich kann es unter dem Begriff "Sabattjahr" funktionieren.
  • Sie können Ihr Gehalt außerdem etwas reduzieren, indem Sie Teile im Rahmen einer Entgeltumwandlung in eine betriebliche Altersversorgung fließen lassen. 2022 ist dies bis zu einem Betrag von 3.384 Euro pro Jahr möglich.

Wie komme ich als Selbstständige:r in die gesetzliche Krankenversicherung?

Als Selbstständige:r haben Sie zunächst kein Recht auf Rückkehr in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Zuerst muss ein Fall eintreten, der die Versicherungspflicht auslöst. Das passiert zum Beispiel dann, wenn Sie als Angestellter einen Arbeitsvertrag unterschreiben und die Selbstständigkeit ganz aufgeben oder nur noch nebenberuflich ausführen. Auch hier dürfen Sie noch nicht 55 Jahre alt sein.

Kriterien dafür, dass Sie nur noch nebenberuflich selbstständig sind:

  • Sie dürfen keine eigenen Angestellte mit einem Verdienst über der Minijob-Grenze von 450 Euro monatlich haben.
  • Sie müssen als Angestellte:r mindestens so viel verdienen wie Sie Gewinn aus Ihrer Selbstständigkeit haben. Liegt Ihr Gewinn als Selbstständige:r dagegen um mehr als 20 Prozent über Ihrem Gehalt, gehen die Krankenkassen davon aus, dass die Selbstständigkeit mehr Gewicht hat. Ihr monatliches Einkommen als Angestellte:r sollte außerdem möglichst über 1.645 Euro liegen.
  • Sie müssen als Angestellte:r mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten.

Sind Sie einmal als Angestellter in der GKV aufgenommen, können Sie später auch wieder hauptberuflich selbstständig tätig sein und dennoch in der Kasse bleiben.

Kann ich mich über die Familienversicherung wieder gesetzlich versichern?

Ja. Ist Ihr Ehemann oder Ihre Ehefrau oder Ihr:e eingetragene:r Lebenspartner:in gesetzlich versichert, können Sie über seine oder ihre Kasse Mitglied werden – zumindest, wenn Sie selbst nicht viel verdienen. Hierbei gilt keine Altersgrenze.

Voraussetzung ist jedoch, dass Ihr gesamtes Einkommen die Höchstgrenze nicht übersteigt. Derzeit dürfen Ehegatt:innen oder Lebenspartner:innen entweder in einem Minijob maximal 450 Euro im Monat verdienen oder ein Gesamteinkommen haben, das monatlich 470 Euro nicht übersteigt.

Auch wenn Sie als Rentner:in Ihre Rente für einen gewissen Zeitraum mittels der Flexirente reduzieren, können Sie in die Familienversicherung Ihres Ehegatten, Ihrer Ehegattin oder Lebenspartner:in wechseln.

Wenn Sie Arbeitslosengeld I beziehen und unter 55 Jahre alt sind, entsteht dadurch ebenfalls Versicherungspflicht in der GKV.

Ein Umweg über das EU-Ausland ist eine weitere Möglichkeit, um bei Rückkehr nach Deutschland in die GKV einzutreten. Dafür müssen Sie im EU-Ausland Mitglied der dortigen gesetzlichen Krankenversicherung werden. Für den Beitritt in die deutsche GKV ist dann der Nachweis erforderlich, dass Sie vorher in der ausländischen Krankenversicherung Mitglied waren. Hierbei gilt ebenfalls keine Altersgrenze.

Ist ein Wechsel in die Gesetzliche Krankenversicherung immer zu empfehlen?

Betrachten Sie dazu zwei Aspekte:

Einerseits die Beiträge, die Sie monatlich zahlen müssen. Diese werden in der privaten Krankenversicherung ein Leben lang immer weiter steigen. Andererseits ist aber auch wichtig, welche Leistungen Sie je Versicherung bekommen.

Zu den Beiträgen

In der privaten Krankenversicherung (PKV) müssen Sie mit regelmäßig steigenden Beiträgen rechnen. Die Stiftung Warentest hat 2019 die Faustformel formuliert, dass sich Ihr Beitrag, wenn Sie mit 35 Jahren in die PKV eintreten, bis zum Rentenalter verdreifachen wird. Der Beitrag steigt lebenslang regelmäßig weiter an.

Darum gilt: Wenn Sie im Alter nur eine geringe Rente zur Verfügung und keine weiteren Rücklagen haben, sind Sie in der GKV in der Regel besser aufgehoben.

Der Beitrag in der GKV hängt von der Höhe Ihrer Einkünfte ab. Haben Sie geringe Bezüge, zahlen Sie entsprechend weniger. In vielen Fällen werden sämtliche Einkünfte herangezogen. Meist wird sich der Rückkehrer irgendwann freiwillig versichern müssen. Dann wird ein Mindesteinkommen in Höhe von derzeit 1.096,67 Euro zugrunde gelegt.

Wie Sie bei Ihrer privaten Krankenversicherung günstigere Tarife finden und was Sie bei einem Wechsel beachten müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Gut zu wissen: Ein Wechsel zu einer anderen privaten Krankenversicherung (PKV) ist übrigens meist keine gute Alternative. Rückstellungen, die die alte Versicherung für Sie gebildet hat, gehen teilweise oder ganz verloren und Sie müssen sich einer neuen Gesundheitsprüfung stellen.

Zu den Leistungen

Privatversicherte haben in einigen Bereichen erweiterte Leistungen im Vergleich zu gesetzlich Versicherten. Bei Fachärzt:innen bekommen Sie häufig immer noch schneller Termine. Zahnersatz ist hochwertiger versichert. Im Krankenhaus werden Sie häufiger vom Chefarzt operiert und im Ein- oder Zweibettzimmer untergebracht. Auch die Versorgung mit Heilmitteln wie Krankengymnastik fällt meist umfangreicher aus.

Grundsätzlich ist der Leistungsumfang der GKV jedoch ebenfalls hoch. Es gibt sogar Leistungen für gesetzlich Versicherte, die private Verträge häufig nicht vorsehen. Dazu zählen insbesondere stationäre Rehabilitation, mehr an Hilfsmitteln und Psychotherapie.

Ist der Beitrag in der GKV immer günstiger als in der PKV?

Auch in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen die Beiträge an. Diejenigen, deren Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 4.837,50 Euro brutto monatlich liegt, erlebten in der Vergangenheit Beitragssteigerungen von jährlich 1 bis 3 Prozent. Der durchschnittliche Höchstbeitrag in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung liegt derzeit gerundet bei 917 Euro, bzw. 929 Euro für Kinderlose.

Erwarten Sie im Alter hohe Bezüge, müssen Sie sich auf einen hohen Beitrag einstellen. In der Regel haben Menschen im Alter jedoch deutlich geringere Einkünfte als während des Berufslebens.

Der Blick aufs Alter allein hilft aber nicht. Wenn Ihr Beitrag während Ihres Arbeitslebens in der privaten Krankenversicherung deutlich unter dem liegt, was Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen müssten, bedeutet die Rückkehr in die GKV erst einmal Einbußen.

Viele, die noch arbeiten und einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung überlegen, stehen daher vor der Wahl:

  1. Bis zum Alter noch weiter die geringeren Beiträge in der PKV zahlen und später im Ruhestand immer mehr Geld in die Versicherung stecken.
  2. Jetzt im Berufsleben höhere Beiträge in die GKV hinnehmen, um im Ruhestand vergleichsweise besser weg zu kommen.

Nach Erfahrung der Verbraucherzentralen kann eine teure private Krankenversicherung im Alter zur echten Kostenfalle werden, wenn Sie nur ein kleines Finanzpolster haben. Lassen Sie sich darum für einen genauen Vergleich Ihrer Möglichkeiten am besten unabhängig beraten.

Einige Verbraucherzentralen bieten Ihnen Unterstützung bei der Wahl der Krankenkasse und einem möglichen Wechsel in Form von kostenpflichtiger Beratung an. Unterstützung bieten auch unabhängige Versicherungsberater gegen Honorar. Sie finden sie über deren Verband unter www.bvvb.de.