Lebensmittel: Zwischen Wertschätzung und Verschwendung

Stand:

Jahr für Jahr landen in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Allein aus privaten Haushalten sind das Waren im Wert von circa 20 Milliarden Euro.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Um die Lebensmittel zu transportieren, die in Deutschland jährlich auf dem Müll landen, sind 720.000 Sattelschlepper notwendig. Hintereinander gestellt, ergibt das die Strecke von Lissabon nach New York.
  • Alleine aus den privaten Haushalten werden Jahr für Jahr Lebensmittel im Wert von circa 20 Milliarden Euro entsorgt. Zur Verschwendung tragen alle bei: Hersteller, Landwirtschaft, Handel und Verbraucher.
  • Der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln wirkt sich sowohl negativ auf die Umwelt und die Ressourcen, als auch auf die Versorgung vor allem der Bevölkerung in den ärmeren Ländern aus.
  • Wer im Alltag einige Tipps beherzigt, kann dazu beitragen, dass weniger Nahrungsmittel verschwendet werden.
Gemüse auf einem Tablett
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Verschwendung vom Acker bis zum Teller

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette gibt es zahlreiche Gründe, warum Lebensmittel entsorgt werden.

Es beginnt bereits in der Landwirtschaft. Hier werden zum Teil Lebensmittel, die nicht den Marktbestimmungen entsprechen, erst gar nicht geerntet. Wenn Form, Größe oder Farbe von den Anforderungen der Abnehmer (Verarbeiter, Großhandel, Handel, Verbraucher) abweichen, ist der Absatz nicht gesichert. Und wenn zu niedrige Marktpreise vorherrschen, lohnt sich für den Landwirt die Ernte nicht. Besonders empfindliches Obst und Gemüse, wie Erdbeeren oder Blattsalat, sind leicht verderblich und benötigen einen behutsamen Umgang.

Bei langen Transportwegen und Lagerung schafft es nicht jedes Lebensmittel frisch und unversehrt an das Ziel zukommen. Der Anspruch, zu jeder Zeit alles frisch zur Verfügung zu haben, führt zu einem großem Angebot und letztlich auch zu Überproduktion. Um den Verbrauchern das volle Sortiment anzubieten, muss der Großhandel alle Lebensmittel auf Vorrat halten, um den Einzelhandel kurzfristig Ware zuliefern. In der Folge werden Lebensmittel, die ihre Frische verlieren, und Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum bald erreicht ist, frühzeitig aussortiert.

Und das sind nur einige Beispiele und noch lange nicht alle Gründe für die Verschwendung von Lebensmitteln.

Was in Haushalten weggeworfen wird, zeigt die folgende Grafik

Ein Diagramm, das Anteile an Lebensmittelabfällen in deutschen Haushalten zeigt.

Lebensmittel mehr Wert schätzen

Die Wertschätzung für Lebensmittel ist bei vielen Menschen verloren gegangen. Zurückzuführen ist dies auf die ständige Verfügbarkeit aller Lebensmittel zu einem niedrigen Preis. Lebensmittel sind über Jahrzehnte immer billiger geworden. Die Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel lagen 1950 bei 50 Prozent des Haushaltseinkommens und aktuell bei nur noch bei gut zehn Prozent.

Der Trend zu Fast Food und Fertigprodukten hält ungebrochen an. Der veränderte Arbeitsalltag und die Zeitknappheit haben dazu geführt, dass inzwischen fast 40 Prozent der Lebensmittelausgaben in der Außer-Haus-Verpflegung erfolgen - mit steigender Tendenz. Dass damit Kenntnisse und Kompetenzen der Lebensmittelauswahl, Lagerung und Zubereitung "auf der Strecke" bleiben, liegt auf der Hand.

Auswirkungen auf Umwelt, Ressourcen und Versorgung

  • Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel ist ein hoher Verbrauch an Energie, Wasser und anderen Rohstoffen in der Kette vom Anbau bis zum Handel verbunden. Beispielsweise werden für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel knapp 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen unnötig "genutzt".
  • Lebensmittelverluste wirken sich auch negativ auf das Klima aus. Der vermeidbare Lebensmittelmüll der EU verursacht im Jahr die gleiche CO2-Menge klimaschädliche Gase wie die Niederlande insgesamt freisetzen.
  • Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landet nutzlos in der Tonne - insgesamt etwa 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr. In vielen armen Ländern der Erde ist dagegen die Versorgung mit Nahrungsmitteln unzureichend. Häufig fehlen entsprechende Transport-, Lager- und Kühlmöglichkeiten, sodass große Lebensmittelmengen vorzeitig verderben. Das passiert aber auch, weil Ackerflächen vor Ort für den Lebensmittelexport in einkommensstarke Länder genutzt werden. Hinzu kommt die Landnutzung für den Anbau von Futtermittel und von Biokraftstoff. Dadurch fehlen die Flächen für die Nahrung der Menschen.
  • Die Überproduktion und die damit entstehenden Lebensmittelverluste erhöhen die Nachfrage nach Rohstoffen wie z.B. Getreide. Dadurch wiederum steigen die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel, wovon arme Länder besonders betroffen sind.

Was kann ich tun? Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen

Wir alle können schon heute damit beginnen Lebensmittel zu retten, denn jeder von uns entsorgt im Schnitt Lebensmittel im Wert von rund 230 Euro. Mit einem bewussteren Umgang sind Einsparungen im Jahr von 100 Euro pro Person und mehr realistisch. Damit tun Sie nicht nur Gutes für den Umwelt- und Klimaschutz, sondern schonen auch gleichzeitig Ihren Geldbeutel.

Zu Hause

Im Durchschnitt wirft heute jeder Bundesbürger im Jahr circa 80 Kilogramm Lebensmittel weg; zwei Drittel davon sind vermeidbarer Lebensmittelabfall (ca. 60 kg).

  • Checken Sie vor dem Einkauf Ihre Vorräte und kaufen Sie bedarfsgerecht ein.
  • Planen Sie gemeinsam mit der Familie, um Wünsche und Abwesenheiten zu berücksichtigen.
  • Behalten Sie den Vorrat immer im Blick, damit keine Lebensmittel in Vergessenheit geraten.
  • Werden Sie kreativ - planen Sie Ihre vorhandenen Lebensmittel in Ihre Speisen mit ein.
  • Hat eine Paprika, eine Zucchini oder Obst eine Delle? Schnell verwerten, bevor das Obst/Gemüse zu schimmeln beginnt.
  • Überreifes Obst kann gut zu Kompott, Marmelade oder im Kuchen verarbeitet werden.
  • Kühlschrank und Vorratskammer regelmäßig reinigen.
  • Übrig gebliebene Speisen in geeigneten Behältern einfrieren bzw. in Gläsern kühl lagern und am nächsten Tag verzehren (zum Beispiel mit zur Arbeit nehmen).

Beim Einkaufen und beim Essen außer Haus

  • Gerade frische und leicht verderbliche Lebensmittel wie Brot und Obst/Gemüse in bedarfsgerechten Mengen kaufen.
  • Vermeiden Sie möglichst Spontankäufe sowie den Großeinkauf von Sonderangeboten - außer Sie wissen, dass Sie die verbilligten Produkte in der nächsten Zeit aufbrauchen werden.
  • Noch schnell in den Supermarkt, weil Zutaten für das Abendessen fehlen? Kaufen Sie doch dann auch Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist, und greifen Sie nicht ganz hinten ins Regal.
  • Lassen Sie Ihren Supermarkt und Ihre Bäckerei wissen, dass Sie es sehr wohl akzeptieren, am Abend keine riesige Auswahl mehr an Brot oder Gemüse zu bekommen.
  • Sie haben einen Hofladen in der Nähe - kaufen Sie dort auch mal Obst und Gemüse, hier gibt es auch mal die krumme Gurke!
  • Sie waren im Restaurant essen, haben aber nicht alles geschafft - lassen Sie sich die Speisen einpacken, um sie später oder am nächsten Tag erneut zu genießen.
  • Auch in der Mensa (Schule, Uni, Betriebskantine) lassen sich Lebensmittelabfälle vermeiden - z.B. können Sie bei wenig Hunger nach einer kleineren Portion fragen.
  • Brot vom Vortag gibt es manchmal etwas günstiger – das ist meist besser bekömmlich und Sie sparen auch Geld.

Und was tun Politik, Land- und Lebensmittelwirtschaft?

Lebensmittelverschwendung geht die gesamte Lebensmittelkette an - von der Landwirtschaft bis zum Handel. Bei Verbrauchern entstehen ca. 40 Prozent der Lebensmittelabfälle - in der Kette vom Acker bis zum Handel dagegen ca. 60 Prozent.

In der öffentlichen Diskussion werden häufig die Verbraucher als die Verursacher "angeklagt", da sie z.B. das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch verstehen und Lebensmittel wegwerfen, die noch verzehrt werden könnten. Eine deutliche Reduzierung der Lebensmittelabfälle in der gesamten Kette vom Anbau bis zum Verzehr ist jedoch nur möglich, wenn alle Akteure Verantwortung übernehmen und ihr Handeln verändern.