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Fernwärme: So heizen Sie weder Kosten noch Klima ein

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Heizen mit Fernwärme gilt als komfortabel und umweltschonend. Das stimmt aber nur unter gewissen Voraussetzungen. Die Verbraucherzentrale erklärt die Vor- und Nachteile.
Ein Haus wird mit einem Schal gewärmt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fernwärme gelangt über Rohrleitungen von einem Kraftwerk in Ihre Wohnung. Eine eigene Heizanlage brauchen Sie nicht.
  • Wettbewerb fehlt: Jedes Fernwärmenetz ist ein lokales Monopol, der Wechsel zu einem anderen Versorger ist nicht möglich.
  • Mit der Entscheidung für Fernwärme binden Sie sich also langfristig an einen Anbieter. Wägen Sie die Vor- und Nachteile von Fernwärme deswegen vorher individuell ab. 
  • Sie können eine Reduzierung der Leistung neuerdings während der Vertragslaufzeit verlangen. Das wirkt sich kostensenkend auf den Grundpreis aus.
  • Bei der Entscheidung, ob Fernwärme oder eine andere Heizungsart für Sie in Frage kommt, helfen Ihnen die unabhängigen Energieberater der Verbraucherzentralen.
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Was ist Fernwärme?

Unter Fernwärme versteht man die Belieferung von Gebäuden mit Wärme von einem Kraft- oder Heizwerk. Die dort erzeugte Wärme gelangt durch ein Rohrsystem zu Ihnen. Fernwärme-Kunden brauchen daher zu Hause keine eigene Heizanlage.
Als Brennstoffe kommen vor allem Erdgas sowie Steinkohle zum Einsatz. Aber auch Wärme, die bei der Müllverbrennung oder industriellen Prozessen entsteht, wird häufig als Fernwärme genutzt.

Ein Kuchendiagramm zeigt die Verteilung auf verschiedene Brennstoffe bei der Fernwärme: 42 Prozent Gas, 32 Prozent Müll und Wärmebelieferung von Dritten, 19 Prozent Steinkohle, 6 Prozent Braunkohle und 1 Prozent Mineralöl.

Besonderheiten bei Fernwärme

Bei Fernwärme ist der Wechsel des Wärmelieferanten nicht möglich. Planung und Betrieb des Kraftwerks und der Netze liegen in der Hand eines Unternehmens. Der Aufbau einer doppelten Infrastruktur durch ein weiteres Unternehmen wäre unwirtschaftlich. Daher ist jedes Fernwärmeunternehmen ein lokaler Monopolist.

Eine weitere Besonderheit ist, dass Kommunen für manche Grundstücke einen Anschluss- und Benutzungszwang vorsehen. Als Eigentümer:in sind Sie dann gezwungen, Ihr Haus mit Fernwärme zu versorgen. Es ist aber in den meisten Kommunen möglich, zusätzlich erneuerbare Energien zu nutzen.

Zudem gibt es rechtliche Besonderheiten bei Fernwärme: Beispielsweise dürfen Verträge für die Dauer von bis zu zehn Jahren geschlossen werden. Die rechtlichen Grundlagen zwischen Ihnen als Kunden und den Fernwärmeanbietern sind in der AVBFernwärmeV geregelt.

Wann eignet sich Fernwärme?

Generell rechnet sich Fernwärme dann, wenn möglichst viele Nutzer an das Fernwärmenetz angeschlossen sind. Denn die Verlegung der Netze und der Bau der Erzeugungsanlagen sind in der Regel mit erheblichen Kosten verbunden. Zudem ist eine für die Wirtschaftlichkeit erforderliche Mindestabnahmemenge pro Meter Netz erforderlich. Aus diesen beiden Gründen eignet sich Fernwärme vor allem in dicht besiedelten Gebieten. Bei Fernwärme gilt, dass Ihr Gebäude einen gewissen Energieverbrauch haben sollte, damit sich Fernwärme für Sie eignet. Denn Sie finanzieren das Kraftwerk und die Wärmenetze anteilig über Ihren Grundpreis mit.

In Neubaugebieten kann ein Anschluss dann sinnvoll sein, wenn es eine sehr dichte Bebauung hat oder zusätzliche industrielle oder gewerbliche Nutzer mit versorgt werden und so eine hohe Anschlussdichte erreicht werden kann. Oder wenn das Neubaugebiet langfristig mit industrieller Prozesswärme oder Wärme aus der Müllverbrennung versorgt werden kann, die anderenfalls ungenutzt bliebe - und entsprechend preiswerter ist. Wird das Netz mit geringen Temperaturen betrieben, kann ein Anschluss ebenfalls wirtschaftlich sein.

Wenn Sie Eigentümer eines Altbaus sind, sollten Sie beim nächsten anstehenden Kesseltausch Ihrer Öl- oder Gasheizung über einen Umstieg auf Fernwärme nachdenken. Die Energieberater:innen der Verbraucherzentralen helfen Ihnen dabei gern. Eine erste Einschätzung, ob sich der Umstieg auf eine neue Heizung lohnen würde, finden sie hier.

Bei der Abschätzung, ob sich Fernwärme für Sie lohnt, sollten Sie unbedingt einen sogenannten Vollkostenvergleich anstellen. Hierbei werden alle anfallenden Kosten - von der Anschaffung der Heizung über die Wartung, bis hin zu den Schornsteinfegerkosten - über den Nutzungszeitraum Ihrer Heizung berücksichtigt.

Hintergrund: Bei Fernwärme erhalten Sie das fertige Produkt „Wärme“. Im Fernwärmepreis sind also bereits Umwandlungsverluste enthalten, die bei der Erzeugung der Wärme entstehen. Bei einer Gas- oder Ölheizung entstehen diese Erzeugungsverluste hingegen erst vor Ort im Heizungskessel. Sie benötigen also mehr Gas oder Öl, um die gleiche Menge Wärme zu erzeugen. Daher greift ein reiner Vergleich der Preise von Fernwärme mit Öl oder Erdgas zu kurz.

Was kostet Fernwärme?

Die Fernwärmepreise fallen je nach Anbieter sehr unterschiedlich aus. Betreibt ein Anbieter mehrere Fernwärmenetze, so hat häufig sogar jedes Netzgebiet einen anderen Preis. Das kann sogar innerhalb derselben Stadt zu unterschiedlichen Preisen führen.
Fernwärmepreise setzen sich in der Regel aus diesen Bestandteilen zusammen: 

  • dem Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde
  • dem Grundpreis pro Kilowatt angeschlossener Leistung (auch als „Anschlusswert“ oder „Leistungspreis“ bezeichnet)

Über den Arbeitspreis wird der tatsächliche Wärmeverbrauch abgerechnet. Der Grundpreis ist ein Fixpreis pro Jahr und beinhaltet die anteiligen Kosten an Kraftwerk und Netzen. Durchschnittlich macht der Grundpreis einen Anteil an den Gesamtkosten von etwa 25 Prozent aus, der Arbeitspreis ungefähr 75 Prozent. Ein durchschnittlicher Preis für Fernwärme liegt bei etwa 9 Cent pro Kilowattstunde, wobei der Grundpreis hier anteilig enthalten ist. Von diesem Durchschnittspreis gibt es allerdings deutliche Abweichungen nach oben und unten.

Sie können auch während der Vertragslaufzeit verlangen, dass der Anbieter die Leistung anpasst. Das heißt, dass die Wärmemenge, die maximal bereitgestellt wird, reduziert wird. Dabei sollte darauf Rücksicht genommen werden, dass am statistisch kältesten Tag des Jahres weiterhin eine Raumtemperatur von 20 °C erreicht werden können sollte. Die Anpassung der Leistung wird Ihren Grundpreis drücken. Die Fernwärme-Verordnung sieht vor, dass eine solche Anpassung einmal im Jahr möglich ist (§ 3 Absatz 1). Achten Sie darauf, dass dabei eine Frist von vier Wochen gilt und Sie eine Änderung immer nur zum Ende eines Kalendermonats fordern können. Möchten Sie also zum Beispiel ab Mai 2022 eine andere Leistung bekommen, sollten Sie das zum 30. April 2022 fordern und sich mindestens vier Wochen vorher beim Anbieter melden.

Sie müssen bei einer solchen Forderung den niedrigeren Bedarf nicht nachweisen, wenn die Reduktion der Leistung 50 Prozent nicht überschreitet. Um mehr als 50 Prozent können Sie nur dann reduzieren, wenn Sie die reduzierte Leistung durch erneuerbaren Energien ersetzen - und das auch belegen können.

Wenn Sie komplett auf erneuerbare Energien wechseln, können Sie den Vertrag sogar ganz kündigen. Dabei gilt eine zweimonatige Frist.

Beim Wechsel auf Fernwärme fallen bei einem kleineren Gebäude zudem einmalige Umstellungskosten in Höhe von etwa 8000 bis 15.000 Euro an. Darunter fallen die Entsorgung der Altanlage, der Anschluss an das Fernwärmenetz und der Einbau der sogenannten Fernwärmeübergabestation. Außerdem müssen Fachleute die Verteilung der Wärme in Ihrem Gebäude passend einstellen. 

 

Urteil zu Fernwäremepreisgleitklauseln

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 26. Januar 2022 entschieden, dass ein Versorger Fernwärmepreisgleitklauseln nur dann während der Vertragslaufzeit einseitig ändern darf, wenn die zuvor vereinbarten Klauseln unwirksam waren oder durch veränderte Umstände (z.B. Änderung der verwendeten Energieträger) unwirksam geworden sind. Eine einseitige Änderung der Preise durch die Versorger hat der BGH vollständig abgelehnt.

Für Sie bedeutet das:

  • Sie können unwirksamen Preiserhöhungen widersprechen und auf die Abrechnung nach den bisherigen Preisen bestehen.
  • Sofern bereits zu Unrecht erhöhte Preise abgerechnet und bezahlt wurden, können Sie eine Erstattung des Betrages verlangen.
  • Wenden Sie sich bei Fragen für eine Beratung an die Verbraucherzentralen.  

Ist Fernwärme klimafreundlich?

Die Klimafreundlichkeit von Fernwärme ist sehr unterschiedlich - je nach eingesetztem Energieträger, Effizienz der Erzeugung im Kraftwerk und der Höhe der Leitungsverluste. Der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung hat eine hohe Energieausbeute, und auch die Nutzung von Abwärme, die zum Beispiel bei der Müllverbrennung entsteht, ist sinnvoll. 

Kraft-Wärme-Kopplung bedeutet, dass Strom und Wärme zusammen in einem Prozess erzeugt und auch beide Produkte im Anschluss genutzt werden. Dadurch wird eine sehr hohe Energieausbeute von etwa 80 Prozent erreicht. Zum Vergleich: Bei Kraftwerken, die nur Strom erzeugen und die dabei anfallende Wärme ungenutzt an die Umgebung abgeben, liegt die Energieausbeute bei ungefähr der Hälfte.

Sie können die Klimafreundlichkeit Ihrer Fernwärme nur dann beurteilen, wenn Ihr Anbieter freiwillig aufschlüsselt, welche Energieträger bei der Erzeugung der Wärme eingesetzt werden und welche CO2 -Emissionen dabei anfallen. Diese Informationen erhalten Fernwärmekunden leider nur selten.

Wichtiger Faktor für die Effizienz eines Wärmenetzes sind die Netzverluste. Indirekt werden die Netzverluste auf die Kund:innen umgelegt, denn je höher die Netzverluste sind, desto mehr Energie muss eingesetzt werden, um die Fernwärme zu erzeugen. Fernwärmeanbieter müssen die Netzverluste im Internet in leicht zugänglicher und allgemein verständlicher Form veröffentlichen.

Checkliste: Wichtige Argumente für und gegen Fernwärme

Was spricht für Fernwärme?

  • Fernwärme punktet in Sachen Komfort: Sie benötigen keinen eigenen Heizkessel und keinen Raum zur Lagerung von Brennstoffen. Sie haben daher weder eine einmalig hohe Investition noch müssen Sie sich um den Brennstoffkauf, die Wartung der Technik oder den Schornsteinfeger kümmern.
  • Fernwärme ermöglicht einen Beitrag zum klimafreundlichen Heizen, indem Kraft-Wärme-Kopplung und ohnehin anfallende Wärme aus Industrie und Gewerbe genutzt werden. Wenn Ihnen das wichtig ist, sollten Sie sich genau ansehen, welchen Mix Ihr Fernwärmeanbieter nutzt.
  • Manche Anbieter bieten attraktive Preise, so dass Fernwärme für Sie eine günstige Art zu Heizen sein kann. 
  • Mehrere Stadtwerke und einzelne Kommunen fördern den Anschluss an das Fernwärmenetz mit Zuschüssen von etwa 500 bis 3000 Euro, je nach Wärmebedarf des angeschlossenen Gebäudes.

Förderprogramme finden

Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrem Stadtwerk und Ihrer Kommune nach lokalen Förderprogrammen. Auch die KfW und einige Bundesländer fördern Fernwärme. Gerne helfen Ihnen Energieberater:innen der Verbraucherzentralen hiermit weiter. 

Was spricht gegen Fernwärme?