Markt Check: Frische Nudeln – was steckt drin?

Pressemitteilung vom
  • gefüllte Nudeln enthalten oft mehr als Käse oder Fleisch– Paniermehl ist keine Seltenheit 
  • Viele Produkte werden mit Eiern aus Käfig- oder Bodenhaltung hergestellt, Freilandhaltung ist selten
  • Für ein Kilogramm Nudeln kann der Preis sehr unterschiedlich sein
Nudel-Check-Tortellini

Tortelloni im Vergleich

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Frische, abgepackte Nudeln sind das ideale Gericht für alle, die es eilig haben. Packung auf, Inhalt zwei bis drei Minuten in heißem Wasser erhitzen. Eine Sauce oder Pesto dazu und schon ist das liebste Gericht vieler Menschen fertig. Doch was steckt eigentlich in diesen kleinen gefüllten Taschen? Die Verbraucherzentrale Bremen hat einen Marktcheck zu Nudeln durchgeführt. 

Der Marktcheck

Für den Marktcheck wurden 18 frische, gefüllte Tortelloni und Tortellini aus dem Kühlregal ausgewählt, darunter zwei Bioprodukte. Die Tortelloni ist die etwas größere Variante der Tortellini. Unter den Produkten waren neun mit käsehaltiger Füllung und acht Erzeugnisse mit fleischhaltiger Füllung, sowie ein Produkt mit Käse und Fleisch. 
Schon bei der Auswahl der Produkte fiel eines besonders auf: der Preis. Pro Kilogramm lagen die Preise der Produkte zwischen 2,60 € und 15,40 €. Die Bioprodukte lagen dabei im durchschnittlichen Preisbereich von ungefähr sieben Euro. 

Eier aus Käfighaltung?!

Sind teure Produkte besser? „Wir haben die Produkte nach der gekennzeichneten Haltungsform der Eier und dem Nutri-Score bewertet. Erfreulich ist, dass bei 12 der 18 Produkte freiwillig die Haltungsform der Hennen für die Eier gekennzeichnet war“, sagt Sonja Pannenbecker, Referentin für Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Bremen. Zwei Produkte enthielten Freilandeier, ein Bio-Produkt Bioeier, neun Produkte Eier aus Bodenhaltung. Fünf Hersteller nannten auf der Verpackung die Haltungsbedingungen nicht. Hier ist zu vermuten, dass die verwendeten Eier eher aus der Kleingruppenhaltung oder der Haltung in „ausgestalteten Käfigen“ stammen. Beides sind Arten der Käfighaltung. Ein Bio-Produkt enthielt keine Eier. „Wem die Haltungsform der Hennen wichtig ist, der sollte darauf achten, dass zumindest Bodenhaltung auf der Verpackung genannt ist, bessere Tierwohlstandards haben die Freiland- und Biohaltung“, erklärt Sonja Pannenbecker. Der Preis ist nicht immer ein Erkennungszeichen für die Haltungsbedingungen.

Was ist drin? Ein Blick auf die Zutatenliste

Würde man Tortellini zu Hause selbst machen, wäre die Zutatenliste recht kurz. Bei den gekauften fanden sich aber auch Aromen und Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe und Säureregulatoren. Einige Produkte warben damit, ohne Konservierungsstoffe, Aromen und Geschmacksverstärker zu sein. Sieben Erzeugnisse enthielten Aromen. 
Auch hohe Mengen an Fett, Salz und Zucker sind nicht empfehlenswert für die regelmäßige Aufnahme. Die Verbraucherzentrale Bremen hat deshalb die Nudeln mit dem Nutri-Score bewertet. „Er zeigt in den Ampelfarben an, wie die Produkte untereinander zu bewerten sind. Ein dunkelgrünes A steht für ein Produkt, dass häufig in den Speiseplan eingebaut werden kann. Nur ein Bio Produkt wurde damit ausgezeichnet. Ein hellgrünes B erhielten 10 der 18 Produkte, so auch das zweite Bioprodukt. Ein gelbes C erhielten vier und ein helloranges D drei Produkte“, erläutert Sonja Pannenbecker. Ein dunkeloranges E wurde nicht vergeben. Generell werden die käsehaltigen Nudeln besser bewertet, als die mit fleischhaltiger Füllung. Ein hoher Preis steht nicht unbedingt für ein ernährungsphysiologisch empfehlenswertes Produkt. Die Fett- und Salzgehalte waren bei den meisten Produkten im mittleren Bereich, die Zuckergehalte waren überwiegend gering.

Auf die Füllung kommt es an

Bei den gefüllten Tortellini und ihren größeren Verwandten den Tortelloni ist die Füllung ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung. Die untersuchten Produkte enthielten zwischen 24 % und 54 % Füllung, das ist ein ziemlich großes Spektrum. 
Soll es eine fleisch- oder käsehaltige Füllung sein, oder vielleicht lieber Paniermehl und Bambus? In den meisten Nudeln ist nicht nur die Zutat enthalten, mit der vorne auf der Verpackung geworben wird. Oft finden sich neben Fleisch oder Käse auch Füllstoffe wie Paniermehl – und bei einem der teureren Produkte auch Bambus und Zichorie. Weizen- und Reismehl, Grieß und Kartoffelflocken sind ebenfalls in unterschiedlichen Mengen enthalten. „In der Zutatenliste steht vorne, was in großer Menge enthalten ist, weiter hinten stehen die Zutaten mit geringeren Gewichtsanteilen. Wenn Paniermehl also vor dem Fleisch steht, ist wenig Fleisch enthalten“, sagt Sonja Pannenbecker

Wichtig beim Vergleich zwischen den Produkten ist auch, ob der Fleischanteil am Gesamtprodukt oder anteilig an der Füllung angegeben wird. „Die Produkte sind schwer zu vergleichen, wenn es unterschiedliche Möglichkeiten der Kennzeichnung gibt. Niemand möchte am Regal erstmal nachrechnen“, kritisiert Sonja Pannenbecker. „Wenn die Füllung zu 44 % aus Fleisch besteht, klingt das erstmal toll. Eine Nudel mit 24 % Füllung enthält dann aber tatsächlich nur 10 % Fleisch.“ Die Verbraucherzentrale Bremen hat nachgerechnet, der Fleischanteil am Gesamtprodukt variierte zwischen 9 % und 20 %. 

Kühlen und gut erhitzen

Frische Nudeln sind ein ideales Nährmedium für viele Bakterien und Krankheitserreger. Deshalb sollte darauf geachtet werden, die Kühlkette möglichst nicht zu unterbrechen und die Nudeln gut zu erhitzen. 
 

FAZIT 

Es gibt große Unterschiede zwischen den Produkten, deshalb lohnt es sich, die Packungs- und Preisangaben genauer zu betrachten. Der Grundpreis steht immer bei dem Packungspreis am Regal. Ein günstiger Preis bedeutet nicht, dass es ein ernährungsphysiologisch schlechtes oder zusatzstoffreiches Produkt ist. Hier ist es sinnvoll, zu vergleichen. Auch die Zutatenliste liefert viele Informationen. 
 

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