Der Sommer ruft – Marktcheck Biermischgetränke

Wer kennt sie nicht, die Mischung aus Bier und Zitronenlimonade, besser bekannt als Radler oder je nach Region auch Alsterwasser oder Panasch. Sie gehören zu den Biermischgetränken, aber auch andere Mischungen mit dem Geschmack von Grapefruit, Granatapfel oder Kaktus sind auf dem Markt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Biermischgetränke haben nicht immer einen niedrigen Alkoholgehalt, denn das Mischverhältnis kann unterschiedlich sein
  • Sie enthalten durch die Limonade häufig reichlich Zucker
  • Alkoholhaltige Getränke sind keine Durstlöscher, auch Mischgetränke sind Genussmittel
Biermischgetränke

Biermischgetränke

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Pünktlich zur Urlaubszeit, in der das ein oder andere Biermischgetränk abends gemütlich auf der Terrasse oder am Deich genossen wird, haben wir uns diese Getränke einmal genauer angesehen. Was steckt eigentlich drin, was muss außen draufstehen und wie gut eignet sich die Mischung für „Radler“ tatsächlich?
Für unseren Marktcheck haben wir nur Getränke, die mit Saft oder Limonade gemischt werden, berücksichtigt. Produkte mit Anteilen von Cola oder Energydrinks, sowie alkoholfreie Varianten und Mischungen mit einem Alkoholgehalt über 4,9 Vol.-% haben wir nicht berücksichtigt. So entstand ein Marktcheck aus 39 Biermischgetränken in 0,5 und 0,33 Liter Verpackungen.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Was genau muss auf der Verpackung eigentlich draufstehen? Das ist bei Bier gar nicht so einfach, denn laut der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) sind bei Getränken mit mehr als 1,2 Vol.-% Alkohol keine Angaben zu den Zutaten oder Nährwerten notwendig. Doch wir hätten keinen Marktcheck, wenn das tatsächlich so umgesetzt werden würde. Da Bier in Deutschland nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird, müssen die klassischen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe aufgeführt werden. Bei den fruchtigen Mischungen werden diese dann um die Inhaltsstoffe der Limonaden ergänzt.
Der Deutsche Brauer-Bund und der Verband Private Brauereien Deutschland haben eine freiwillige Kennzeichnung der Nährwerte beschlossen. Ihre Mitglieder versehen alle Biere und Biermischgetränke mit der Angabe des Brennwertes, häufig werden daneben auch die anderen Nährwerte Fett, Zucker, Proteine und Salz genannt.

Unser Marktcheck

Für unseren Marktcheck haben wir uns zunächst die Zutatenlisten und Nährwertangaben der Getränke online angesehen. Ausgewählt haben wir nur Biermischgetränke, deren Energiegehalt angegeben war. Denn unser Augenmerk lag besonders auf dem Energie- und Zuckergehalt der Getränke pro 100 ml. Die meisten Unternehmen haben ebenfalls weitere Nährwertangaben zu Fett, Zucker, Eiweiß und Salz aufgeführt. Biersorten ohne Nährwertangaben wurden nicht erhoben. Der durchschnittliche Energiegehalt lag bei knapp 37 kcal pro 100 ml. Pils enthält um die 42 kcal pro 100 ml. Durch die Mischung des Bieres mit der häufig zuckerreichen Limonade ist der Energiegehalt je nach Limo ähnlich dem von Bier.
Doch es gibt beim Zuckergehalt große Unterschiede – einige Produkte werden mit künstlichen Süßungsmitteln gesüßt und enthalten wenig oder keinen Zucker. Andere, Produkte erreichen dagegen Werte bis zu 7,7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Mit einer 0,33 Liter Flasche werden so um die 25 Gramm Zucker aufgenommen, das ist schon die Hälfte des empfohlenen Wertes der World Health Organization für die maximale tägliche Aufnahmemenge. Die zuckerarmen Varianten sind jedoch selten, von 39 Getränken enthielten nur drei Produkte statt Zucker Süßungsmittel, einem Produkt davon war trotzdem Fruktose zugesetzt.
Doch nicht nur der Zucker liefert viel Energie, auch der Alkohol hat es in sich. Ein Gramm Alkohol liefert schon sieben Kilokalorien, das ist fast doppelt so viel, wie im Zucker steckt.

Radler, die alkoholarme Alternative?

Für viele ist das Radler eine alkoholarme Alternative zum Bier, doch bei dem Alkoholgehalt ist tatsächlich genaues Hinsehen angesagt. Nicht alle Getränke enthalten die gleichen Anteile von Bier und Limonade! Das Mischverhältnis ist meistens 50:50, doch bei unserer Recherche fanden wir auch Produkte, mit einem Bieranteil von 70% oder höher. Die Aufmachung dieser Produkte ist jedoch sehr ähnlich zu den alkoholärmeren Varianten - bunt, fruchtig, scheinbar harmlos? Eher nicht, sie enthalten zwischen 5 und 6 Vol.-% Alkohol und damit mindestens so viel wie ein durchschnittliches Bier. Für unseren Marktcheck haben deshalb wir nur Mischgetränke mit einem Alkoholgehalt unter dem von durchschnittlichem Bier mit 4,9 Vol.-% ausgewählt
Doch auch ein durchschnittliches Radler enthält um die 2,5 Vol.-% Alkohol. Die maximal tolerierbare Alkoholzufuhr liegt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei 10g pro Tag für gesunde Frauen und 20g pro Tag für gesunde Männer. Ein 0,5 Liter Radler mit 2,5 Vol.% enthält 10g Alkohol und erreicht damit schon den Grenzwert für Frauen. Also nicht so harmlos, wie es vielleicht scheint.

Wie sieht es aus mit: Weinschorle

Weinschorlen sind Getränke, die üblicherweise zu gleichen Teilen aus kohlensäurehaltigem Wasser und Weinen gemischt werden. Der Alkoholgehalt liegt bei 5 bis 6 Vol.-%.

Wie sieht es aus mit: Hard Seltzer

Das Trendgetränk aus den USA wird aus alkoholischen Getränken aus fermentiertem Zucker, kohlensäurehaltigem Wasser und Aromen hergestellt. Der Alkoholgehalt liegt bei etwa 5 Vol.-% wie bei Bier, der Energiegehalt ist jedoch niedriger.

Wie sieht es aus mit: Cidre

Das Apfelgetränk wird durch teilweise alkoholische Gärung hergestellt und enthält zwischen 2 und 4,5 Vol.-%.

Wie sieht es aus mit: Light Bier/Schankbier

Enthält im Vergleich zu normalem Bier weniger Alkohol, der Gehalt liegt bei 2,5 bis 4 Vol. %. Durch ein anderes Brauverfahren wird die Stärke aus dem Malz annähernd vollständig abgebaut. Deshalb wird es auch kohlenhydratarmes Bier genannt.
 

Wie sieht es aus mit: Longdrinks

Longdrinks enthalten mindestens 10 Vol-% Alkohol und sind häufig Mischungen aus einem destillierten Alkohol wie Vodka oder Whisky mit Säften oder Softdrinks.

Das bedeuten Aromenkennzeichnungen
Aromenkennzeichnung

Aroma statt Fruchtsaft?

Bier ist - zumindest der Zutatenliste nach - Bier, doch was ist eigentlich noch so drin in einer Limonade? Ganz schön viel, haben wir festgestellt bei unserem Marktcheck zu Limonaden (LINK). Und vieles, was unserer Ansicht nach, nicht notwendig ist. Aber immerhin: Auch Saft und nicht nur Aromen.
Aromen werden auch häufig den Limos der Biermischgetränke zugesetzt. So enthielten 32 der 39 Getränke in unserem Test Aromen. Davon waren ungefähr ein Drittel „natürliche Fruchtaromen“, wie beispielsweise das natürliche Zitronenaroma. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich mindestens 95% echte Zitrone. Ein weiteres Drittel der Produkte enthielt das „natürliche Fruchtaroma mit anderen Aromen“, hier muss nur ein kleiner Teil der genannten Frucht enthalten sein, der Rest können andere natürliche Aromen sein. Diese müssen nicht unbedingt aus der Frucht gewonnen werden, nach der sie schmecken. Das letzte Drittel der Produkte enthielt „natürliches Aroma“ oder auch nur „Aromen“. Aromen können vollkommen synthetisch hergestellt werden.
 
Mehr als die Hälfte der Produkte enthält Fruchtsaft. Nicht nur Zitronen oder Orangen werden hierfür verwendet, je nach Geschmacksrichtung haben wir auch Apfel-, Grapefruit-, Granatapfel, Maracuja- und Acerolasaft entdeckt. Im Durchschnitt enthielten diese Produkte 3,2 % Saft.

Was ist eigentlich Natur Radler?

Der Begriff Natur Radler ist rechtlich nicht definiert. Hersteller verwenden für diese Getränke häufig Zitronensaft und nicht nur Aromen. Außerdem sind diese Getränke oft getrübt - durch naturtrübes Bier oder naturtrüben Saft. Eine nicht repräsentative Umfrage des Portals Lebensmittelklarheit.de ergab, dass VerbraucherInnen und Verbraucher diese Bezeichnung verwirrend finden und nicht verstehen, was sich dahinter verbirgt. Deshalb finden wir, dass die Hersteller auf den Produkten erklären sollten, wodurch sich ihre Produkte von anderen Radlern unterscheiden.

Farbstoffe - nicht immer unbedenklich

Einige der Mischgetränke sind den Herstellern offenbar nicht farbig genug und werden deshalb mit Farbstoffen versetzt. Wir fanden in unserem Marktcheck erfreulicherweise nur vier Produkte, denen jeweils mehrere Farbstoffe zugesetzt wurden. Ein Getränk enthielt einen sogenannten Azofarbstoff, diese Farbstoffe können die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen. Dieser Hinweis muss auf dem Produkt und auch online aufgeführt werden. Der Onlinehändler hat diesen Hinweis allerdings nicht auf seiner Seite genannt. Das ist aus unserer Sicht nicht in Ordnung, da Personen, die diese Farbstoffe vermeiden möchten, nicht darauf aufmerksam werden.

Wozu sind Stabilisatoren oder Verdickungsmittel in Getränken?

25 der 39 Produkte enthielten Zusatzstoffe wie Johannisbrotkernmehl, Gummi arabicum, Pektine oder auch Glycerinester aus Wurzelharz. Diese werden als Verdickungsmittel und Stabilisatoren verwendet. Auf den ersten Blick bei Getränken nicht unbedingt notwendig, oder? Diese Zusatzstoffe werden auch Weighting Agents genannt - zu Deutsch: Gewichtungsmittel. Sie sorgen dafür, dass sich Aromen und Trübstoffe gleichmäßig verteilen und nicht aufgrund ihrer unterschiedlichen Dichte am Boden absinken. Bei naturtrüben Getränken werden sie häufig verwendet, um eine homogene Trübung zu erhalten.  

Das Radler für den Radler?

Ein Grund, warum Radfahrer gerne Radler trinken, ist, dass sie nach der Anstrengung schnell Energie benötigen. Diese liefert der Zucker aus der Limonade. Ein weiterer Grund sind die isotonischen Eigenschaften, die manche Biere haben. Isotonisch bedeutet, dass das Getränk die gleiche Konzentration von gelösten Teilen zu Flüssigkeit hat, wie Blut. Dadurch können die Inhaltsstoffe dieser Getränke schnell aufgenommen werden. Am besten eignet sich hier alkoholfreies Radler, denn der Alkohol kann besonders nach Anstrengung mit verbundenem Flüssigkeitsverlust und an warmen Tagen schneller seine Wirkung entfalten, als erwartet.

Unser Fazit

Biermischgetränke können zuckerreich sein und mehr Alkohol enthalten, als der erste Blick vermuten lässt. Wer eine alkoholarme Erfrischung sucht, greift am besten zu alkoholfreiem Bier oder Mischungen daraus mit Limonade. Auch Selbermischen ist eine gute Alternative, um geringe Alkoholgehalte zu bekommen. Eines sollte beim Genuss alkoholischer Getränke immer bedacht werden – es sind Genussmittel, die in Maßen aufgenommen werden sollten. Ein verantwortungsvoller Umgang gehört immer dazu - denn wer trinkt, fährt nicht.