Umweltbundesamt fordert höhere Steuern für Milch und Fleisch

Pressemitteilung vom

Der Vorschlag des Umweltbundesamtes (UBA), die Steuern für Milch und Fleisch von sieben auf 19 % Prozent anzuheben, hat erwartungsgemäß heftige Gegenreaktionen ausgelöst. Doch aus Sicht der Verbraucherzentrale Bremen ist die Idee dabei gar nicht schlecht, vorausgesetzt, die Mehreinnahmen werden richtig eingesetzt.

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  • Vorschlag des Umweltbundesamtes kann sinnvoll sein
  • Milch sollte beim niedrigeren Steuersatz bleiben
  • Landwirtschaft muss insgesamt umsteuern

Die Steuersätze für Lebensmittel sind verwirrend, Grundnahrungsmittel liegen bei sieben Prozent, für viele andere Lebensmittel werden jedoch 19 Prozent fällig. Der Steuersatz ist auch abhängig davon, ob eine gekaufte Pizza noch im Restaurant verzehrt oder mitgenommen wird.

Fleischverzehr in Deutschland viel zu hoch

Der Vorschlag des UBA, zum Schutz von Klima und Umwelt die Steuern für Fleisch von sieben auf 19 Prozent anzuheben, kann durchaus sinnvoll sein. "Die Produktion von Rindfleisch trägt erheblich zum Klimawandel bei", so Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. "In Deutschland wird zudem fast doppelt so viel Fleisch verzehrt, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Eine Senkung des Fleischverzehrs wäre sinnvoll", so Annabel Oelmann weiter.

Andere Situation bei Milch

Dagegen lehnt die Verbraucherzentrale Bremen eine höhere Besteuerung auf Milch ab. "Milch ist ein gesundes Lebensmittel, das wesentlich zur Versorgung mit Calcium beiträgt. Die empfohlenen Mengen werden in Deutschland nicht erreicht, eine Verteuerung von Milch wäre kontraproduktiv", sagt Regina Aschmann, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen.

Höhere Steuereinnahmen durch Fleisch richtig einsetzen

Mehreinnahmen durch einen erhöhten Steuersatz machen nur dann Sinn, wenn sie sinnvoll verwendet werden. "Das könnten beispielsweise die Erhöhung der Sozialleistungen, kostenloses KITA- und Schulessen, das den DGE-Empfehlungen entspricht, und die dringend erforderlichen Verbesserungen in der Tierhaltung sein", erläutert Annabel Oelmann.

Landwirtschaft muss umsteuern

Das System "Masse statt Klasse" in der Landwirtschaft ist eine komplette Fehlentwicklung – mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt, die Gesundheit und die Tiere selbst. "Vor allem sollte in den Ställen der im Grundgesetz verankerte Tierschutz umgesetzt werden", fordert Annabel Oelmann.

Verbraucherinnen und Verbraucher können aktiv werden

Eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbandes 2016 hat gezeigt, dass sich 77 % der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher strengere Vorschriften im Tierschutz wünschen und dies als eine vordringliche staatliche Aufgabe ansehen. Von Bioprodukten abgesehen, lässt sich jedoch nicht erkennen, welche Tierhaltung hinter dem gekauften Kotelett steht.

Wer mehr für den Tierschutz tun möchte, kann Fleisch aus ökologischer Haltung kaufen. Die deutschen Verbände, wie Naturland, Demeter und Bioland, bieten ihren Tieren eine weitaus bessere Lebensweise als die konventionelle Tiermast. Und wer wenig Fleisch, dafür aber aus Ökohaltung, verzehrt, tut etwas für die Tiere, die Umwelt und für die eigene Gesundheit.

Bei der Verbraucherzentrale Bremen gibt es eine aktuelle Liste, die Einkaufsmöglichkeiten für biologisch erzeugte Lebensmittel in Bremen und umzu enthält. Sie ist kostenlos in der Verbraucherzentrale Bremen, Altenweg 4, oder als Download erhältlich.

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