Schütteln statt Kochen – sind Mahlzeitenersatzgetränke eine Alternative?

Pressemitteilung vom
  • Die Zusammensetzung natürlicher Lebensmittel ist hochkomplex und lässt sich nicht so einfach kopieren
  • Mit der Trinknahrung, Hauptmahlzeiten regelmäßig zu ersetzen, ist nicht ratsam
  • Die Nährstoffgehalte variieren stark – bei häufigem Verzehr ist eine Überversorgung einzelner Nährstoffe nicht auszuschließen
     
Mahlzeitenersatzgetränke Verbraucherzentrale Bremen
Off

Einfach soll es sein, schnell soll es gehen und dabei eine vollwertige Mahlzeit ersetzen, die Rede ist von Mahlzeitenersatzgetränken. Es gibt sie als fertigen Drink oder als Pulver, das in Nullkommanichts zusammen mit Wasser in einem Shaker zubereitet ist.

Eine Vielzahl an Mahlzeitenersatzgetränken wird online vertrieben – inzwischen haben sie es auch in einige Supermarktregale geschafft. Die Anbieter bewerben ihre Produkte mit dem Versprechen einer gesunden und vollwertigen Alternative. Diese soll den Körper nicht nur mit allen Nährstoffen versorgen, die er braucht, sondern auch noch das perfekte Nährstoffverhältnis liefert. Doch was ist tatsächlich dran?
Die Verbraucherzentrale Bremen hat elf Mahlzeitenersatzgetränke in Pulverform unter die Lupe genommen und ihre Nährstoffzusammensetzung, Vitamin- und Mineralstoffgehalte ausgewertet. 

Große Unterschiede in der Zusammensetzung

Ein Produkt fiel durch einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren auf, ein anderes durch eine sehr geringe Menge an Ballaststoffen. Bei zwei weiteren Trinkmahlzeiten war die Ballaststoffmenge wiederum sehr hoch. „Ballaststoffe sorgen unter anderem für ein verlängertes Sättigungsgefühl. Empfohlen werden circa 30 Gramm täglich. Viele Menschen erreichen diese Menge jedoch nicht“, erklärt Sonja Pannenbecker, Referentin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bremen. Bei einer sehr hohen Ballaststoffzufuhr sollte die Flüssigkeitszufuhr ebenfalls erhöht werden. 

Zuviel des Guten? Vitamine und Mineralstoffe

Viele der Vitamine und Mineralstoffe in den untersuchten Produkten deckten schon mit nur einer Portion mehr als die Hälfte der EU-weit geltenden Referenzmengen für die tägliche Zufuhr. Einige Produkte überstiegen die Referenzmengen sogar bereits mit einer Portion.

Der sogenannte „Tolerable Upper Intake Level (UL)“ zeigt die Obergrenze für die tägliche Gesamtzufuhr eines Nährstoffes an, bei der keine gesundheitlichen Nebenwirkungen zu erwarten sind. Ausgehend von einer ausschließlichen Ernährung mit den Mahlzeitenersatzprodukten grenzten bei einem Produkt die Werte für Vitamin A und Folsäure bedenklich nah an den UL. In einem anderen Produkt überstieg der Wert für Calcium den UL sogar um 44 Prozent. 
Eine Langzeit-Einnahme hoher Dosen Vitamin A kann unter anderem zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Die Folgen einer langfristigen Überdosierung von Calcium können Harnsteine und eine gestörte Nierenfunktion sein – kurzfristig kann es auch zu akutem Durchfall kommen. 
„Wer die Ersatzmahlzeiten regelmäßig zu sich nimmt, sollte einen Blick auf die Vitamin- und Mineralstoffangaben des Produkts werfen – insbesondere bei einer zusätzlichen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln“, gibt Sonja Pannenbecker zu bedenken.

Zeit ist Geld

Die Preise der im Marktcheck geprüften Produkte variierten zwischen 1,57 € und 6,80 € pro Portion. Der durchschnittliche Preis betrug 2,80 € pro Ersatzmahlzeit. Die flotte Flüssigkost kann also ganz schön ins Geld gehen.

„Die Zusammensetzung natürlicher Lebensmittel ist hochkomplex. Einzelne Nährstoffe und Bestandteile können sich gegenseitig beeinflussen, die Verfügbarkeit für den Körper erhöhen oder herabsetzen“, erläutert Sonja Pannenbecker. Die simple Rechnung, eins plus eins macht zwei, geht hier nicht auf. Deshalb ist Vielfalt und Abwechslung in der Ernährung so wichtig. 
Hinzu kommt der soziale und psychologische Aspekt des Essens. Essen ist Kultur, Essen ist Genuss und Essen kann eine Ruhe bringende Insel im stressigen Alltag sein. Es schafft einen Bezug zu den Bedürfnissen des Körpers und der Seele, die über eine funktionelle Nährstoffzufuhr weit hinausreichen.

 

SIND MAHLZEITENGETRÄNKE EINE ALTERNATIVE?

Solange die Mahlzeitenersatzgetränke nur selten zum Einsatz kommen, weil es wirklich mal schnell gehen muss, spricht wenig dagegen. Eine vollständige Mahlzeit mit unterschiedlichen Zutaten, unterschiedlicher Konsistenz und vielen Aromen können sie nicht ersetzen. Zudem enthalten Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte mehr als bloß isolierte Einzelstoffe. Die Komplexität natürlicher Lebensmittel lässt sich nicht nachbasteln. Bei den Getränken handelt es sich um hochverarbeitete Lebensmittel, denen die Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe meistens nur künstlich zugesetzt wurden. 
 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.