Ramadan – mehr als nur Verzicht

Pressemitteilung vom
  • Das Fastenbrechen bewusst gestalten, um den Körper nicht zu überfordern
  • Schwangeren und Diabetiker:innen wird empfohlen, mit ihrem Arzt über das geplante Fasten zu sprechen
  • Fastenzeiten eröffnen die Möglichkeit, das eigene Konsumverhalten zu überdenken
     
Fasten zu Ramadan
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Jedes Jahr im neunten Monat des islamischen Kalenders ist Ramadan. In diesem Monat verzichten Musliminnen und Muslime von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang vollständig auf Essen und Trinken. Die Verbraucherzentrale Bremen gibt Tipps, um die für den Körper anstrengende Zeit zu meistern.

Die Fastenzeit des Islams ist in Deutschland jedes Jahr zu einer anderen Zeit, da der islamische Kalender weniger Tage hat, als der hier übliche gregorianische Kalender. Während dieser Zeit wird auch an jene gedacht, die immer wenig zu essen und zu trinken haben. Deshalb steht der Monat unter anderem im Sinne der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe. 

Bewusst mit dem Essen und Trinken beginnen

Sobald die Sonne untergegangen ist, darf nach Herzenslust geschlemmt werden. Dabei ist es ratsam, langsam anzufangen. „Auch, wenn der Durst groß ist, belastet es den Körper, wenn er mit einem Liter kalten Wasser auf einmal konfrontiert wird“, erklärt Sonja Pannenbecker, Referentin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bremen. Der Mineralienhaushalt braucht seine Zeit, um sich auf die aufgenommene Flüssigkeitsmenge einzustellen. Ähnlich wie bei Sportlern, die viel geschwitzt und so viel Wasser verloren haben, kann es bei großen Trinkmengen anschließend zu einem Ungleichgewicht der Mineralien kommen. Dies kann von Unwohlsein bis zu Ohnmacht führen. 
Gut eignen sich zimmerwarme, isotonische Getränke, die langsam schluckweise getrunken werden. Deren Mineralienkonzentration entspricht der des Blutes. So muss der Körper weniger regulieren und die Flüssigkeit kommt schneller dort an, wo sie gebraucht wird. Geeignet sind beispielsweise Saftschorlen aus Apfelsaft.
„Wenn der Hunger groß ist, kann (gründliches) Kauen vergessen werden. Dieses ist jedoch sehr wichtig, denn die Verdauung beginnt bereits im Mund. Wenn die Lebensmittel schon gut zerkleinert und mit Verdauungsenzymen aus dem Speichel vermischt sind, wird dem Magen Arbeit abgenommen“, so Sonja Pannenbecker. „Wir empfehlen, stark fettige Speisen nicht gleich zu Beginn und übermäßig zu essen, denn der Körper hat die Produktion von Verdauungsenzymen heruntergeregelt.“ Dadurch kann es bei einer übermäßigen Aufnahme fettiger Gerichte zu Unwohlsein und Magenkrämpfen kommen. Wichtig ist es dennoch, auf eine ausreichende Energieaufnahme zu achten. 

Absprache mit dem Arzt: Schwangere und Diabetiker:innen

Schwangere, Kranke und Kinder müssen unter Umständen nicht am Ramadan teilnehmen. Wer es aber gerne möchte, sollte vorher mit dem Arzt sprechen. Gerade in der Schwangerschaft kann ein Mangel an Mineralien und Vitaminen bei dem ungeborenen Kind zu nachhaltigen körperlichen und geistigen Schäden führen. Hier ist eine gute Planung unbedingt notwendig. 
Typ 2 Diabetiker:innen können durch das Fasten in eine Unterzuckerung geraten, die lebensbedrohlich enden kann, auch hier besser vorher ärztlichen Rat einholen. Das gilt auch für Personen, die regelmäßig Medikamente nehmen.

Das Konsumverhalten reflektieren

Das gemeinsame Durchhalten der Fastenzeit stärkt die Gemeinschaft und regt zum Nachdenken an: Brauche ich wirklich alles, was ich sonst für normal halte? „Ein wichtiger Gedanke, der häufiger in unserem Leben an Entscheidungen beteiligt sein könnte, brauche ich das wirklich? Das 20. T- Shirt, die XXL-Packung Obst, die zur Hälfte schlecht wird, das neueste Smartphone, obwohl das alte noch funktioniert?“, gibt Sonja Pannenbecker zu bedenken und ergänzt: „Diejenigen, die diese Dinge für uns herstellen und viele andere Menschen besitzen oft nur einen Bruchteil von dem, was wir für notwendig halten.“


Wer Interesse am Fasten hat, findet auch in anderen Religionen oder ohne religiösen Bezug Fastenzeiten. Sie können vom Essen auf andere Bereiche ausgeweitet werden. 
 

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