Marktcheck: Vegane Joghurtalternativen

Pressemitteilung vom
  • Viele Joghurtalternativen enthalten Zusatzstoffe 
  • Wenn Calcium oder Vitamin B12 Anreicherungen fehlen, stehen sie den Milchprodukten in dieser Hinsicht nach
  • Preislich sind sie vergleichbar mit teuren Bio Naturjoghurts
Joghurt vegan
Vegane Joghurtalternativen enthalten oft viele Zusatzstoffe
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Wie gut sind pflanzliche Joghurtalternativen? Die Verbraucherzentrale Bremen prüfte 21 Produkte:

Milchersatzprodukte gewinnen an Bedeutung. Der Gesellschaft für Konsumgüterforschung zufolge, kauft jeder dritte Haushalt in Deutschland Milchalternativen ein. Deshalb hat die Verbraucherzentrale Bremen einen Marktcheck durchgeführt und vegane Joghurtalternativen genauer unter die Lupe genommen.
Die Gründe für die Wahl eines pflanzlichen Ersatzproduktes sind vielseitig. „Verbraucherinnen und Verbraucher greifen zu Milchersatzprodukten aufgrund des Geschmacks oder des Tierwohls. Auch für Menschen mit einer Laktoseintoleranz sind sie eine Alternative“, sagt Sonja Pannenbecker, Referentin für Lebensmittel und Ernährung von der Verbraucherzentrale Bremen. Besonders der Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekt steht im Fokus, denn die pflanzlichen Alternativen verursachen weniger Treibhausgase und verbrauchen weniger Landfläche. 

Der Marktcheck

 Für den Marktcheck wählte die Verbraucherzentrale Bremen nur Joghurtalternativen, die das naturbelassene Milchprodukt nachahmen sollen. Insgesamt wurden 21 vegane Joghurtalternativen verglichen, davon waren 13 auf Sojabasis, jeweils drei waren kokos- oder cashewbasiert, und jeweils ein Joghurt war auf Mandel- bzw. Lupinenbasis. 

Der Joghurt, der nicht Joghurt heißen darf

„Milch und Milchprodukte unterliegen einem besonderen Kennzeichnungsschutz. So ist es Herstellern von pflanzlichen Alternativen untersagt, Angaben zu machen, die eine Ähnlichkeit zu einem Milchprodukt beschreiben, wie beispielsweise Art Sahnejoghurt“, erklärt Sonja Pannenbecker. 
Hersteller veganer Joghurtalternativen müssen erfinderisch werden. Meist spielt dabei die Aufmachung der Verpackung eine tragende Rolle. Abbildungen, die den traditionellen Joghurts nachempfunden sind, vermitteln den Verbraucherinnen und Verbrauchern eine vergleichbare Beschaffenheit.
Oft steht auf den fermentierten Sojaprodukten die Geschmacksrichtung „Natur“ oder „Natur mit Hafer/Mandel“. Obwohl 62 % der ausgewählten Produkte auf Sojabasis sind, wird damit selten aktiv geworben.
Auch das Meiden des Begriffes „vegan“ zwingt Verbraucherinnen und Verbraucher zu einem genauen Blick auf die Zutatenliste. Häufig sind erst auf der Rückseite oder auf dem Deckel Hinweise wie das „V-Label.EU“ oder die „Vegane Blume“ wiederzufinden.

Zutatenlisten mit vielen Zusatzstoffen

„Bis zu 15 Zutaten fand die Verbraucherzentrale Bremen in einer Joghurtalternative. Das ist viel für ein Produkt, das mit Natürlichkeit wirbt“, bemängelt Sonja Pannenbecker. Je nach Hersteller wird den Produkten eine Palette an Zusatzstoffen beigefügt. 
17 der 21 Joghurtalternativen kamen nicht ohne Verdickungsmittel aus, acht verwendeten zusätzlich oder an Stelle dessen verdickende Zutaten wie Mais- oder Tapiokastärke. Etwa die Hälfte der Produkte enthielt Säureregulatoren wie Zitronensäure und ebenso oft kamen Aromen vor. Ein Viertel der veganen Joghurtalternativen enthielt Zucker oder ähnliche süßende Zutaten, wie Dextrose, Hafersirup oder Invertzuckersirup. Zudem enthielt ein Drittel Antioxidationsmittel für die Haltbarkeit. 
„Lediglich zwei Joghurtzubereitungen auf Sojabasis enthielten ausschließlich Wasser, Soja und Joghurtkulturen“, sagt Sonja Pannenbecker.

Bestnoten beim Nutri Score 

Der Nährstoffgehalt der veganen Joghurtalternativen lässt sich jedoch zeigen. Insgesamt sind sie vergleichbar mit einem fettreduzierten Naturjoghurt und auch der berechnete Nutri Score fällt bei 13 der 21 Produkte mit einem dunkelgrünen A aus. Schlechtere Bewertungen bekamen die Joghurtprodukte auf Kokos- und Lupinenbasis, welche besonders fetthaltig sind und viele gesättigte Fettsäuren enthalten.
Allerdings waren von den 21 Joghurtvarianten nur acht zusätzlich mit Calcium, Vitamin D und Vitamin B12 angereichert. Alle anderen waren somit hinsichtlich der Mikronährstoffe nicht mit einem Naturjoghurt vergleichbar. 

Preise im Vergleich

Im Durchschnitt kosten die veganen Joghurtzubereitungen 0,45 € je 100 g. Der günstigste Joghurt lag bei 0,28 € und der teuerste bei 1,52 € auf 100 g. Die herkömmlichen Milchjoghurts kosten dagegen nur 0,08 € bis 0,30 € je 100 g. Somit sind die veganen Joghurtalternativen eher vergleichbar mit einem hochpreisigen Naturjoghurt in Bioqualität.

 

FAZIT 

Die pflanzlichen Pendants des Naturjoghurts kommen selten ohne Zusatzstoffe und Verdickungsmittel aus. Sie enthalten wie Joghurt auch Milchsäurebakterien, erreichen ihre cremige Konsistenz aber meist erst durch verdickende Zutaten wie Maisstärke. Für Menschen, die auf Milchprodukte verzichten möchten, sind sie eine gute Alternative. Allerdings lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste, eine Anreicherung mit Calcium kann für Veganer sinnvoll sein.

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