Wie nachhaltig ist die betriebliche Altersvorsorge?

Pressemitteilung vom
Verbraucherzentrale Bremen untersucht Informationspflicht zu ethisch-ökologischen Anlagekriterien mit Praxistest
Betriebliche Altersvorsorge
  • 14 von 39 untersuchten Anbieterberichten liefern schwammige Informationen
  • Nur neun Berichte enthalten konkrete Angaben zu den Nachhaltigkeitskriterien
  • In 16 Fällen geben die Anbieter an, dass sie Nachhaltigkeitsstandards nicht konsequent berücksichtigen
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Anbieter von betrieblicher Altersversorgung sind nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) verpflichtet, darüber zu informieren, ob und wie sie bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge ethische, soziale und ökologische Belange berücksichtigen. Aufgrund einer Europäischen Richtlinie wird die Regelung aktuell überarbeitet. Die Verbraucherzentrale Bremen hat bei Versicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds den Praxistest gemacht.

„In vielen von uns untersuchten Fällen sind die von den Anbietern zur Verfügung gestellten Informationen so vage und schwammig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nicht beurteilen können, ob und inwieweit Nachhaltigkeitsstandards tatsächlich angewandt werden“, sagt Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Nachhaltigkeitsstandards spielen keine große Rolle

In neun Berichten geben die Anbieter detailliertere Informationen zu ihren Nachhaltigkeitsstandards. Hier erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel, welche ethisch oder ökologisch bedenklichen Branchen bei der Investition ihrer Beiträge tabu sind. Das Untersuchungsergebnis zeigt aber auch, dass für die Mehrzahl der Anbieter Nachhaltigkeitsstandards keine wesentliche Rolle bei ihrer Anlagepolitik spielen. Die Anbieter begründen das unter anderem damit, dass Rendite und Sicherheit im Fokus stehen. „Dieses Argument ist längst widerlegt. Die Praxis und verschiedene Studien zeigen, dass sich Rendite und Nachhaltigkeit keinesfalls ausschließen“, erklärt Brendel.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bremen im Frühjahr 2017 wünschen sich drei Viertel der Befragten die Einführung von ethisch-ökologischen Mindeststandards bei staatlich geförderten Rentenprodukten. „Mit gesetzlichen Mindeststandards bei der betrieblichen Altersvorsorge könnten Verbraucherinnen und Verbraucher sicher sein, dass ihr Geld nicht in Waffen und Rüstung, Kinderarbeit oder Umweltzerstörung fließt. Die Bundesregierung ist hier in der Pflicht, entsprechende Regelungen zu erlassen“, betont Brendel.

Eine Übersicht mit allen untersuchten Anbietern und dem Wortlaut der entsprechenden Berichte finden Sie im Anhang der Verbraucherinformation „Nachhaltigkeit: Marktcheck zur Informationspflicht bei der betrieblichen Altersvorsorge“.

Über das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“
Das bundesweite Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ der Verbraucherzentrale Bremen informiert über nachhaltige Geldanlage und Altersvorsorge. Die Verbraucherzentrale Bremen kooperiert dafür mit den Verbraucherzentralen Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein. Gefördert wird „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Auf der Projekt-Website www.geld-bewegt.de erhalten Sie weitere unabhängige Informationen zu nachhaltiger Geldanlage und Altersvorsorge.

Über die Verbraucherzentrale Bremen
Die Verbraucherzentrale Bremen mit Sitz in Bremen ist ein überparteilicher und anbieterunabhängiger, gemeinnütziger Verein. Seit mehr als 50 Jahren informiert, berät und unterstützt sie Verbraucherinnen und Verbraucher in Fragen des privaten Konsums und vertritt Verbraucherinteressen bei Unternehmen, Politik und Verbänden. Die Verbraucherzentrale hat 18 Mitgliedsverbände und 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vorständin ist Dr. Annabel Oelmann. Arbeitsschwerpunkte sind Verbraucherrecht, Telekommunikation und Medien, Versicherungen und Finanzdienstleistungen, Energie und Bauen, Lebensmittel und Ernährung sowie Gesundheit und Pflege.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

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