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Produkt-Bewertungen: Dubiose Geschäfte mit Online-Rezensionen

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Authentische und gefälschte Bewertungen sind schwer zu unterscheiden. Vertrauen Sie darum Online-Bewertungen nicht blind!
  • Hersteller und Händler können bei Bewertungen auf verschiedene Weise mitmischen. Tester sind nicht immer objektiv oder prüfen nicht umfassend.
  • Nicht alle Portale kämpfen gleichermaßen stark gegen gefälschte Bewertungen. Eine Bewertung durch Algorithmen, eine Missbrauchsmeldefunktion für Verbraucher und die Prüfung von auffälligen Bewertungen durch Mitarbeiter können helfen.
  • Wir zeigen, wie Sie Interessenkonflikte erkennen und wo Sie vorsichtig sein sollten.
Bewertung eines Shops in Sternen
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Online-Bewertungen sind für viele zu einem wichtigen Entscheidungsfaktor beim Einkaufen geworden. Kaum ein Portal kommt ohne aus - vom Hausschuh über den Fernseher bis hin zu Medikamenten und dem Arzt um die Ecke lässt sich zu allem eine Meinung finden. Doch weil authentische von gefälschten Bewertungen schwer zu unterscheiden sind, sollten Sie sich nicht blind auf Online-Bewertungen verlassen. Hersteller und Händler können mitmischen mit und nicht immer ist ihr Einfluss transparent. Klar ist: Beide haben ein Interesse an möglichst guten Bewertungen.

Wie Portale gefälschte Bewertungen verhindern können

In der Untersuchung „Fälschungen bei Bewertungen – bekämpfen Online-Portale sie wirksam?“ haben die Marktwächterexperten der Verbraucherzentrale Bayern ausgewertet, was Portale im Kampf gegen Manipulationen tun. Das Ergebnis: Nicht alle kämpfen gleichermaßen stark gegen gefälschte Bewertungen. Die Marktwächter haben drei Instrumente identifiziert, die zu einer besseren Qualität der Rezensionen auf Bewertungsplattformen führen:

  • Prüfung von Bewertungen durch Algorithmen
  • Missbrauchsmeldefunktion für Verbraucher
  • Prüfung von auffälligen Bewertungen durch Mitarbeiter

Eine Kombination dieser drei Instrumente bietet den besten Schutz vor Manipulationen. Allerdings arbeiten nicht alle Portale so gründlich. Wie unterschiedlich intensiv Portale Bewertungen prüfen, charakterisieren die Verbraucherschützer durch drei Typen: die Gewissenhaften, die Ambitionierten und die Zurückhaltenden.

Die Gewissenhaften nutzen alle drei Prüfverfahren und setzen für Verbraucher ausschließlich ideelle Anreize, um Bewertungen abzugeben. Die Ambitionierten setzen auf automatisierte und manuelle Prüfverfahren und kommunizieren mit Verbrauchern vor allem bei Problemen. Die Zurückhaltenden hingegen räumen Prüfverfahren nur einen geringen Stellenwert ein und motivieren Verbraucher teilweise mit Gutscheinen dazu, Bewertungen abzugeben.

Mehr Informationen zur Untersuchung.

Viele vertrauen Online-Bewertungen nicht

Eine Skepsis gegenüber der Bewertungsflut herrscht auch bei einem Großteil der Verbraucher. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Marktwächters Digitale Welt der Verbraucherzentrale Bayern vertrauen nur zwei Prozent der Verbraucher Online-Bewertungen "voll und ganz", weitere 22 Prozent zumindest "eher". Der Großteil vertraut den Bewertungen hingegen nur teilweise oder überhaupt nicht.

Wir empfehlen, auf professionelle und unabhängige Tester zu setzen. Ein Beispiel ist die Stiftung Warentest, die mit Steuermitteln gefördert wird und nach wissenschaftlichen Methoden arbeitet. Beides macht sie unabhängig von Einflüssen der Hersteller und Händler.

    Vorsicht gilt bei solchen Online-Bewertungen!

    Affiliate-Programme und Test-Portale

    Blogger zeigen auf YouTube und in sozialen Netzwerken, welche Dinge sie verwenden. Vermeintliche Test-Portale schreiben lange Texte und reihen Produkte in Bestenlisten ein. Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass dahinter ein Geschäftsmodell stecken kann: Beim so genannten Affiliate-Marketing zahlen Händler pro Klick oder pro Kauf eine Provision, wenn der Kunde von dem Partner, also einem Blogger oder einem vermeintlichen Test-Portal, vermittelt worden ist.

    Das funktioniert so:

    • Blogger und Test-Portale verlinken auf die Produktseiten im Shop eines Händlers. Weil die Links angepasst sind, wird erkennbar, wo Sie als Besucher des Shops herkommen.

    • Häufig wird nachher ein bestimmter Betrag als Provision gezahlt – das kann schon nach einem Klick passieren oder erst nach erfolgtem Einkauf. Häufig richtet sich die Höhe der Provision nach dem Warenwert.

    • Für einige Blogger und Betreiber von Test-Portalen mag die Überlegung sein: Je besser sie Produkte bewerten, je teurer diese sind und je mehr Bewertungen sie schreiben, desto mehr Geld verdienen sie dabei.

    Vermeintliche Produkttests erwecken oft den Anschein, es sei objektiv geprüft und verglichen worden. Da reihen sich Produkte in Tabellen aneinander, es gibt Noten für Teilbereiche und "Test-" oder "Vergleichssieger".

    Einige Autoren haben die Produkte tatsächlich aber nicht einmal in der Hand gehalten. Sie schauen dagegen zum Beispiel in Produktinfos der Hersteller und sichten Rezensionen auf großen Verkaufsplattformen. Nach welchen Kriterien daraus ein Testergebnis entsteht, ist nicht nachvollziehbar. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat daher schon Portale wegen Vortäuschung von Produkttests abgemahnt.

    Viele dieser vermeintlichen Testportale nutzen Affiliate-Programme, Hinweise darauf sind auf den Seiten aber oft versteckt. Verbraucher können so nicht auf den ersten Blick erkennen, dass die Seiten vor allem den finanziellen Interessen ihrer Betreiber dienen.

    Bei Test-Portalen können Sie darauf achten:

    • Sind die Links in die Shops der Händler ungewöhnlich lang und befinden sich darin viele sinnfreie Zahlen- und Buchstabenkombinationen? Affiliate-Links werden meist auf diese Weise ergänzt.

    • Werden eher teure Produkte am besten bewertet?

    • Gibt es überhaupt eine nennenswerte Anzahl schlechter Bewertungen?

    • Führen die Links zu einem großen Teil in die Auftritte derselben großen Händler? Achtung: Der verlinkte Shop eines Händlers bietet oft gar nicht den besten Preis. Schauen Sie sich bei mehreren Anbietern um, wo Sie am günstigsten kaufen können!

    Produkttester-Clubs und Vorteilsprogramme

    Einige Online-Händler lassen zwar Bewertungen aller Käufer zu, behandeln aber einige Tester bevorzugt. Diese werden dann zum Beispiel in Produkttester-Clubs aufgenommen. Teilweise bekommen sie neue Produkte früher als alle anderen geliefert. Teilweise bekommen sie sie gratis.

    Die Risiken dabei: Solche Tester können sich durch die Aufnahme geschmeichelt fühlen und freuen sich über früher oder kostenlos gelieferte Waren. Außerdem bangen sie bei zu vielen schlechten Bewertungen vielleicht um ihren Status beim Händler. Ihre Bewertung kann deshalb besser ausfallen, als sie es ohne diese Sonderstatus des Testers gewesen wäre.

    Manche Portale nutzen diese Auszeichnungen zur Motivation der Bewerter, ausführliche Bewertungen abzugeben. Das kann dann durchaus nützlich sein. Schlecht ist es aber, wenn die Bewertung durch Geschenke, Gutscheine oder Geld belohnt wird. Das müsste dann eigentlich gekennzeichnet werden, wird es aber nicht immer.

    Bei Bewertungen in Shops können Sie darauf achten:

    • Gibt es Bezeichnungen für manche Verfasser von Bewertungen? Die mögen gut klingen – hinterfragen Sie aber, ob es sich tatsächlich um einen besonders kritischen Tester handelt oder ob Ihnen geschmeichelt werden soll.

    • Hebt der Händler einzelne Bewertungen hervor? Tests von Mitgliedern solcher Vorteilsprogramme stehen in der Liste teilweise oben.

    Portale, die Testberichte sammeln

    Je mehr Produkttests desto besser? Einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert, viele verschiedene Produkttests zu einzelnen Produkten zu versammeln. Ist es auf vielen Online-Portalen positiv bewertet worden, landet es hier in den Bestenlisten oben.

    Achtung: Als Käufer erkennen Sie nun erst recht nicht, nach welchen Kriterien und wie seriös die berücksichtigten Tester vorgegangen sind. Unser Fazit: Viel hilft nicht viel! Achten Sie stattdessen darauf, wie seriös ein einzelner Test ist.


    Wenn Laien bewerten

    Viele Käufer schildern nach dem Kauf ihren persönlichen Eindruck von den Produkten. Für tiefergehende Beurteilung fehlen ihnen aber die Möglichkeiten:

    • Wie bruchsicher ein Koffer ist, wird zum Beispiel erst klar, wenn er mal aus drei Metern höher runter gefallen ist. Dazu liegen in der Regel keine Erfahrungen vor.
    • Ohne Fachwissen lassen sich viele Dinge gar nicht beurteilen. Einzelne Online-Apotheken lassen Käufer zum Beispiel gelieferte Medikamente bewerten – das kann sogar gefährlich werden.
    • Bei unabhängigen, großen Tests, wie sie zum Beispiel die Stiftung Warentest durchführt, werden außerdem viele verschiedene Produkte miteinander verglichen. Denn wie gut ein Produkt ist, zeigt sich häufig erst beim Vergleich mit Alternativen.

      Gesponserte Bewertungen müssen gekennzeichnet werden

    Erhalten Nutzer Belohnungen für Bewertungen, müssen diese entsprechend gekennzeichnet werden, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Bewertungen sind ein wesentliches Kriterium für die Kaufentscheidung. Aus dem Grund ist es erforderlich, dass Anbieter alle Nutzerbewertungen, egal ob positiv oder negativ, gleichwertig und objektiv ranken“, fordert Lina Ehrig, Teamleiterin Digitales und Medien beim vzbv. „Gesponserte Bewertungen, die mit Geldzahlungen, Schenkungen zu Testzwecken oder Gutscheinen belohnt wurden, müssen als solche gekennzeichnet werden und dürfen keinen Einfluss auf die Gesamtbewertung eines Produktes oder einer Dienstleistung haben“, so Ehrig.

    Haben Sie schon einmal etwas für eine Bewertung geboten bekommen?

    Werden für eine Bewertung Geld, Gutscheine (Vouchers) oder Testprodukte als Gegenleistung geboten? Die Experten des Marktwächters Digitale Welt wollen mehr über diese Praxis herausfinden und wissen welche Anbieter entsprechende Angebote machen. Wenn Sie das schon einmal erlebt haben, helfen Sie mit Ihren Erfahrungen!