Flagge der UkraineUnsere Solidarität gilt den Opfern des Krieges in der Ukraine. Die Verbraucherzentrale unterstützt Betroffene mit Informationen, die sie hier finden.

Pauschalreisen im Bus - das sind Ihre Rechte

Stand:
Große Verspätungen, eine defekte Klimaanlage im Bus oder beschädigtes Busgepäck: All das müssen Urlauber:innen nicht schlucken. Wir erklären Ihnen, wie Sie darauf reagieren können.
Urlauber sitzen in einem Reisebus

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Sie Mängel feststellen, die Bestandteil des Reisevertrages sind, melden Sie diese sofort dem Reiseleiter oder Reiseveranstalter.
  • Gleiches gilt, wenn ein Gepäckstück verloren geht.
  • Ziehen Sie Zeugen hinzu
  • Machen Sie Fotos von den Mängeln.
Off
Ausstattung des Reisebusses: Wenn die Klimaanlage fehlt

Versprochen war per Reisevertrag ein Bus mit Klimaanlage, Toiletten oder WLAN. Fehlt die schriftlich zugesicherte Ausstattung, können Urlauber:innen eventuell einen Teil des Reisepreises zurückverlangen. Schließen Unternehmen in ihren Beförderungsbedingungen die Haftung für die Funktionstüchtigkeit von Klimaanlage, Bordtoilette, Internet u. ä. aus? Das ist  unzulässig, wenn diese Eigenschaften zugesichert worden und Bestandteil des Reisevertrages geworden sind.

Sie müssen die Abweichungen von der versprochenen Ausstattung beweisen können. Fotos und Zeugen sind dabei hilfreich. Die Mängel müssen Sie unverzüglich dem Reiseveranstalter anzeigen. Dies sollte in Anwesenheit von Zeugen geschehen, oder Sie lassen sich die Kenntnisnahme der Mängelanzeige schriftlich bestätigen. Hierfür reicht aus, dass der Reiseleiter ein "zur Kenntnis genommen" auf die schriftliche Mängelanzeige setzt.

Ist kein Reiseleiter anwesend und auch am Urlaubsort nicht zu erreichen, sollte der Reiseveranstalter in Deutschland informiert werden, am besten telefonisch und ebenfalls in Anwesenheit von Zeugen.

Nicht zuständig für Mängelanzeigen sind die Leistungsträger vor Ort, also beispielsweise die Hoteliers. Es sei denn, dies ist ausdrücklich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen so festgelegt.

Wenn Sie aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, fordern Sie vom Reiseveranstalter die Rückzahlung eines Teils des bereits gezahlten Reisepreises, schriftlich und nachweisbar, etwa per Einwurfeinschreiben. Anhaltspunkte, wie viel Reisepreisermäßigung Ihnen zusteht, geben folgende Reisemängeltabellen:

Busgepäck: Was tun bei Verlust oder Beschädigung?

Geht auf einer Buspauschalreise Gepäck verloren oder werden Koffer oder Taschen beschädigt, können Urlauber:nnen einen Teil des Reisepreises vom Reiseveranstalter zurückverlangen und Schadenersatz fordern. Sobald Sie den Verlust oder die Beschädigung Ihres Reisegepäcks feststellen, müssen Sie dies unverzüglich dem Reiseleiter melden. Dies sollte in Anwesenheit von Zeugen geschehen, oder Sie lassen sich die Kenntnisnahme der Mängelanzeige schriftlich bestätigen. Hierfür reicht aus, dass der Reiseleiter ein "zur Kenntnis genommen" auf die schriftliche Mängel- oder Verlustanzeige setzt.

Gut zu wissen: Busunternehmen behaupten oft, bei Verlust nicht zahlen zu müssen. Das ist falsch. Sobald der Busunternehmer das Gepäck angenommen hat, muss er dieses sorgsam aufbewahren und darf es nur an den Berechtigten herausgeben. Verliert der Busunternehmer Ihren Koffer, so muss dieser nach einem Urteil des AG München (AG München, Az. 283 Js 5956/15) hierfür haften.
 

Ist kein Reiseleiter anwesend und auch am Urlaubsort nicht zu erreichen, muss der Reiseveranstalter in Deutschland, am besten telefonisch und in Anwesenheit von Zeugen informiert werden. Nicht zuständig für Mängelanzeigen sind die Leistungsträger vor Ort, also beispielsweise Hoteliers, es sei denn, dies ist ausdrücklich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen so festgelegt. Den Verlust Ihrer Gepäckstücke sollten Sie auch der Polizei melden.

Sie dürfen sich auf Kosten des Reiseveranstalters die nötigste Ausstattung anschaffen. Bietet der Reiseveranstalter Ihnen bereits am Urlaubsort den Ersatz des Schadens an, sollten Sie diesen nur unter Vorbehalt annehmen und sich vorbehalten, weitere Ansprüche geltend zu machen. In der Regel bekommen Sie den Wert erstattet, den die Gegenstände zum Zeitpunkt des Verlusts bzw. der Beschädigung hatten. Fehlt das Gepäck während des ganzen Urlaubs, sind grundsätzlich 20 bis 25 Prozent des Gesamtreisepreises zu erstatten.

Wenn Sie aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, fordern Sie vom Reiseveranstalter

  • die Rückzahlung eines Teils des bereits gezahlten Reisepreises und
  • den Ersatz des Schadens, der Ihnen durch den Verlust oder die Beschädigung des Gepäcks entstanden ist. 

Tun Sie dies schriftlich und nachweisbar, etwa per Einwurfeinschreiben. Der Reiseveranstalter hat aber die Möglichkeit zu beweisen, dass er den Schaden nicht zu vertreten hat.

Wird das Gepäck infolge eines Unfalls auf einer Fahrtstrecke von mindestens 250 Kilometern beschädigt oder geht es verloren, können Reisende auch vom Busunternehmen Schadenersatz verlangen. Die Haftung kann allerdings auf 1.200 Euro je Gepäckstück beschränkt werden, wenn die Schäden nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich verursacht wurden.

Warten auf den Reisebus: Geringe Verspätungen sind hinzunehmen

Rechte gegenüber dem Reiseveranstalter

Urlauber:innen, die an einem Zusteigetreffpunkt im Freien auf den Bus warten müssen, können unter Umständen einen Teil des bereits gezahlten Reisepreises zurückverlangen oder von der Reise zurücktreten.

Grundsätzlich ist eine geringfügige Verzögerung des Reisebeginns hinzunehmen. Maßgeblich für die zumutbare Wartezeit sind die jeweiligen örtlichen, zeitlichen und witterungsbedingten Verhältnisse.

Reisenden kann beispielsweise nicht zugemutet werden, im Dezember bei Schneetreiben zwei Stunden zu warten, ohne vom  Veranstalter benachrichtigt worden zu sein. Gleiches gilt, wenn Sie keine Möglichkeit hatten, selbst Kontakt zum Veranstalter aufzunehmen. Das hat das Landgericht Frankfurt/Main (Az.: 2/24 S 123/88) entschieden. Die Reisenden hätten berechtigterweise die Reise nicht angetreten und mussten keine Stornokosten zahlen.

Ebenso hat das Landgericht Frankfurt/Main (Az.: 32 C2890/94-48) für den Fall entschieden, dass ein Reisebus nicht an dem in den Reiseunterlagen genannten Zusteigetreffpunkt, sondern an einer anderen Stelle anhält und aus diesem Grund den Reisenden nicht sieht.

Bevor die Reise aufgrund der Verspätung des Busses nicht angetreten wird, muss der Reiseveranstalter, soweit möglich, die  Gelegenheit bekommen, den Mangel zu beseitigen. Erst wenn das nicht gelingt, darf die Reise abgesagt werden, ohne dass Sie Stornierungskosten zahlen müssen.

Beweise für Verspätung

Wenn Sie die Reise zwar antreten, aber einen Teil des bereits gezahlten Reisepreises zurückverlangen möchten, sollten Sie Beweise für die Verspätung unter widrigen Umständen sammeln, beispielsweise Zeugen suchen. Die Verspätung muss dem Reiseveranstalter unverzüglich angezeigt werden, soweit hierzu eine Möglichkeit gegeben ist. Dies sollte in Anwesenheit von Zeugen geschehen.

Der Reiseveranstalter kann daraufhin den Mangel beseitigen oder Ihnen ein Ersatzangebot machen, beispielsweise ein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung stellen. Dieses Ersatzangebot müssen Sie nur annehmen, wenn es der von Ihnen gebuchten Leistung (Reisebus) entspricht oder besser ist. Erfolgt keine Abhilfe, verlangen Sie nach der Rückkehr aus dem Urlaub vom Reiseveranstalter einen Teil des bereits gezahlten Geldes zurück, etwa Einwurfschreiben.  machen.

Rechte gegenüber dem Busunternehmer

Auch gegen den Busunternehmer haben Reisende Rechte. Wird eine Busfahrt über eine Strecke von mindestens 250 Kilometer annulliert oder verzögert sie sich um mehr als zwei Stunden, muss der Beförderer die Fortsetzung der Fahrt zum frühest möglichen Zeitpunkt oder eine Weiterreise mit geänderter Streckenführung zum vereinbarten Zielort ohne Aufpreis anbieten.

Bei Fahrten mit einer planmäßigen Dauer von über drei Stunden und Start von einem Busbahnhof muss das Busunternehmen Hilfeleistungen offerieren, wenn die Fahrt annulliert wird oder sich um mehr als 90 Minuten verzögert. Ein Busbahnhof unterscheidet sich von einer Bushaltestelle dadurch, dass er mit Personal besetzt und mit Schaltern zur Abfertigung, Warteräumen, Fahrscheinschaltern oder ähnlichen Einrichtungen ausgestattet ist.

Die Hilfeleistungen bestehen in Imbissen, Mahlzeiten oder Erfrischungen, sofern sie im Bus oder im Busbahnhof verfügbar oder in zumutbarer Weise zu beschaffen sind. Außerdem muss der Beförderer für ein Hotelzimmer oder eine andere Möglichkeit zur Unterbringung sorgen, falls ein Aufenthalt mit einer oder mehreren Übernachtungen erforderlich ist. Er kann die Gesamtkosten der Unterbringung (ohne die Kosten für die Fahrt vom Busbahnhof zur Unterkunft) auf 80 Euro pro Nacht und Fahrgast und höchstens zwei Nächte beschränken.

Die Pflicht zur Unterbringung entfällt, wenn das Busunternehmen nachweist, dass die Annullierung oder Verspätung durch widrige Wetterbedingungen oder schwere Naturkatastrophen verursacht wurde. Über Verspätungen und Annullierungen muss das Busunternehmen Sie informieren.

Verjährung: So sichern Sie Ihre Ansprüche
Ihre Ansprüche verjähren innerhalb von zwei Jahren. Die Frist beginnt mit dem Tag, an dem die Reise vertragsgemäß enden sollte.  Eine Klage muss daher vor Ablauf dieser Zeit erhoben werden.

Förderlogo BMJV