Bioverfügbarkeit von Nahrungsergänzungsmitteln: Was wirklich im Körper ankommt

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Bei Nahrungsergänzungsmitteln findet man oft Aussagen wie "höhere Bioverfügbarkeit" oder "besonders bioverfügbar". Das heißt, der Körper soll die enthaltenen Nährstoffe besonders gut aufnehmen. Was zunächst positiv klingt, kann auch problematisch sein. Die Verbraucherzentralen erklären, was wichtig ist.
Eine Männerhand legt eine Tablette mit Nahrungsergänzungsmittel in die andere Hand, in der weitere Tabletten liegen

Das Wichtigste in Kürze:
Kernbotschaft Nahrungsergänzungsmittel: Achtung, kann der Gesundheit schaden

  • Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel von einem Nährstoff der Körper nach dem Essen oder Trinken tatsächlich aufnehmen und nutzen kann.
  • Die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln kann höher sein als in natürlichen Lebensmitteln, da die Nährstoffe in konzentrierter und freier Form vorliegen.
  • Aber auch hier kommt es darauf an, wann und mit welchen Lebensmitteln Sie das Nahrungsergänzungsmittel essen.
  • Die beworbenen Nährstoffe müssen im Produkt so enthalten sein, dass der Körper sie aufnehmen kann.
  • Die Aussage "besser bioverfügbar" ist nicht zwangsläufig positiv. Durch "Bio-Enhancer", also Stoffe, die die Aufnahme und Wirksamkeit von Nährstoffen, aber auch Medikamenten steigern, können Nahrungsergänzungsmittel problematisch oder sogar gefährlich werden.  
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Bioverfügbarkeit – was bedeutet "besonders bioverfügbar" überhaupt?

Bioverfügbarkeit bezeichnet den Anteil eines Nährstoffs, der nach der Verdauung tatsächlich im Körper zur Verfügung steht und von ihm genutzt werden kann. Oft ist nicht alles, was in einem Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel steckt, für den Körper verfügbar. Ein Teil wird vom Körper aufgenommen und verwertet, der Rest geht verloren. Ein Beispiel: Ein Lebensmittel enthält 2 Milligramm Vitamin C, aber wegen verschiedener Faktoren nimmt der Körper davon vielleicht nur einen Teil auf – sagen wir 0,5 Milligramm. 

Wenn auf einem Produkt mit einer besonders hohen Bioverfügbarkeit geworben wird, bedeutet dies, dass der Körper mehr von dem angegebenen Nährstoff aufnehmen kann als aus einem anderen Produkt. Ein solches Nahrungsergänzungsmittel würde also dafür sorgen, dass der enthaltene Stoff vom Körper besser genutzt wird – zumindest theoretisch.

Die empfohlenen Mengen eines Nährstoffs, man spricht von Referenzwerten, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angegeben werden, berücksichtigen bereits, dass der Körper Nährstoffe aus normalen Lebensmitteln nur teilweise aufnimmt. Sie fallen daher höher aus als der tatsächliche Bedarf. 

Welche Faktoren beeinflussen die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen? 

Die Bioverfügbarkeit, also der Anteil eines Nährstoffs, der vom Körper tatsächlich aufgenommen und verwertet werden kann, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Während der Körper Makronährstoffe wie Kohlenhydrate, Proteine und Fette zu etwa 90 Prozent aufnehmen kann, kann das bei Vitaminen und bioaktiven Substanzen stark variieren. 

Äußere Faktoren, wie die Zusammensetzung eines Lebensmittels, die Art der Mahlzeit und die Zubereitung, beeinflussen, wie gut der Körper Nährstoffe aufnimmt. Schonendes Erhitzen oder Kochen kann zum Beispiel die Aufnahme bestimmter Stoffe deutlich verbessern, wie etwa bei Beta-Carotin

Bei rohen Lebensmitteln kann unter Umständen schon das Zerkleinern helfen, dass der Körper sie besser verwerten kann. Zusätzlich spielt die chemische Form eines Nährstoffs eine Rolle: Hämeisen aus tierischen Lebensmitteln wird beispielsweise besser aufgenommen als pflanzliches Eisen oder Eisenverbindungen wie Eisensulfat. 

Bestimmte, meist pflanzliche Stoffe im Essen können die Aufnahme von Nährstoffe hemmen. Dazu gehören Oxalsäure, die vor allem Calcium, Magnesium und Eisen blockiert, Phytinsäure, die vor allem Eisen und Zink hemmt, oder Avidin in rohem Eiklar, das Aufnahme von Biotin beeinträchtigt. Außerdem können Polyphenole wie Resveratrol Eisen binden. 

Gleichzeitig beeinflussen weitere Substanzen im Magen-Darm-Trakt die Aufnahme. Eisenpräparate sollten beispielsweise nicht zusammen mit Kaffee eingenommen werden, da Koffein die Eisenaufnahme hemmt. Vitamin C aus Gemüse oder Früchten und bestimmte Zuckerarten können dagegen die Aufnahme von Eisen im Darm steigern. Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin K oder auch Betacarotin (Provitamin A), Coenzym Q10 und Omega-3-Fettsäuren werden besser aufgenommen, wenn sie zusammen mit fetthaltigen Lebensmitteln gegessen werden. 

Auch individuelle physiologische Einflüsse, wie der Ernährungsstatus, Erkrankungen oder die Beschaffenheit des Magen-Darm-Trakts, sind bedeutsam für die Bioverfügbarkeit. Wer zum Beispiel einen Vitamin C-Mangel hat, kann deutlich mehr Vitamin C aus der Nahrung aufnehmen als jemand, der ausreichend versorgt ist. Deshalb ist eine Ergänzung bestimmter Nährstoffe nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. 

Außerdem gilt: Mehr ist nicht gleich mehr Nutzen. Das Prinzip "Viel hilft viel" trifft hier also nicht zu. Der Körper kann zu hohe Mengen an Nährstoffen oft nicht vollständig verarbeiten, und manchmal kann zu viel eines Nährstoffs sogar die Aufnahme eines oder mehrerer anderer dadurch blockieren. 

Wie bioverfügbar sind Nährstoffe aus Nahrungsergänzungsmitteln?

In natürlichen Lebensmitteln sind Vitamine und Mineralstoffe oft so eingebunden, dass der Körper sie nicht effizient aufnehmen kann. Ein Beispiel ist Folsäure: In natürlichen Quellen liegt sie meist in gebundener Form vor und muss daher erst vom Körper umgewandelt werden. Besonders aus grünem Blattgemüse, einem Hauptlieferanten, nimmt der Körper oft nur wenig Folsäure auf. In Nahrungsergänzungsmitteln hingegen ist Folsäure bereits in freier Form verfügbar, sodass der Körper sie direkt verwenden kann. 

Für den Körper macht es mehrheitlich keinen Unterschied, ob ein Vitamin aus einer natürlichen oder synthetischen Quelle stammt, weil die chemische Struktur in den meisten Fällen gleich ist. Eine Ausnahme bildet Vitamin E: Hier gibt es Unterschiede zwischen synthetischer und natürlicher Form. Diese Unterschiede werden bei der Dosierung der Produkte berücksichtigt.

Trotzdem ist es wichtig, Nährstoffe nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit einer ausgewogenen Ernährung zu sich zu nehmen. Dann können sich die verschiedenen Substanzen gegenseitig im Körper in ihrer Wirkung unterstützen. Für gesunde Menschen ohne einen speziellen Mangel ist es daher nicht nötig, konzentrierte Nährstoffe einzunehmen.

In Nahrungsergänzungsmitteln gibt es die Nährstoffe wie Magnesium in verschiedenen Formen, also chemischen Verbindungen. Manche sind anorganisch gebunden, wie Magnesiumoxid und Magnesiumchlorid, manche organisch wie Magnesiumcitrat. Für den Körper spielt das aber kaum eine Rolle: Er kann Magnesium aus allen Formen aufnehmen.

Organische Verbindungen werden minimal besser verwertet. Dafür enthalten sie oft weniger Magnesium, so dass man größere Mengen bräuchte. Es gilt also: Alle zugelassenen Mineralstoffverbindungen eignen sich zur Verbesserung der Versorgung mit Magnesium. 

Teilweise werden bestimmte Formen etwas schneller aufgenommen, aber insgesamt ist die Menge, die im Körper ankommt, fast gleich.

Wie wird die Bioverfügbarkeit von Nahrungsergänzungsmitteln verbessert? 

Curcumin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der aus der Kurkumapflanze gewonnen wird. Für sich genommen kann der Körper Curcumin nur schlecht aufnehmen. Deshalb wird es in Nahrungsergänzungsmitteln oft so verarbeitet, dass es besser aufgenommen wird, zum Beispiel mit Hilfe spezieller Trägerstoffe wie Micellen oder Liposomen oder zusammen mit anderen Stoffen wie Piperin aus Pfeffer. 

Solche Substanzen, die die Aufnahme verbessern sollen, nennt man auch Bio-Enhancer. Dazu gehören unter anderem

  • Piperin aus Pfeffer,
  • Capsaicin aus Chili,
  • Quercetin aus Obst und Gemüse und
  • Gingerole aus Ingwer. 

Einen nachgewiesenen therapeutischen Nutzen haben solche "verstärkten" Curcumin-Produkte bisher nicht. Im Gegenteil: Sie können dazu führen, dass der Körper mehr Curcumin aufnimmt, als eigentlich sinnvoll ist. Dadurch werden möglicherweise auch Schutzmechanismen des Körpers gegen eine zu hohe Aufnahme bestimmter Stoffe ausgetrickst.

Durch den Pfefferextrakt kann beispielsweise die unter normalen Umständen ermittelte tägliche Höchstmenge überschritten werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät deshalb Schwangeren und Stillenden, auf Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin und Piperin zu verzichten.

Insgesamt sollten Erwachsene nicht mehr als 2 Milligramm isoliertes Piperin pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen. Auch vor zu viel Schärfe in Form von Capsaicin wird gewarnt, wobei diese in Kapseln verpackt oft gar nicht spürbar ist. 

Ein weiteres Problem von Bio-Enhancern: Wahrscheinlich erhöhen sie auch die Aufnahme von Arzneistoffen aus Medikamenten, was durchaus problematisch sein kann, weil das die zugeführte Dosis unkontrollierbar erhöht.

Was ist von der Werbung mit hoher Bioverfügbarkeit zu halten? 

Werbung mit Aussagen wie "besonders hohe Bioverfügbarkeit" sollte man kritisch sehen. Das Gerichtsurteil des Landgerichts Duisburg (Az. 22 O 67/21) urteilte im Mai 2021, dass solche Aussagen irreführend sein können. In einem konkreten Fall hatte eine Firma damit geworben, dass ihr Produkt eine "mehrfach höhere Bioverfügbarkeit" habe als andere Nahrungsergänzungsmittel. Das Gericht untersagte diese Werbung, weil sie Verbraucher:innen täuschen kann.

Der Grund: Aussagen zur Bioverfügbarkeit gelten rechtlich als nährwertbezogene Angaben. Laut der Verordnung sind solche Aussagen nur erlaubt, wenn sie im Anhang der Health-Claims-Verordnung aufgeführt und zugelassen sind. Das war hier nicht der Fall. Daher wurde die Werbung als irreführend und unzulässig eingestuft. 

Auch in den gesetzlichen Regeln zur Lebensmittelwerbung mit Gesundheitsversprechen ist die Bioverfügbarkeit wichtig. Nach der europäischen Health-Claims-Verordnung dürfen Hersteller nur dann mit einem Nährstoff werben, wenn dieser im Produkt so enthalten ist, dass der Körper ihn tatsächlich aufnehmen kann. Ist ein beworbener Inhaltsstoff für den Körper nicht verfügbar, darf er nicht für nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen genutzt werden. Die Bioverfügbarkeit ist damit eine Grundvoraussetzung, dass solche Werbeaussagen überhaupt erlaubt sind. 

Der Bundesgerichtshof entschied am 9. Oktober 2025 (Az. I ZR 135/24), dass eine Aussage zur Bioverfügbarkeit zwar nicht automatisch eine gesundheitsbezogene Angabe ist. Sie kann es aber werden, wenn sie nahelegt, dass der Körper durch die Aufnahme des Nährstoffs einen Gesundheitsvorteil erfährt. Allgemein sollte man Aussagen über eine besonders hohe Bioverfügbarkeit auf eines Nahrungsergänzungsmittels deshalb immer mit einer gesunden Skepsis behandeln. 


Quellen: 

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