Wie bioverfügbar sind Nährstoffe aus Nahrungsergänzungsmitteln?
In natürlichen Lebensmitteln sind Vitamine und Mineralstoffe oft so eingebunden, dass der Körper sie nicht effizient aufnehmen kann. Ein Beispiel ist Folsäure: In natürlichen Quellen liegt sie meist in gebundener Form vor und muss daher erst vom Körper umgewandelt werden. Besonders aus grünem Blattgemüse, einem Hauptlieferanten, nimmt der Körper oft nur wenig Folsäure auf. In Nahrungsergänzungsmitteln hingegen ist Folsäure bereits in freier Form verfügbar, sodass der Körper sie direkt verwenden kann.
Für den Körper macht es mehrheitlich keinen Unterschied, ob ein Vitamin aus einer natürlichen oder synthetischen Quelle stammt, weil die chemische Struktur in den meisten Fällen gleich ist. Eine Ausnahme bildet Vitamin E: Hier gibt es Unterschiede zwischen synthetischer und natürlicher Form. Diese Unterschiede werden bei der Dosierung der Produkte berücksichtigt.
Trotzdem ist es wichtig, Nährstoffe nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit einer ausgewogenen Ernährung zu sich zu nehmen. Dann können sich die verschiedenen Substanzen gegenseitig im Körper in ihrer Wirkung unterstützen. Für gesunde Menschen ohne einen speziellen Mangel ist es daher nicht nötig, konzentrierte Nährstoffe einzunehmen.
In Nahrungsergänzungsmitteln gibt es die Nährstoffe wie Magnesium in verschiedenen Formen, also chemischen Verbindungen. Manche sind anorganisch gebunden, wie Magnesiumoxid und Magnesiumchlorid, manche organisch wie Magnesiumcitrat. Für den Körper spielt das aber kaum eine Rolle: Er kann Magnesium aus allen Formen aufnehmen.
Organische Verbindungen werden minimal besser verwertet. Dafür enthalten sie oft weniger Magnesium, so dass man größere Mengen bräuchte. Es gilt also: Alle zugelassenen Mineralstoffverbindungen eignen sich zur Verbesserung der Versorgung mit Magnesium.
Teilweise werden bestimmte Formen etwas schneller aufgenommen, aber insgesamt ist die Menge, die im Körper ankommt, fast gleich.
Wie wird die Bioverfügbarkeit von Nahrungsergänzungsmitteln verbessert?
Curcumin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der aus der Kurkumapflanze gewonnen wird. Für sich genommen kann der Körper Curcumin nur schlecht aufnehmen. Deshalb wird es in Nahrungsergänzungsmitteln oft so verarbeitet, dass es besser aufgenommen wird, zum Beispiel mit Hilfe spezieller Trägerstoffe wie Micellen oder Liposomen oder zusammen mit anderen Stoffen wie Piperin aus Pfeffer.
Solche Substanzen, die die Aufnahme verbessern sollen, nennt man auch Bio-Enhancer. Dazu gehören unter anderem
- Piperin aus Pfeffer,
- Capsaicin aus Chili,
- Quercetin aus Obst und Gemüse und
- Gingerole aus Ingwer.
Einen nachgewiesenen therapeutischen Nutzen haben solche "verstärkten" Curcumin-Produkte bisher nicht. Im Gegenteil: Sie können dazu führen, dass der Körper mehr Curcumin aufnimmt, als eigentlich sinnvoll ist. Dadurch werden möglicherweise auch Schutzmechanismen des Körpers gegen eine zu hohe Aufnahme bestimmter Stoffe ausgetrickst.
Durch den Pfefferextrakt kann beispielsweise die unter normalen Umständen ermittelte tägliche Höchstmenge überschritten werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät deshalb Schwangeren und Stillenden, auf Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin und Piperin zu verzichten.
Insgesamt sollten Erwachsene nicht mehr als 2 Milligramm isoliertes Piperin pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen. Auch vor zu viel Schärfe in Form von Capsaicin wird gewarnt, wobei diese in Kapseln verpackt oft gar nicht spürbar ist.
Ein weiteres Problem von Bio-Enhancern: Wahrscheinlich erhöhen sie auch die Aufnahme von Arzneistoffen aus Medikamenten, was durchaus problematisch sein kann, weil das die zugeführte Dosis unkontrollierbar erhöht.
