Unverheiratete Paare müssen bei Haftpflichtversicherungen aufpassen

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Unverheiratete Paare haben die Möglichkeit, sich gemeinsam in einer Haftpflichtversicherung zu versichern. Auf den ersten Blick ist dies eine clevere Möglichkeit, um Geld zu sparen. Bei Schäden untereinander kann dies aber zum finanziellen Verhängnis werden.

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Bei privaten Haftpflichtversicherungen können nicht nur der Ehegatte und – mit bestimmten Einschränkungen – die Kinder ohne zusätzliche Kosten in einer Police abgesichert werden. Bei eheähnlichen Lebensgemeinschaften ist es ebenfalls möglich, den Partner im Rahmen eines Vertrages mitzuversichern. Dies gilt auch für gleichgeschlechtliche Gemeinschaften. Voraussetzung dafür ist jeweils, dass der Partner auch namentlich in die Police aufgenommen wird.

In vielen Versicherungstipps wird unverheirateten Paaren deshalb empfohlen, die überflüssige Police eines der Partner zu kündigen und unnötige Kosten zu sparen. Oftmals wird dabei jedoch nicht oder nur unzulänglich darüber aufgeklärt, dass eine gemeinsame Police keineswegs den gleichen Versicherungsschutz bietet und dadurch unter Umständen riskante Lücken entstehen können.

Durch die gemeinsame Versicherung werden grundsätzlich eventuelle Schadensersatzansprüche zwischen den Versicherungsnehmern ausgeschlossen. Dies kann schon bei größeren Sachschäden, die ein Partner versehentlich an dem Eigentum des anderen verursacht, zu unliebsamen Überraschungen führen. Riskant wird der Ausschluss von Ansprüchen untereinander aber insbesondere bei möglichen Personenschäden – zum Beispiel, wenn der eine Partner bei einer Radtour aus Unachtsamkeit oder Übermut in das Fahrrad des anderen gerät und sich dieser beim Sturz so schwer verletzt, dass er für 14 Tage ins Krankenhaus muss.

Untereinander werden sich die Partner in einem solchen Fall in der Regel nicht verklagen. Damit ist das Problem aber nicht gelöst, weil eine Krankenkasse oder ein anderer Sozialversicherungsträger ins Spiel kommen kann.

Nach deren Recht gehen nämlich bestimmte Schadensersatzansprüche innerhalb einer nichtehelichen Gemeinschaft (wie bei fremden Personen) auf den Sozialversicherungsträger über. Im obigen Beispiel wird die Krankenkasse sofort zum Unfallzeitpunkt Anspruchsinhaber für die durch die Behandlung und Unterbringung im Krankenhaus entstehenden Kosten – und sie wird diese auch geltend machen, weil sie sogar dazu verpflichtet ist. Dies ist anders als bei Ehepaaren, bei denen die Sozialversicherungsträger keinen Regress nehmen.

Gerade bei Personenschäden sind die möglichen finanziellen Folgen kaum absehbar und können schnell eine ruinöse Höhe erreichen. Unverheiratete Paare sollten deshalb darauf achten, dass die gemeinsame Police eine Klausel enthält, wonach bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften Regressansprüche von Sozialversicherungsträgern, öffentlichen und privaten Arbeitgebern wegen Personenschäden mitversichert sind.

Alternativ können beide Partner auch eine eigene Police behalten oder abschließen. Mit Blick auf die sonst ausgeschlossenen Ansprüche aus Sachschäden kann es sogar die bessere Lösung sein. Dies gilt jedoch mitunter nicht, wenn es sich um eine nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz eingetragene Lebensgemeinschaft handelt. Bei neueren Verträgen ist dann der eingetragene Lebenspartner automatisch mitversichert – und es sind deshalb Ersatzansprüche untereinander ausgeschlossen. Zwei Policen ergeben hier keinen Sinn und es sollte unbedingt auf die oben genannte Klausel geachtet werden.

Die Verbraucherzentrale Bremen berät zu Haftplichtversicherungen
Terminvereinbarungen: Tel. (0421) 160777, Montag bis Donnerstag von 10:00 bis 16:00 Uhr, Freitag von 10:00 bis 13:00 Uhr.
Die Gebühren betragen 90,- Euro pro Stunde.
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