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Drittanbietersperre fürs Smartphone: Schutz vor ungewollten Abos

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Werbung ist auf dem Smartphone ein ständiger Begleiter.
  • Darüber kann man sich – oft sogar unbemerkt – kostspielige Abos einhandeln.
  • Nur eine Drittanbietersperre schützt.
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In den meisten Fällen reicht ein unbedachtes oder versehentliches Antippen eines Werbebanners aus, um in einer Abofalle zu landen. Und das, obwohl ein Vertrag erst dann wirksam wird, wenn man sich per Button ausdrücklich zur Zahlung verpflichtet: Dieser muss gut lesbar mit nichts anderem als den Wörtern "zahlungspflichtig bestellen" oder einer entsprechenden eindeutigen Formulierung (z. B. "Kaufen") beschriftet sein.

Es sind auch Fälle bekannt, bei denen Nutzer von gängigen Internetseiten ohne etwas anzutippen auf unbekannte Seiten umgeleitet wurden. Das Ergebnis waren ungewollte Abos mit bis zu 9,99 Euro pro Woche. Davor schützt eine Drittanbietersperre (s. u.), die jeder Mobilfunkanbieter auf Verlangen des Kunden einrichten muss.

Gerade die Zahlungspflicht wird in der Werbung oft verschleiert: Viele wissen am Monatsende gar nicht, woher der Posten auf der Mobilfunkrechnung überhaupt stammt. Denn die eigentlichen Abo-Betreiber ("Drittanbieter") sind meist gar nicht zu erkennen - auf der Rechnung findet man in vielen Fällen den Namen einer Abrechnungsfirma, die für den Abo-Betreiber die Abrechnung vornimmt. Die Rechnung selbst schließlich ist die ganz normale Telefonrechnung des eigenen Mobilfunkunternehmens, das somit ein weiteres Glied in der Abrechnungskette bildet:

Grafik Abrechnungskreislauf

Drittanbietersperre schützt

Beim Mobilfunkunternehmen kann eine so genannte Drittanbietersperre zum Schutz vor unbekannten Abo-Betreibern eingerichtet werden (per Musterbrief oder E-Mail). Dann ist dieser Abrechnungsweg zukünftig blockiert. Wer nicht gänzlich auf diese Dienste verzichten möchte, sollte sich bei seinem Mobilfunkanbieter informieren, ob eine Teilsperrung eingerichtet werden kann, die nur bestimmte Leistungen wie Abos, Erotikdienste oder bestimmte Drittanbieter betrifft.

Eine Drittanbietersperre bedeutet nur, dass der Bestell- und Zahlungsweg über die Mobilfunkrechnung unterbunden ist. Mit anderen Bezahlarten wie Kreditkarte, Rechnung oder Lastschrift können weiterhin Dienste in Anspruch genommen werden.

Abofalle abstellen, Geld zurückfordern: Was man tun kann

Abo-Betreiber finden: Die Identität des Abo-Betreibers erfragen – hierzu an den in der Rechnung aufgeführten Kontakt wenden (telefonisch oder per E-Mail).

Abo stoppen: Das ungewollte Abo bei der Abrechnungsfirma (oder direkt beim Abo-Betreiber) deaktivieren (online oder per Musterbrief). Per Brief kann dies zusammen mit dem nächsten Punkt erfolgen!

Betrag beim Abobetreiber zurückfordern: Beim Abo-Betreiber die Rechnung beanstanden und den Betrag zurückfordern (per Musterbrief).

Betrag beim Mobilfunkanbieter zurückfordern: Gleichzeitig beim Mobilfunkanbieter die Rechnung beanstanden und den Betrag von diesem zurückfordern (per Musterbrief).

Die Beanstandung der Rechnung sollte gegenüber dem Drittanbieter und gleichzeitig auch gegenüber dem Mobilfunkanbieter vorgenommen werden. Mit Urteil vom 26.11.2015 (Az.: 2 O 340/14) stellte das LG Potsdam klar, dass der Verbraucher sich mit seinen Einwendungen in der Regel auch an den abrechnenden Mobilfunkanbieter wenden kann und dieser nicht an den Drittanbieter weiterverweisen darf. Diese Frage ist jedoch noch nicht höchstrichterlich geklärt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man daher die Rechnung allen Beteiligten gegenüber beanstanden.

Wichtig: Unbestrittene Rechnungsposten sollten Sie wie gewohnt zahlen, um keine Sperre des Anschlusses zu riskieren. Sie sollten den Rechnungssteller darüber informieren, auf welche Rechnungsposten Ihre Zahlung angerechnet werden soll.

Wie funktioniert die Abofalle technisch?

Der Handynutzer öffnet eine Internetseite. Dabei läuft im Hintergrund der Identifikationsprozess der Mobilfunknummer ab und die Zahlungsinformation wird direkt an den Mobilfunkanbieter gesendet. Das funktioniert nur, wenn das Gerät über Mobilfunk mit dem Internet verbunden ist. Mit einer Drittanbietersperre kann die Mobilfunknummer nicht zur Abrechnung kostenpflichtiger Dienste identifiziert werden. Auch wer im WLAN surft, ist sicher.

Freiwilliges Redirect der Mobilfunkanbieter

Viele Mobilfunkanbieter haben freiwillig ein Redirect-Verfahren eingeführt. Das bedeutet: ein Klick auf einen Banner oder Button allein reicht noch nicht aus, um ein Abo abzuschließen. Es wird zusätzlich eine gesonderte Seite des Netzbetreibers geöffnet, die auf die Kosten hinweist. Diese Seite befindet sich auf dem Server des Netzbetreibers und nicht des Drittanbieters. Erst wenn die Bestellung dort noch einmal bestätigt wird, ist der Vertrag geschlossen. Gesetzlich vorgeschrieben ist dieses Verfahren derzeit nicht.

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