Vielzahl an Nahrungsergänzungsmitteln verstößt gegen EU-Recht

Pressemitteilung vom

Verbraucherzentralen fordern dringend Konsequenzen von Gesetzgeber, Politik und Lebensmittelüberwachung

  • EU-Kontrollen bestätigen Erfahrungen der Verbraucherzentralen
  • Viele Nahrungsergänzungsmittel aus dem Online-Handel dürften nicht verkauft werden
  • Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf sichere Lebensmittel
Früchte (Orange, Apfel, Paprika)aufgeschnitten, gefüllt  mit Pillen
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Verbraucherzentralen fordern dringend Konsequenzen von Gesetzgeber, Politik und Lebensmittelüberwachung

  • EU-Kontrollen bestätigen Erfahrungen der Verbraucherzentralen
  • Viele Nahrungsergänzungsmittel aus dem Online-Handel dürften nicht verkauft werden
  • Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf sichere Lebensmittel

Fatburner, Gelenkkapseln, Pillen fürs Gedächtnis: Im Internet findet sich für jedes Problem ein Händler, der ein Nahrungsergänzungsmittel im Angebot hat. Die Hersteller bewerben die Produkte teils mit unzulässigen Gesundheitsversprechen oder reichern sie gar mit verbotenen Substanzen an. Die Brisanz des Problems machte nun erneut eine europaweite amtliche Kontrollaktion deutlich. Die Behörden fanden fast 800 nicht verkehrsfähige Angebote bei 1100 geprüften Internetseiten. „Strengere Regulierung des Marktes, häufigere Kontrollen und bessere grenzübergreifende Zusammenarbeit bei der Rechtsverfolgung sind überfällig“, kritisiert Theodora Plate von der Verbraucherzentrale Bremen.

Nach den gesetzlichen Vorgaben ist es unzulässig, Nahrungsergänzungsmittel mit vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkungen zu bewerben. Denn auch wenn die Hersteller sie in arzneitypischer Aufmachung als Pillen, Kapseln oder Pulver anbieten, sind es Lebensmittel, die die normale Ernährung ergänzen sollen. „Die Theorie ist schön und gut, die Praxis zeigt ein anderes Bild. Gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln häufen sich Hinweise und Beschwerden zu Internetshops und -marktplätzen. Auch unser Marktcheck zu Gelenkmitteln auf klartext-nahrungsergaenzung.de zeigt, dass insbesondere die Betreiber von Internetshops bei Gesundheitsversprechen negativ auffallen“, so Plate.

EU-Behörden ermittelten 779 nicht verkehrsfähige Produktangebote

Große Zahl an unzulässigen Produkten

Im September 2017 fand europaweit die erste koordinierte amtliche Kontrolle von Lebensmittelangeboten im Internet statt. 25 EU-Mitgliedsstaaten sowie die Schweiz und Norwegen überprüften fast 1100 Webseiten. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf sogenannten neuartigen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Anbieter warben mit nicht erlaubten Angaben zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Erkrankung. Die Behörden ermittelten insgesamt 779 Produktangebote, die nicht verkehrsfähig waren, also nicht verkauft werden dürften. Davon betrafen 428 Angebote nicht zugelassene neuartige Lebensmittel und 351 Angebote Nahrungsergänzungsmittel mit unzulässigen Gesundheitsversprechen zu Knochen und Gelenken.

Der Bericht der Europäischen Kommission kommt zu dem Schluss, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln stärker kontrolliert werden muss. Die Wahrscheinlichkeit Nahrungsergänzungsmittel im Internet zu finden, die nicht EU-rechtskonform sind, ist sehr hoch. Bereits im Rahmen der Aktion hat die Europäische Kommission eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Mitgliedstaaten bei den Kontrollen zu unterstützen, beispielweise die Schulung von Mitarbeitern der amtlichen Überwachung in Online-Untersuchungen.

 

Verbraucherzentralen stellen Forderungskatalog vor

Verstärkte Kontrollen alleine reichen nicht

Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf sichere Lebensmittel, die klar verständlich und den Rechtsvorschriften folgend gekennzeichnet und beworben sind. Um sie besser vor Gesundheitsgefahren und Täuschung durch Nahrungsergänzungsmittel zu schützen, fordern die Verbraucherzentralen über verstärkte amtliche Kontrollen hinaus,

  • alle Nahrungsergänzungsmittel vor dem ersten Inverkehrbringen auf ihre Sicherheit, die Kennzeichnung und die Werbeaussagen zu überprüfen;
  • ein öffentlich zugängliches Verzeichnis aller zugelassenen Nahrungsergänzungsmittel;
  • die Einrichtung einer Meldestelle für unerwartete (Neben-) Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln;
  • Höchstmengenregelungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie
  • eine Positivliste für „sonstige Stoffe“ wie Pflanzenzubereitungen (Botanicals) in Nahrungsergänzungsmitteln.
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