Verbraucherzentrale Bremen
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50 Jahre Verbraucherschutz in Bremen

Es hat sich so einiges getan in den letzten 50 Jahren. Diese allgemein gültige Aussage trifft auch auf die Tätigkeit der Verbraucherzentrale Bremen zu, die 2012 ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Ein kleiner Querschnitt durch fünf Jahrzehnte Arbeit für und mit dem Verbraucher.

Damals...

Zugegeben, mit dem 3. Oktober 1990 verbindet wohl jeder mehr als mit dem 3. Oktober 1961. Und das soll ja auch so sein. Dennoch: der 3. Oktober 1961 ist ebenfalls kein unbedeutsamer Tag. Denn an diesem Tag wurde die Verbraucherzentrale Bremen gegründet. Ein Datum, gleichbedeutend mit dem Beginn der Verbraucheraufklärung in Bremen und umzu, auch wenn die Arbeit erst zu Beginn des folgenden Jahres aufgenommen wurde. Zusammen mit der Hauswirtschaftlichen Beratungsstelle eröffnete die Verbraucherzentrale im Januar 1962 ihre Räume am Katharinenklosterhof.

„Marktgerechtes Verhalten“ – das schrieb sich die Verbraucherzentrale in den Jahren nach der Gründung auf die (Aufklärungs-)Fahne. In den Anfangsjahren war das Beratungsangebot erwartungsgemäß relativ klein, ebenso wie die Zahl der Mitarbeiter. Zwei hauptamtliche Kräfte sowie zwei Teilzeitkräfte beschäftigen sich zunächst mit ernährungswirtschaftlichen Fragen. Preiswerte und zugleich gesunde Ernährung, Vorratshaltung, Tiefkühlkost, Küchenplanung – die „Hausfrau“ von damals wurde mit reichlich Informationen versorgt. Besonders hilfreich war der wöchentlich erhobene Preisspiegel, der Lebensmittel des täglichen Bedarfes samt ihren Preisen auflistete und in den regionalen Zeitungen veröffentlicht wurde.

Verbraucherberatung zum Anfassen – was komisch klingt, war in den 70ern an der Tagesordnung. Waschmaschinen, Küchenherde, Tiefkühltruhen und Staubsauger wurden in den Beratungsräumen aufgestellt und Vor- und Nachteile der Geräte demonstriert. Diese Form der Produktberatung wurde durch die 1979 eingeführte Infothek ersetzt. Die Verbraucher hatten von nun an die Möglichkeit, sich mithilfe von Testberichten der Stiftung Warentest selbst zu informieren.

Anfang der 70er begann die Verbraucherzentrale auch mit dem verbraucherkundlichen Unterricht an Bremer Schulen. Ziel dabei war es, den Schülern die Verbraucherzentrale vorzustellen und ihnen die Bedeutung eines kritischen und bewussten Handelns zu vermitteln.

Vielleicht eines der größten Highlights in der Geschichte der Verbraucherzentrale Bremen war der sogenannte „Verbraucherbus“. Der orangefarbene VW-Bus war seit dem Jahr 1975 auf den Bremer Wochenmärkten, in Einkaufszentren und auf Stadtteilfesten unterwegs, in den Sommermonaten teilweise bis zu vier Mal die Woche. Und wer fuhr die „rollende Beratungsstelle“ damals? Natürlich die Ernährungsberaterinnen selbst!

Weitere „Errungenschaften“ dieses Jahrzehnts waren die Einführung der Schiedsstelle für Textilreinigung und einer Schlichtungsstelle für Schuhreklamation sowie der Beginn der Budget-, Wohn-, Rechts- und Energieberatung. Die beiden letztgenannten Bereiche sind heute zu einem festen Bestandteil des Beratungsangebotes geworden.

Diverse Lebensmittelskandale und das Reaktorunglück von Tschernobyl bestimmten die Arbeit der Verbraucherzentrale in den 80er Jahren. Aufgrund des gestiegenen Umweltbewusstseins der Verbraucher wurde ab 1989 der eigenständige Bereich Umweltberatung angeboten.

In den 90er-Jahren entwickelte sich der Bereich Finanzdienstleistungen zum stärksten Beratungsbereich in diesem Jahrzehnt, stark beeinflusst durch die sich verändernde Marktordnung und des dadurch größeren Angebots auf den Finanzmärkten.

Und heute?

Waschmaschinen wird man heutzutage nicht mehr in der Verbraucherzentrale finden. Auch wenn der Gedanke daran ganz amüsant erscheinen mag, dominieren heute andere Themen die Verbraucherarbeit.

Das Internet beispielsweise hat neben der nicht abstreitbaren Erleichterung für unser Leben auch neue Gefahren mit sich gebracht. So nimmt beispielsweise neben den unsäglichen Internet-Abofallen das Thema Urheberrecht einen immer größeren Platz in der Verbraucherrechtsberatung ein. Vermeintlich kostenlose Musikdownloads aus Internettauschbörsen rufen sogenannte „Abmahnkanzleien“ auf den Plan, die dem Nutzer Abmahnungen mit „Schadensersatzforderungen“ in teilweise vierstelliger Höhe schicken.

Finanzkrise, Wirtschaftkrise, Bankenkrise – wie oft sind diese Begriffe in den letzten Jahren gefallen? Kein Wunder also, dass sich viele Verbraucher Sorgen um Ihr Geld machen. Und ebenfalls keine Überraschung, dass der Bereich Finanzdienstleistungen so gefragt ist wie nie zuvor. Heute berät die Verbraucherzentrale zu Themen wie Geldanlage, Versicherungen, Baufinanzierung, Bank- und Kapitalanlagerecht, Bauen und Baurecht.

Ein ebenfalls dringendes Thema ist die globale Erwärmung. Dieser Problematik hat sich die Verbraucherzentrale in Form eines Klimaprojektes angenommen, das 2008 bundesweit angestoßen und leider Ende 2010 beendet wurde. Themen wie Energieeinsparung werden allerdings nach wie vor von der Energieberatung bearbeitet.

Auch im Ernährungsbereich wird die Arbeit von Themen geprägt, die die Verbraucher bewegen: Gesunde Ernährung für ganz verschiedene Zielgruppen, die zahlreichen – und nicht enden wollenden – Lebensmittelskandale oder der große Bereich Lebensmittelrecht. Insbesondere die Themen Lebensmittelherstellung und Lebensmittelkennzeichnung (z. B. Käseimitate, Klebeschinken, Clean Label) spielen im Beratungsalltag, in der Verbraucherpolitik und in der Öffentlichkeitsarbeit eine immer größere Rolle.

Das Beratungsangebot hat sich gewandelt, es ist vielfältiger und anspruchsvoller geworden. Das ist nur logisch, denn auch die Welt der Verbraucher verändert sich rasant und wird so mit deutlich komplexeren Problemen als noch vor einem halben Jahrhundert konfrontiert. Aber kein Grund zur Sorge: Die Verbraucherzentrale wird nicht müde. Auch nicht mit 50.

Do, 19. Jan 2012

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