Verbraucherzentrale Bremen
[Zum Inhalt ↓]

Themen | Beratung | Newsletter | Forum | Kontakt | Sitemap | Hilfe | Presse | Impressum

Themen :: 50 Jahre :: 50 Jahre Verbraucherzentrale Bremen

50 Jahre Verbraucherzentrale Bremen

Mit Kochkursen fing es an...

Rathausempfang am 27. Januar 2012

„Als letztes Bundesland hat jetzt auch Bremen eine Verbraucherzentrale erhalten“ meldete der Weser-Kurier am 9. März 1962. Sie soll „sowohl Fragen nach dem Einkauf von Haushaltsgegenständen als auch Gesellschaftsmodefragen“ beantworten, heißt es in dem Artikel weiter. Außerdem soll die „Stelle für rationelles Haushalten, in der es außerdem eine Budgetberatung gibt, ...den Verbraucher auf günstige Einkaufsmöglichkeiten aufmerksam machen. Das Ziel ist es, den Käufer zu einem korrekten wirtschaftlichen Verhalten auf dem Markt zu erziehen.“ Die Bescheidenheit der Anfangsjahre spiegelt sich in der Inventarliste von 1969 wieder: Ein Schreibtisch, eine Schreibtischlampe, eine Rechenmaschine und vier verschiedene Kochtöpfe sind u.a. aufgelistet – immerhin war die Verbraucherzentrale zu diesem Zeitpunkt schon stolze sieben Jahre alt!

Im zweiten Jahrzehnt – die 70er Jahre – kamen Energieberatung, Wohnberatung, Produktberatung, verbraucherkundlicher Unterricht und Rechtsberatung hinzu. Es war die Zeit, in der in der Verbraucher- Zentrale viele Haushaltsgeräte „zum Anfassen“ bereitstanden.

80er Jahre: erste Lebensmittelskandale und Tschernobyl

Das dritte Jahrzehnt war durch finanzielle Kürzungen der Zuwendungen gekennzeichnet. In der Folge kam es zu Personaleinsparungen und erstmals wurden Gebühren eingeführt. Das Problem der unzureichenden Finanzierung wird die Verbraucherzentrale von nun an bis zum heutigen Tag begleiten. Umweltfragen bestimmten in dieser Zeit viele Beratungsthemen und es begann die Ära der Lebensmittelskandale: Verunreinigtes Flüssigei in Nudeln, Cadmium in Schokolade, Frostschutzmittel im Wein, aber vor allem die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl führten zu einem bisher nie dagewesenen Ansturm auf die Beratung.

90er Jahre: Die „Finanzdienstleistungen“ entstehen

In den 90er Jahren stand die Verbraucherzentrale erstmals kurz vor dem Konkurs; nur durch Kündigungen und eine „flächendeckende“ Einführung von Beratungsgebühren sowie den Aufbau neuer Beratungsangebote konnte der Konkurs abgewendet werden. Gleichzeitig führten die Liberalisierung der Märkte und die zunehmende Privatisierung zu einem immer größeren individuellen Beratungsbedarf. Die Verbraucherzentrale baute die Angebote Baufinanzierungs-, Geldanlage-, Altersvorsorge- und Versicherungsberatung auf. Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Verbraucherzentralen ein ganzer Fachbereich neu gegründet: Finanzdienstleistungen. Er bestimmte von da an entscheidend auch Fragen von Verbraucherschutz und Verbraucherpolitik mit.

Das neue Jahrtausend startete mit der BSE-Krise

Das Jahr 2000 begann mit dem größten Lebensmittelskandal seit dem Bestehen Deutschlands: mit der BSE-Krise. Sie hat nicht nur in extremer Form die Missstände der europäischen Agrarindustrie aufgezeigt, sondern auch dem Verbraucherschutz einen ungeahnten Stellenwert zuerkannt. Der damalige Bundeskanzler erklärte ihn zur Chefsache, und die Forderung „weg vom Reparaturbetrieb hin zum Vorsorgeprinzip“ schallte durch die Republik. Es gab die erste Verbraucherministerin in einem Bundeskabinett, der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbrauchverbände wurde gegründet und seitdem sind Otto und Emma Normalverbraucher sowohl in der Politik als auch in den Medien „en vogue“. Nur in der finanziellen Ausstattung der Verbraucherzentralen hat sich das nicht entsprechend niedergeschlagen.

Erfolg gegen die swb vor dem Bundesgerichtshof

Ins erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends fiel auch der größte verbraucherpolitische und juristische Erfolg der bundesweit kleinsten Verbraucherzentrale. 2004 rief sie die Verbraucher auf, Widerspruch gegen die Gaspreise der swb einzulegen und rund 40.000 Gaskunden folgten dem Aufruf. Gaspreisprotestler gründeten die Bürgerinitiative gegen Gaspreiserhöhungen und die Sammelkläger bekamen vor dem Landgericht Recht. Die swb ließ jedoch nicht locker und zog vor den Bundesgerichtshof. Sie verlor beide Verfahren; Gewinner waren nicht nur die Widersprüchler, sondern alle Gaskunden in Bremen: der Bundesgerichtshof zwang die swb zu transparenten Klauseln. Und die Verbraucherzentrale Bremen schrieb damit auch juristisch Geschichte: sowohl die Urteile des Landgerichts Bremen als auch die des Bundesgerichtshofs gehörten mit zu den ersten „Gasurteilen“ bundesweit. Sie waren und sind der Pfeiler, auf den sich die dann folgenden Widerstände gegen die Gaspreise bundesweit stützten.

Finanzmarktkrise und kein Ende

Die Insolvenz von Lehmann Brothers 2008 war der vorläufige Höhepunkt der größten internationalen Finanzmarktkrise. In Deutschland hat repräsentativen Umfragen zufolge jeder fünfte bis sechste Privatanleger Geld in der Finanzkrise verloren. Wieder wurde die Verbraucherzentrale von Anfragen geschädigter und verunsicherter Verbraucher überrannt. Besonders betroffen von falscher und schlechter Beratung waren und sind Haushalte mit niedrigem Einkommen. Gerade sie brauchen ein niedrigschwelliges Angebot für eine preiswerte und unabhängige Beratung.

Das Land Bremen stockte die Beratungskapazitäten um eine Projektstelle auf und ermöglichte der Verbraucherzentrale damit, den Beratungsansturm verzweifelter Verbraucher zu bewältigen.

Die Finanzkrise ist mittlerweile zur Eurokrise mutiert und beschäftigt die Verbraucherzentrale weiterhin...

Globalisierung, Web 2.0, Privatisierung und Deregulierung, Migration...

50 Jahre lang gibt es die Verbraucherzentrale in Bremen, eine lange Zeit, in der eine enorme Entwicklung stattgefunden hat: vom wöchentlichen Preisspiegel und den vielen Kochkursen über persönliche Produktberatung bis hin zur Beratung zu hochkomplexen Finanzprodukten, Internetabzocke oder Energie- und Urheberrechtsfragen.

Damit wird schon deutlich – in früheren Zeiten hatten es Verbraucher einfacher; Energieversorger, Krankenkassen oder Telefonanbieter konnten nicht ausgesucht werden, sondern waren „festgelegt“. Es gab kein Internet, das Verbraucher mit einer Flut an Informationen und scheinbarer Transparenz überschwemmt hat. Damit gab es auch noch nicht das Risiko, durch einen Klick eine Welle von Forderungen durch mehr oder weniger zweifelhafte Anwaltskanzleien auszulösen. Die Verbraucherzentrale hat in den letzten 50 Jahren Millionen Menschen informiert und beraten, sich mit großen Unternehmen angelegt und innovative Projekte wie Vorfälligkeitsberechnung, Einkaufsführer für Muslime, Bauberatung vor Ort oder die Urheberrechtsberatung initiiert. Transparenz zu schaffen, Werbung und Wirklichkeit auseinander zu halten, Verbraucherrechte auch vor Gericht durchzusetzen, eine Sensorfunktion für Politik und Gesetzgeber zu sein und immer wieder jeden Verbraucher individuell und kompetent zu beraten – das wird auch in Zukunft die Aufgabe der Verbraucherzentrale sein.

Do, 19. Jan 2012

nach oben  |
Themen :: 50 Jahre :: 50 Jahre Verbraucherzentrale Bremen

[Startseite]  [Menue]  [Brotbröckleinpfad]