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Werder Bremen: Sponsorengeld aus Wucherkrediten?

Die Vereinsführung von Werder Bremen freut sich, einen neuen starken Partner als Hauptsponsor gefunden zu haben. Was die finanzielle Stärke betrifft, so stimmt dies sicherlich. Ganz anders sieht es jedoch beim Ruf des neuen Sponsors aus. Die Citibank hat zwar – wie Werders Spitze reklamiert - eine „internationale Reputation“. Diese Reputation ist jedoch eine besonders miserable.

Die amerikanischen Citigroup, zu der die Citibank Deutschland gehört, ist nicht nur das weltweit größte Finanzkonglomerat. Sie ist zugleich auch einer der aggressivsten Global Player überhaupt. „Skandale über Skandale – und die Citigroup ist immer dabei“ titelte DIE ZEIT im Februar 2005. Beim Zusam-menbruch des Energiekonzerns Enron, dem zweitgrößten Konkurs in der US-Geschichte, musste sie 2 Milliarden Dollar zur Beilegung einer Sammelklage zahlen. Nach der teuersten Pleite aller Zeiten, dem Zusammenbruch des Telekommuni-kationsriesen WorldCom, erstritten geprellte Anleger einen Vergleich in Höhe von 2,7 Mrd. Dollar. Die neue Führung des in 2003 insolvent gewordenen italienischen Parmalat-Konzerns - einem der größten Betrugsskandale auf europäischem Boden - sieht in der Citigroup einen der Hauptverantwortlichen für den Kollaps des Unternehmens und hat sie auf 10 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt. Für eine beispiellose Manipulation am europäischen Rentenmarkt in 2004, durch die ein hoher Extraprofit erzielt und nebenbei auch kleinere Konkurrenten geschädigt werden sollten, musste sie 21 Millionen Euro zahlen. In Japan wurde von der Aufsicht wegen schwerwiegenden Fehlverhaltens - der Vorwurf lautete unter anderem auf Hilfe zur Geldwäsche - die Schließung von Filialen verordnet. In der Schweiz erhielt sie als Negativauszeichnung im vergangenen Jahr den Public Eye Award für ihre langjährige „Kultur der Steuerhinterziehung“. In den USA hält sie zudem noch einen besonders unrühmlichen Rekord: Für Wucherkredite einer Tochtergesellschaft musste sie in 2004 eine Strafe von 70 Millionen Dollar zahlen – die höchste Summe, die bis dato in einem solchen Fall verhängt wurde.

In Deutschland steht die Citibank ebenfalls vor allem wegen ihrer aggressiven Praktiken im Ratenkreditgeschäft am Pranger. Kritikpunkte sind hier insbesondere die ständige massive Animation für das „unkomplizierte“ Schuldenmachen; die allzu „großzügige“ und teils schlicht unverantwortliche Vergabe von Krediten; die oftmals explosionsartigen Verschul-dungsspiralen der Kunden mit immer neuen Umschuldungen und Kreditausweitungen; und nicht zuletzt der nervenauf-reibende Druck, der mit ständigen Telefonaten - auch zu den ungewöhnlichsten Zeiten - auf Schuldner ausgeübt wird, die mit ihren finanziellen Möglichkeiten am Ende sind.

Vor allem aber gilt die Citibank als Vorreiter und Hauptakteur einer neuen Form des Wucherkredites in Deutschland. Kennzeichnend für diesen ist die systematische Kopplung von Ratenkrediten mit teuren Restschuldversicherungen. Diese werfen hohe Provisionen für die Bank ab, blähen durch die Mitfinanzierung der Versicherungsprämie den Kredit auf und belasten den Kunden mit teilweise horrenden Kosten. Den Verbraucherzentralen liegen zahlreiche Fälle vor, in den die effektiven Kostenbelastungen der Citibank-Kredite bei über 20 Prozent pro Jahr liegen. Mitunter sind es sogar über 30 und vereinzelt sogar über 40 Prozent.

Während der Name Werder Bremen vor allem auch für Fairness steht, steht der Name Citibank daher - zumindest bislang - für das genaue Gegenteil.

Dass die Führung von Werder Bremen dies öffentlich einräumt, ist nicht zu erwarten. Die Verbraucherzentrale erwartet jedoch, dass die Werderspitze nicht nur abwiegelt, sondern sich zumindest intern gründlich mit der dunklen Seite ihres neuen Hauptsponsors auseinandersetzt.

Die Verbraucherzentrale hofft, dass Werder - nicht zuletzt aus Rücksicht auf den eigenen guten Namen - mit darauf dringt, dass die Citibank künftig jene Praktiken unterlässt, für die sie berüchtigt ist.

Vor allem aber sieht die Verbraucherzentrale die Werderführung in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die geplanten gemeinsamen Finanzprodukte mit der Citibank verbraucherfreundlich und sauber sind. Es darf nicht dazu kommen, dass mit einer grünweißen Kreditkarte in der bislang typischen Citibank-Manier noch mehr neue Schuldner rekrutiert und zu Dauerschuldnern entwickelt werden. Davon hat gerade das Land Bremen schon mehr als genug!

Die Citibank selbst fordert die Verbraucherzentrale schließlich auf, nicht nur auf einen Image-Gewinn durch Werder zu hoffen, sondern selbst ein Zeichen der Besserung zu setzen: mit einer freiwilligen Neuabrechnung zumindest all jener Kredite, bei denen die Kostenbelastung den marktdurch-schnittlichen Zinssatz um 100 Prozent und mehr überschreitet und die damit als sittenwidrig einzustufen sind.

Die Verbraucherzentralen und ihr Bundesverband haben Anfang des Jahres eine Untersuchung zur Kopplung von Ratenkrediten mit teuren Restschuldversicherungen veröffentlicht und die Finanzdienstleistungsaufsicht zum Eingreifen aufgefordert. Diese und weitere Materialien finden Sie hier: Materialien zum Werder Bremen – Hauptsponsor Citibank Deutschland

Mo, 28. Mai 2007

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