Nachhaltiger Konsum schont Geldbeutel und Klima
Das billigste Angebot ist häufig nicht das günstigste. Neben den Anschaffungskosten sollten Verbraucher auch die Betriebskosten im Auge haben. Der Klima-Musterfamilie Sander rechnete das Klimateam der Verbraucherzentrale die Kosten eines neuen LCD-Fernsehers vor: Familie Sander könnte eine halbe Tonne CO2 und bis zu 100 Euro sparen.
Durchschnittlich 11 Tonnen CO2 verursacht ein Bundesbürger im Jahr. Davon entfallen etwa drei Tonnen auf den privaten Konsum, u. a. durch den Kauf und Verbrauch von Möbeln, Textilien, Spielsachen oder Elektroartikeln. Ein Großteil der CO2-Emissionen fällt schon bei der zumeist energieintensiven Produktion an. Wer langlebige zeitlose Produkte kauft statt billiger Ware, spart auf Dauer Geld, Zeit und Ärger. Den geplanten Neukauf eines TV-Gerätes nutzt das Klimateam der Verbraucherzentrale Bremen die Klima-Musterfamilie Sander über klimabewussten Konsum zu informieren.
Familie Sander aus Bremen überlegt, ob es zu Weihnachten den neuen LCD-Fernseher geben soll. Der Alte ist dreizehn Jahre und läuft und läuft. Der Fernseher ist aber nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand. Das Klimateam der Verbraucherzentrale hilft bei der Auswahl. Zwei Geräte, die beide den Ansprüchen der Familie entsprechen, werden miteinander verglichen. Nicht nur der Anschaffungspreis ist entscheidend, sondern auch die Betriebskosten.
So einfach kann Klimaschutz sein. Zwei Fernseher mit 32 Zoll (81cm) Bildschirmdiagonale treten gegeneinander an, ein Modell von Philips und eines von Samsung. Sie erfüllen beide die Wünsche der Familie Sander. Sohnemann liegt gerne dicht vor dem Fernseher, dass Ehepaar weiter weg. Alle wollen einen guten Blick auf den Bildschirm haben, eine externe Festplatte soll anschließbar sein. Auch soll der Fernseher den technischen Neuerungen der nächsten Jahre genügen.
Fast 180 Euro mehr Stromkosten und etwa eine 1/2 Tonne mehr CO2 produziert das billigere Gerät von Phillips. Damit ist es nach zehn Jahren (unter Berücksichtigung der Anschaffungs- und Betriebskosten) knapp 90 Euro teurer als das in der Anschaffung teurere Gerät von Samsung, zeigt das Klimateam auf. Dass neben dem Kostenvorteil auch eine halbe Tonne CO2 eingespart wird, ist für Familie Sander ein weiteres ausschlaggebendes Argument.
Die Werte im Einzelnen: Der Philips 32PFL8404H/12 soll 640 Euro kosten und hat im Betrieb 140 Watt, der Standby-Wert liegt bei 0,15 Watt. Das energiesparendere Gerät, der Samsung UE32B6000 ist in der Anschaffung mit 730 Euro fast 100 Euro teurer, verbraucht dafür aber nur 85 Watt im Betrieb und 0,1 Watt im Standby. Bei der Berechnung der Stromkosten über zehn Jahre beim heutigen durchschnittlichen Strompreis von 22 Cent pro Kilowattstunde verursacht der Philips die höheren Kosten: über 450 Euro würde das Gerät an Stromkosten produzieren, der Samsung liegt nur bei knapp 275 Euro. Bei Berücksichtigung der Betriebskosten wird das auf den ersten Blick teurere Gerät eindeutig die erste Wahl. Nach 10 Jahren liegt der Samsung inklusive Stromkosten bei 1.005 Euro, der Philips bei 1.090 Euro. Unberücksichtigt dabei sind die wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren steigenden Stromkosten und der reelle Stromverbrauch der TV-Geräte. Die von den Herstellern ermittelten Werte stellen immer Idealwerte dar. Generell gilt, je heller und kontrastreicher das Bild desto mehr Strom verbraucht das TV-Gerät.
Fernseher: Am liebsten ganz groß?
Ob Plasma oder LCD, die neuen Fernseher werden immer größer, während die Preise für die Anschaffung sogar sinken. Aber anders als beim Kauf eines neuen Kühlgeräts bedeutet ein neuer Fernseher nicht automatisch eine Verringerung des Energiebedarfs, ganz im Gegenteil: Neue große Fernseher benötigen meist mehr Energie als ihre Vorgänger, die Röhrengeräte.
Ausschlaggebend ist bei den neuen Flachbildfernsehern letztlich die Größe des Bildschirms: Je größer die Bilddiagonale, desto größer auch der Stromverbrauch. Eine Verdopplung der Bilddiagonale führt zu einer vierfach größeren Fernsehfläche. Ein teures Vergnügen, da damit auch der Stromverbrauch deutlich in die Höhe steigt. Bevor Verbraucher einen neuen Fernseher kaufen, sollten sie deshalb überlegen, ob Ihr Wohnzimmer wirklich groß genug für die gewählte Bildschirmdiagonale ist. Denn für eine gute Bildqualität müssen sie entsprechend weit weg vom Gerät sitzen können.
Neben der Bildschirmgröße ist auch die Technik entscheidend: Im Schnitt verbrauchen LCD-Geräte deutlich weniger Strom als gleich große Plasmageräte. Es lohnt sich immer, die einzelnen Geräte miteinander zu vergleichen.
Keine einheitliche Kennzeichnung
Leider gibt es noch keine einheitliche Kennzeichnung für den Stromverbrauch von TV-Geräten. Dennoch können sich Verbraucher im Vorfeld über die Energiekosten informieren. Je niedriger die Verbrauchsangaben (in Watt), desto geringer fallen die Kosten aus. Das Gerät bei Nichtgebrauch ganz vom Netz zu trennen, ggf. mit einer schaltbaren Steckerleiste, hilft zusätzlich Geld und Energie einzusparen.
Klimabewusster Konsum
Tipps für die Auswahl von Fernsehern finden Sie z.B. beim BUND-TV-Finder. Weitere Tipps für nachhaltigen, klimabewussten Konsum finden Verbraucher z.B. in den Heften von Stiftung Warentest oder unter
- ->http://www.verbraucherfuersklima.de
- ->http://www.ecotopten.de
- ->http://www.nachhaltiger-warenkorb.de
Generelle Tipps
In Qualität zu investieren, zahlt sich auch bei anderen Anschaffungen aus. Gerade mit Blick auf Weihnachten lohnt es sich über bewusstes Schenken Gedanken zu machen: manchmal ist weniger mehr. Solide, zeitlose Möbel mögen zwar teurer sein als Billig-Regale. Dafür halten sie lange und erfreuen das Auge noch Jahre nach dem Kauf. Dasselbe gilt für Kleidung, Spielzeug und andere Gebrauchsgegenstände.
Klimaschutz zu Hause erfordert eine Rückbesinnung auf Qualität - Klasse statt Masse. Dann lohnt es sich auch ein Gerät zu reparieren oder sich bewusst für den klassischen (Hosen)Anzug zu entscheiden, der auch noch nächstes Jahr tragbar und nicht schon von der nächsten Modewelle überholt ist.
Gerade zu Weihnachten macht nachhaltiges Schenken und Konsumieren doppelt Spaß. Vielleicht kann man dieses Jahr auch mal was Besonderes schenken: gemeinsam verbrachte Zeit z.B. durch den gemeinsamen Besuch einer Kulturveranstaltung oder einen gemeinsamen Spaziergang an der Weser – das spart Ressourcen und ist gut für das (zwischenmenschliche) Klima.
Im Regelfall sind Produkte aus nachwachsenden Materialien wie Holz oder Baumwolle gesünder und klimafreundlicher. Das FSC-Zertifikat auf Holzprodukten steht dabei für eine nachhaltige Nutzung von Wäldern.
für mich. für dich. fürs klima
Viele Verbraucher möchten gerne mehr für das Klima tun, können dies im Alltag aber nicht immer umsetzen. Wie das geht, dazu beraten die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale sechs Klima-Musterhaushalte aus Bremen und dem Umland in den Bereichen Konsum, Wärme, Strom, Ernährung und Mobilität.
Die Energieberatungen, die im Rahmen der Aktion Musterhaushalte durchgeführt werden, werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Die Mobilitätsberatung wird mit Hilfe des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) durchgeführt.
Das Projekt ist Teil der bundesweiten Verbraucherallianz „für mich. für dich. fürs klima.“ Beteiligt sind neben dem Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) und den 16 Verbraucherzentralen der Deutsche Mieterbund (DMB), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), der VCD, der VerbraucherService (VS) im Katholischen Deutschen Frauenbund und Germanwatch.
Die Allianz klärt mit bundesweiten Aktionen über die Chancen jedes Einzelnen beim CO2-Einsparen auf. Gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt sie die Interessen der Verbraucher für einen Klimaschutz ohne Hürden. Unlautere Werbung mit Klimaschutzargumenten stoppt sie mit juristischen Mitteln. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Di, 10. Nov 2009

