Klimaverträgliche Hefte zum Schulstart
Mangelware Recyclingpapier
Zum Schulstart haben es Eltern schwer, für ihre Kinder Schulhefte aus Recyclingpapier zu kaufen, das stellte die Verbraucherzentrale Bremen in einem aktuellen Marktcheck fest. Von 16 getesteten Geschäften boten nur zwei ein ausreichendes Sortiment an. Elf Geschäfte boten keine Schulhefte aus Recyclingpapier an. Dabei ist Recyclingpapier nicht teurer und leistet einen wertvollen Beitrag für den Klima- und Umweltschutz.
Dass Recyclingpapier gut für die Umwelt ist, ist mittlerweile den meisten Verbrauchern bekannt. Dass Recyclingpapier auch gut für das Klima ist, wissen dagegen viele Verbraucher nicht. Im Vergleich zum Papier aus Zellstoff wird zum einen bei der Herstellung von Recyclingpapier nur halb so viel Energie benötigt. Zum anderen muss kein Baum für Recyclingpapier gefällt werden.
Leider finden Verbraucher, die Recyclingpapier kaufen möchten, nur wenige bis keine Angebote in den Regalen des Einzelhandels. Dies betrifft aktuell viele Eltern, die für ihre Kinder Schulhefte kaufen wollen. In einem kleinen Marktcheck hat dies das Klimateam der Verbraucherzentrale in Bremen festgestellt. Getestet wurden Supermärkte, Discounter, Fachhandel und Büromarktketten. Von 15 Geschäften hatten mit Karstadt und der Robin Wood-Geschäftstelle in der Bremer Neustadt nur zwei ein breites Angebot an Schulheften aus Recyclingpapier.
Drei weitere Geschäfte (Galeria Kaufhof, Edeka und McPaper) boten eine sehr geringe Auswahl an Recyclingheften an. Diese waren dort zudem auch teurer als die Hefte aus Zellstoff. Dabei sind die höheren Preise von den Produktionskosten her nicht gerechtfertigt. Recyclingpapier ist nur deswegen zum Teil teurer, weil es vom Einzelhandel in kleineren Mengen bestellt wird.
Blauer Engel und 100% Altpapier
Mittlerweile gibt es eine Reihe von Label, die die Verbraucher mehr verwirren, als dass sie ihnen nutzen. Viele haben nur geringe Vorteile für die Natur und werden auch nicht von unabhängigen Stellen überprüft. Dies gilt unter anderem für die Label „Aqua pro natura“ und „Weltpark Tropenwald“.
Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt Verbrauchern, die sicher sein wollen, auch klima- und umweltfreundliches Papier zu kaufen, auf das Label des „Blauen Engels“ zu achten. Dieser garantiert den Einsatz von 100% Altpapier und eine umweltschonende Herstellung. Darüber hinaus ist Papier empfehlenswert, dass mit „100% Altpapier“ gekennzeichnet ist.
Im Gegensatz dazu ist von Papier, das mit „holzfrei“ wirbt, abzuraten. „Holzfrei“ suggeriert den Verzicht auf den Rohstoff Holz. Das ist aber irreführend, denn dieses „holzfreie“ Papier wird aus Zellstoffen hergestellt, welches direkt aus Bäumen gewonnen wird.
Mit drei Blatt Papier eine Kanne Kaffee kochen
Dabei spricht heute nichts mehr gegen die breite Verwendung von Recyclingpapier. Recyclingpapier kann sich von seiner Qualität her mit dem Papier aus Zellstoff durchaus messen lassen. Es ist belastbar, radierbar, kopierbar und in den herkömmlichen Weißegraden produzierbar. Und für das Klima lohnt es sich auch. Gegenüber Papier aus Zellstoffen spart Recyclingpapier Energie und damit CO2 ein. Drei Blatt Recyclingpapier sparen soviel Energie ein, wie eine Kanne Kaffee (ein Liter Wasser) zum Kochen benötigt.
Eltern und noch nicht überzeugte Einzelhändler können sich ab kommenden Mittwoch, 5. August in der Zeit von 10:00 bis 16:00 Uhr von der Qualität und den Vorteilen von Recyclingpapier überzeugen. Im Infozentrum der Verbraucherzentrale Bremen, Altenweg 4, 28195 Bremen erhalten Eltern für jedes schulpflichtige Kind zwei Gratishefte A5 kariert und einen Bleistift, solange der Vorrat reicht.
Hintergrundinformationen
Die Deutschen verbrauchen im Jahr rund 20,5 Millionen Tonnen Papier. Pro Kopf entspricht das etwa 250 Kilogramm. In DIN A4-Blätter umgerechnet entspräche dies einem Papierstapel von rund 451.000 Kilometern. Damit würde der Stapel von der Erde bis zum Mond reichen.
Jeder fünfte weltweit gefällte Baum wird zu Papier verarbeitet. Bei der Wiederaufbereitung von Altpapier werden dagegen keine Holzfasern verwendet. Die Bäume die bei einem wachsenden Verbrauch von Recyclingpapier weniger gefällt werden, tragen dazu bei, klimaschädliches Kohlendioxid zu binden und mehr Sauerstoff zu produzieren. Beim Verarbeitungsprozess von Recyclingpapier entsteht außerdem weniger CO2, weil deutlich weniger Wasser und Strom verbraucht werden.
Das Heidelberger Ifeu-Institut errechnete: Würden nur noch Büro- und Kopierpapiere aus Recyclingfasern eingesetzt, könnten jährlich 146.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
Das Klimateam der Verbraucherzentrale Bremen
Das Klimateam der Verbraucherzentrale Bremen ist Teil der bundesweiten Kampagne „für mich. für dich. fürs klima.“ Beteiligt sind neben dem Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) und den 16 Verbraucherzentralen der Deutsche Mieterbund (DMB), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der VerbraucherService (VS) im Katholischen Deutschen Frauenbund und Germanwatch.
Die Allianz klärt mit bundesweiten Aktionen über die Chancen jedes Einzelnen beim CO2-Einsparen auf. Gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt sie die Interessen der Verbraucher für einen Klimaschutz ohne Hürden. Unlautere Werbung mit Klimaschutzargumenten stoppt sie mit juristischen Mitteln.
So, 23. Aug 2009



