Klima-Musterhaushalte: Heizen und Warmwasser
Klimaschutz durch richtiges Heizen und Lüften
Auch als Mieter kann man das Klima schützen und sparen. Marion Sadaghiani, Teilnehmerin am Projekt Klima-Musterhaushalte der Verbraucherzentrale Bremen, praktiziert dieses schon seit Jahren erfolgreich. Mit ihrem Gasverbrauch liegt sie im guten Bereich, kalte Winter spürt sie dennoch empfindlich im Portemonnaie. Ihre CO2-Bilanz liegt beim Heizen im Verhältnis mit dem bundesweiten Durchschnitt eine Halbe Tonne unter dem Durchschnittswert. Das ist gut fürs Klima und für die Haushaltskasse.
Marion Sadaghiani wohnt seit vielen Jahren in ihrer 40 qm großen Wohnung in Bremen. Der ersehnte gut bezahlte Job nach dem Studium lässt noch auf sich warten – mit Teilzeit- und 400 Euro-Beschäftigung ist Frau Sadaghiani darauf angewiesen, gut zu haushalten. Seit Jahren steigende Gaspreise belasten die Haushaltskasse sehr. Auch drosselt sie die Heizung runter, wenn sie das Haus für längere Zeit verlässt. Natürlich nicht unter 14 - 16 Grad, damit das spätere Wiederaufheizen der ausgekühlten Wohnung nicht die Gaseinsparung wieder auffrisst.
Heizkosten kontinuierlich gestiegen
Die Preise fürs Heizen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, Laut aktuellem Heizspiegel kostet das Heizen einer 70-Quadratmeter großen Wohnung mit Öl 2008 880 Euro. Das waren 180 Euro oder 26 Prozent mehr als im Jahr davor. Wer mit Erdgas Haus oder Wohnung wärmte, musste eine neunprozentige Steigerung verkraften. Bei Fernwärme lagen die Mehrausgaben bei 18 Prozent. Gestiegene Energiepreise sowie der kalte Winter waren laut Deutschem Mieterbund (DMB) für den Kostenschub verantwortlich.
Die witterungsbedingten Steigerungen der Heizkosten hatte Marion Sadaghiani bei ihrer Kostenkalkulation nicht so berücksichtigt. Richtig erschrocken hat sie sich bei der Steigerung von ca. 2800 kWh im Jahr vom milden Winter 2006/2007 auf den kälteren Winter 2007/2008. Beim Heizen sieht der Energieexperte der Verbraucherzentrale kein großes Sparpotential mehr, da Frau Sadaghiani auch richtig lüftet. Zudem kontrolliert sie den Gas-, Strom- und Wasserzählerstand monatlich. Die jährlich durchgeführte Wartung und Reinigung der Gastherme reduziert den Abgasverlust und hilft Heizkosten sparen.
Da bei Marion Sadaghiani auch das Wasser mit Gas erhitzt wird, könnte man noch durch einen Sparduschkopf bzw. Durchflussbegrenzer Wasser und Energie sparen. Auch lohnt es sich Wasserhähne auf Kalt zu stellen, da man für die Entnahme von kleinen Mengen Wasser häufig eher das Wasser wieder ausstellt, bevor das warme Wasser am Wasserhahn ankommt.
Unterm Strich liegt die Mieterin mit ihrem durchschnittlichen Jahresgasverbrauch im guten Bereich. Bei einem durchschnittlichen Jahresgasverbrauch von ca. 6.200 kWh berechnet auf die letzten drei Jahre entstehen ca. 1,5 Tonnen CO2-Emissionen – damit liegt die Mieterin ca. eine halbe Tonne unter dem bundesweiten Durchschnitt von zwei Tonnen pro Jahr pro Person in Deutschland fürs Heizen. Die sparsame Mieterin freut sich, dass sie ihre Einsparmöglichkeiten optimal ausgeschöpft hat.
Kochen mit Gas oder Strom
Der Energieexperte der Verbraucherzentrale hat für die Sparfüchsin noch ein paar Anregungen. Da in ihrer Küche ein Gasanschluss ist, würde sich die Umstellung auf einen Gasherd lohnen. Gasherde nutzen Energie effizienter als Elektroherde. Nur Kochen mit Ökostrom würde in der CO2-Bilanz noch besser aussehen. Die Verbraucherin ist etwas skeptisch. Die Ergebnisse von Gasbacköfen haben sie bisher noch nicht überzeugt. Ein alternativer Gasherd mit Elektrobackofen kommt auch nicht in Frage, da in der Wohnung kein Starkstromanschluss vorhanden ist. So wird sie vorerst wohl weiter auf dem Zwei-Platten-Herd kochen.
Wegen der eher alten Stromleitungen im Haus empfiehlt der Energieberater die Anschaffung eines Rauchmelders zur Sicherheit der Mieterin. Es gibt eine Nachrüstpflicht in Bremen auch in Bestandsbauten bis 2015.
Auch bei der Auswahl der Wohnung an Klimaschutz denken
Als Mieter hat man wenig Einfluss auf die Wärmeisolierung des Hauses, bei der Auswahl der Wohnung kann und sollte man dieses mit berücksichtigen. Hier sollten sich Mieter unbedingt den Energieausweis vom Vermieter zeigen lassen. Da heute die Nebenkosten teilweise die Höhe einer zweiten Miete erreichen, ist der zu erwartende Energieverbrauch als gleichwertige Größe neben der Kaltmiete zu betrachten. Neuere Häuser oder gut wärmesanierte Wohnungen sind deswegen im Gesamtpreis nicht unbedingt teurer: Sowohl unter dem Aspekt des Klimaschutzes als auch angesichts des finanziellen Einsparpotentials, sollten sich Mieter bewusst nicht nur die Kaltmiete sondern auch den Zustand des Hauses unter energetischen Aspekten ansehen.
Energiesparen kann jeder
Auf die bauliche Substanz und die klimatischen Bedingungen hat man als Mieter keinen Einfluss, aber über Raumtemperatur und Lüftungsverhalten kann man auch als Mieter Energie sparen:
-
Nur soviel heizen, wie tatsächlich benötigt wird. Jeder Grad Celsius weniger senkt den Energieverbrauch um rund sechs Prozent.
-
Selten genutzte Räume können weniger beheizt werden, 14 - 16 Grad sollten auf Dauer aber nicht unterschritten werden.
-
Programmierbare Thermostatventile lohnen sich in zentral beheizten Häusern auch für Mieter. Beim Umzug baut man die alten Thermostatköpfe wieder an.
-
Stosslüften oder noch besser Querlüften mit weit geöffneten Fenstern ist vier bis fünf Mal am Tag erforderlich, wenn man ganztägig im Hause ist.
-
Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit binden als Warme. Deshalb sollten kühle Räume niemals mit der Luft aus wärmeren Räumen geheizt werden. Denn dadurch gelangt nicht nur Wärme sondern auch Feuchtigkeit in die kühleren Räume, wodurch das Schimmelpilzrisiko steigt.
-
Luftfeuchtigkeit und Temperatur regelmäßig mit einem Thermo-Hygrometer kontrollieren. Empfehlenswert ist eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 35 und 60 %.
-
Heizkörper müssen die Wärme ungehindert in den Raum abgeben können, also sollten diese nicht mit Vorhängen oder Möbeln verstellt sein.
-
Alte Türen und Fester kann man mit Dichtungsbändern leicht abdichten.
für mich. für dich. fürs klima
Viele Verbraucher möchten gerne mehr für das Klima tun, können dies im Alltag aber nicht immer umsetzen. Wie das geht, dazu beraten die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale sechs Klima-Musterhaushalte aus Bremen und dem Umland in den Bereichen Konsum, Wärme, Strom, Ernährung und Mobilität.
Die Energieberatungen, die im Rahmen der Aktion Musterhaushalte durchgeführt werden, werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Die Mobilitätsberatung wird mit Hilfe des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) durchgeführt.
Das Projekt ist Teil der bundesweiten Verbraucherallianz „für mich. für dich. fürs klima.“ Beteiligt sind neben dem Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) und den 16 Verbraucherzentralen der Deutsche Mieterbund (DMB), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), der VCD, der VerbraucherService (VS) im Katholischen Deutschen Frauenbund und Germanwatch.
Die Allianz klärt mit bundesweiten Aktionen über die Chancen jedes Einzelnen beim CO2-Einsparen auf. Gegenüber Politik und Wirtschaft vertritt sie die Interessen der Verbraucher für einen Klimaschutz ohne Hürden. Unlautere Werbung mit Klimaschutzargumenten stoppt sie mit juristischen Mitteln. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Mi, 25. Nov 2009

