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Für den Anleger bleibt von der Wertentwicklung oft nur wenig übrig

Im Schlussverkauf der steuerfreien Lebensversicherungen werden nicht nur die klassischen Verträge angepriesen, sondern auch die fondsgebundenen Policen. Viele dieser Produkte sind jedoch insgeheim so teuer, dass sie trotz möglicher Steuerspareffekte nicht empfehlenswert sind.

Bei der klassischen Form der Lebensversicherung legt der Versicherer das Geld, das nach Abzug von Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten übrig bleibt, selbst an – und zwar überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren, teilweise aber auch in Aktien und Immobilien. Bei der fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung fliessen die Einzahlungen des Versicherten, die nach Abzug der Kosten verbleiben, demgegenüber in einen oder mehrer Investmentfonds bei einer Investmentgesellschaft.

Es handelt sich daher um eine Kapitalanlage, bei der neben und vor dem Sparer noch mindestens vier Finanzdienstleister mitverdienen wollen: die Versicherungsgesellschaft, der Vermittler, die Investmentgesellschaft sowie die Bank, über die die Investmentgesellschaft den Kauf, den Verkauf und die Verwahrung von Wertpapieren abwickelt. Hinzukommt, dass die gesamten Abschlusskosten in den ersten beiden Jahren belastet werden und in dieser Anfangszeit kaum etwas von den Einzahlungen des Versicherten tatsächlich in den Anlagefonds landet. Wer sich für ein solches Produkt interessiert, sollte sich daher vorab sehr genau die Kostenbelastungen anschauen. Denn diese sind zwar nicht der alleinige, aber doch ein maßgeblicher Faktor für den Ertrag der Geldanlage.

Wer die Kosten herausfinden und Angebote vergleichen möchte, stößt jedoch fast immer auf schier unüberwindliche Hindernisse. Die Anbieter liefern in der Regel Beispielrechnungen für den hypothetischen Verlauf der Versicherung, bei der bestimmte Wertsteigerungen der Fonds angenommen werden. Anhand dieser Beispielrechnungen lassen sich zwar die Kosten des reinen Versicherungsvertrages abschätzen. Schon das ist aber eine Aufgabe für Experten und von normalen Anlegern kaum zu leisten. Gravierender aber ist, dass bei diesen Beispielrechnungen immer eine Wertentwicklung der Fonds nach Kosten angesetzt wird und damit die gesamten Gebühren, die von der Investmentgesellschaft belastet werden, unberücksichtigt bleiben. Diese Fondskosten   und insbesondere die Managementgebühr   sind aber ein ganz erheblicher Kostenfaktor. Zudem resultieren die hohen Fondskosten nicht zuletzt aus den Provisionen, die für den Absatz der Fondsanteile an Dritte gezahlt werden, darunter auch die Versicherungsgesellschaften und ihre Vertriebe. Von daher besteht insgeheim ein Anreiz für die Versicherer , bei ihren Fondspolicen bewusst relativ teure Fonds auszuwählen.

Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des Instituts für Finanz- und Aktuarswissenschaften in Ulm, in der neben den Versicherungs- auch die Fondskosten berücksichtigt wurden, kommt deshalb zu frappierenden Ergebnissen: Danach konnte ein Policen-Inhaber bestenfalls mit 79 Prozent an der Wertentwicklung des gewählten Aktienfonds teilhaben, wenn dieser brutto, also vor Kosten, eine Rendite von neun Prozent erzielte. Im schlechtesten Fall partizipierte er lediglich mit 34 Prozent. Bei einer gemanagten Anlage in mehreren Fonds war der Versicherungskunde schlimmstenfalls sogar mit nur 27 Prozent an der Bruttowertentwicklung der Fonds beteiligt. Das heißt: Fast drei Viertel des möglichen Ertrags wurden von der Anbieterseite verschluckt.

Wenn der Vermittler foul spielt und zu hohe Beitragssummen in den Vertrag schmuggelt, sind die Chancen auf eine eigene Vermögensbildung noch geringer oder von vorneherein gänzlich aussichtslos. Wem eine Fondspolice angeboten wird, der sollte deshalb auf transparenten Informationen zur Gesamtkostenbelastung bestehen oder dankend verzichten. Wer bereits abgeschlossen hat, sollte entsprechende Informationen nachfordern. Ein Musterschreiben dazu kann abgerufen werden.

Mi, 14. Jul 2004

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