Steuern sparen mit steueroptimierten Rentenfonds und Anleihen?
Mit steueroptimierten Renten- oder Geldmarktfonds dem Fiskus ein Schnippchen schlagen – diese Empfehlung wird derzeit vielen Anleger gegeben, die künftig über den Freibeträgen bei der Zinsabschlagsteuer liegen. Ob den Anlegen mit diesen Fonds unter dem Strich tatsächlich mehr verbleibt, ist allerdings fraglich.
Bei Rentenfonds, die in festverzinslichen Wertpapieren investieren, setzt sich die Rendite aus zwei Komponenten zusammen. Zum einen aus den Zinsen, die den Fonds aus den angekauften Anleihen zufließen. Und zum anderen aus Kursteigerungen der Wertpapiere. Während die vereinnahmten Zinsen für die Fondsbesitzer grundsätzlich steuerpflichtig sind, bleiben die Kursgewinne steuerfrei – vorausgesetzt, der Anleger hat den Fonds mindestens ein Jahr gehalten.
Diese unterschiedlichen Besteuerungsregeln werden von steueroptimierten Fonds genutzt. Sie versuchen, den größten Teil der Wertentwicklung über die Kursgewinne zu erzielen. Zu diesem Zweck investieren sie vornehmlich in Anleihen, die mit einem sehr niedrigen Zinskupon ausgestattet sind, und deren Kurs unter 100 Prozent notiert. Da die Anleihen am Ende ihrer Laufzeit zu 100 Prozent zurückgezahlt werden, entstehen somit regelmäßig Kursgewinne, die steuerfrei vereinnahmt werden können.
Auf den ersten Blick scheint dies ein pfiffiger Lösungsansatz für das leidige Steuerproblem zu sein. Bei näherer Betrachtung ergeben sich jedoch einige Fragezeichen.
Zunächst ist darauf zu achten, in welche Anleihen der Fonds vornehmlich investiert. Öffentliche Anleihen aus dem Euro-Raum weisen ein eher niedriges Risiko auf, während Unternehmens- und Fremdwährungsanleihen demgegenüber deutlich riskanter sind. Viele Fonds dürfen zudem auch andere Wertpapierarten erwerben. Diese Beimischungen können ebenfalls dazu führen, dass der Fonds viel riskanter ausgerichtet ist, als es dem Anleger eigentlich lieb ist.
Weiterhin ist zu beachten, dass auch Rentenfonds, die nahezu ausschließlich in europäischen Staatsanleihen investieren, nicht vollständig sicher sind. Sie können durchaus Verluste erleiden. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn dass allgemeine Zinsniveau steigt. Denn steigende Zinsen drücken auf die Kurse der umlaufenden Anleihen. Dies war auch der Grund, dass sich die Wertentwicklung der meisten Euro-Rentenfonds im zurückliegenden Jahr um die Nulllinie bewegte und die Fonds teilweise sogar rote Zahlen schrieben. Das aber bedeutet: Wenn die Zinsen in den nächste ein, zwei Jahren weiter steigen, würde mit Rentenfonds wenig zu verdienen sein – und damit auch die Steueroptimierung ins Leere laufen.
Geschmälert werden die Erfolgschancen nicht zuletzt dadurch, dass der Kauf der Fonds mit Nebenkosten verbunden ist. In der Regel liegt der Ausgabeaufschlag bei drei Prozent. Kann er nicht umgangen werden, dürfte auf Jahresfrist selbst bei guter Fondsentwicklung unter dem Strich kaum etwas für den Anleger übrig bleiben. Danach bleibt aber nur noch ein Jahr, um von dem Steuersparmodell zu profitieren. Denn ab 2009 sollen mit der nächsten Reform auch Kursgewinne einer Abgeltungssteuer unterworfen werden. Alles in allem ist daher zu befürchten, dass sich die steueroptimierten Fonds am Ende nur für die rentieren, die ihren Kauf vermitteln.
Als Alternative wird deshalb mitunter der direkte Kauf von Anleihen empfohlen, deren Kurswert unter 100 Prozent notiert. Werden diese bis zur Endfälligkeit gehalten, drohen keine Verluste. Bei Kauf vor dem 31.Dezember 2008 soll für sie zudem weiterhin die alte steuerliche Regelung gelten. Es ist jedoch fraglich, ob derzeit, bei dem immer noch niedrigen Zinsniveau, eine längere Anlagedauer in Renten empfehlenswert ist. Und bei kurzen Restlaufzeiten von ein bis zwei Jahren besteht die Gefahr, dass die Steuerersparnis von der Kaufprovision für die Bank aufgezehrt wird. Lohnend ist diese Alternative daher nur bei größeren Beträgen, hohem Steuersatz und dem Kauf über eine sehr kostengünstige Bank.
Stand: Januar 2007
Fr, 18. Mai 2007



