Garantiezins sinkt – Erneuter Schlussverkauf in der Lebensversicherung?
Nachdem der Bundesrat am vergangenen Freitag zugestimmt hat, steht es fest: Zum 1. Januar 2007 wird der Garantiezins für neu abgeschlossene Kapitallebens- und Rentenversicherungen ein weiteres Mal gesenkt. Er wird dann nur noch 2,25 Prozent betragen. Die ersten Versicherungsgesellschaften haben deshalb schon damit begonnen, eine erneute Schlussverkaufsstimmung zu schüren: Anleger sollen sich noch in diesem Jahr den derzeitigen Garantiezins von 2,75 Prozent sichern. – Wie bei früheren Werbekampagnen dieser Art droht dabei die Gefahr, dass den Verbrauchern ein X für ein U vorgemacht wird.
Aufgrund der Art und Weise, wie mit dem Garantiezins geworben wird, gewinnen viele Verbraucher den Eindruck, es werde eine Verzinsung von 2,75 Prozent für ihre gesamten Beiträge garantiert. Das ist jedoch nicht der Fall. Tatsächlich wird der Garantiezins nur auf das Guthaben gewährt, das nach Abzug von Abschluss-, Verwaltungs- und Risikokosten übrig bleibt. Bezogen auf die geleisteten Beiträge fällt die garantierte Verzinsung deshalb deutlich niedriger aus, wie ein Beispiel zeigt.
Wenn ein 30jähriger Mann monatlich 100 Euro anlegen und damit tatsächlich eine Verzinsung von 2,75 Prozent erzielen würde, dann betrüge das Guthaben an seinem 65. Geburtstag 70.164 Euro. Zahlt er die 100 Euro in eine Kapitallebensversicherung ein, so garantiert ihm derzeit selbst der günstigste Anbieter jedoch lediglich eine Auszahlung von 59.172 Euro. Bei dem ungünstigsten von insgesamt 73 untersuchten Anbietern liegt die garantierte Ablaufleistung sogar nur bei 47.769 Euro. Bezogen auf die eingezahlten Monatsbeiträge von 100 Euro ergibt das garantierte Verzinsungen von lediglich 1,87 bzw. 0,72 Prozent. Rendite schmälernd wirken sich hier insbesondere die Kosten für den Todesfallschutz aus, der in der Versicherung enthalten ist. Bei Anlegern, die ihren Vertrag erst im Alter von 45 Jahren oder noch später abschließen, führen diese Risikokosten übrigens dazu, dass bei vielen Versicherern die garantierten Beitragsrenditen sogar unter die Nullgrenze rutschen.
Aber auch bei privaten Rentenversicherungen, bei denen diese Kosten nicht anfallen, sehen die Ergebnisse nur wenig besser aus. Der günstigste Anbieter garantiert in dem Beispiel – bei Verzicht auf eine lebenslange Rente – eine Auszahlung von 65.327 Euro, der ungünstigste 54.462 Euro. Dies entspricht Renditen von 2,39 bzw. 1,43 Prozent. Annähernd die gleichen Beitragsrenditen finden sich bei Betrachtung der Versicherungsprodukte, die im Rahmen der Riester- und der Rürup-Rente angeboten werden.
Bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen ist zudem zu beachten, dass die Auszahlungen bzw. Abfindungen von neu abgeschlossenen Verträgen nicht mehr steuerfrei sind. Bei Vertragsablauf nach dem 60. Lebensjahr ist die Hälfte der Erträge – also der Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen – zu versteuern. Die garantierte Verzinsung nach Steuern – bezogen auf die eingezahlten Beiträge – fällt also je nach persönlichem Steuersatz noch niedriger aus.
Die Aufforderung, sich noch schnell den jetzigen Garantiezins zu sichern, klingt angesichts solcher Zahlen doch recht bemüht. Richtig ist, dass die Garantien ab dem nächsten Jahr noch mickriger werden. Ein starkes Argument erwächst daraus jedoch nicht. Denn Sparer und Anleger sollten immer auch berücksichtigen, dass die Versicherungsprodukte nicht nur hinsichtlich der Kostenbelastung, sondern auch in puncto Flexibilität und Transparenz einiges zu wünschen übrig lassen. Sowohl bei der geförderten, als auch bei der ungeförderten privaten Vorsorge ist deshalb zu prüfen, ob andere Produkte nicht attraktiver sind. Wer sich gleichwohl für den Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung noch in diesem Jahr entschließt, sollte schließlich nicht einfach die erstbeste Offerte akzeptieren, sondern sorgfältig vergleichen. Wie die obigen Beispiele zeigen, bestehen ganz erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern.
Sa, 30. Sep 2006



