Auch Rentenfonds bergen Risiken
In den letzten Jahren konnten mit Anleihen und Rentenfonds bessere und vor allem stetigere Ergebnisse erzielt werden als mit Aktien. Inzwischen mehren sich jedoch die Einschätzungen, dass sich in der nächsten Zukunft die Entwicklung an den Anleihemärkten dreht und die Zinsen wieder steigen. Aus der Sicht vieler Kleinanleger hat dieser erwartete Zinsanstieg nichts Bedrohliches an sich. Höhere Zinsen, so die Erwartung, machen den Kauf von Anleihen oder die Investition in Rentenfonds eher noch attraktiver. Das ist für die Phase eines Zinsanstiegs jedoch eine gänzlich falsche Vorstellung.
Maßgeblich für die Wertentwicklung eines Rentenfonds ist nicht allein die Höhe der Zinsen, sondern insbesondere auch die Kursentwicklung der Anleihen. Diese aber verläuft genau umgekehrt zur Entwicklung der Zinsen. Wenn das Zinsniveau am Kapitalmarkt sinkt, steigen die Kurse, zu denen die Anleihen an den Börsen gehandelt werden. Der Grund liegt darin, dass bei sinkendem Zinsniveau die bereits im Umlauf befindlichen Anleihen, die noch eine höhere Verzinsung aufweisen, an Wert gewinnen. Denn der Besitzer einer älteren Anleihe, die noch mit einem Zinskupon von 5 Prozent ausgestattet ist, würde diese nicht zu einem Kurs von 100 Prozent verkaufen, wenn neu herausgegebene Anleihen lediglich 4 Prozent bieten. Beispielhaft lässt sich dies an den 10jährigen Anleihen des Bundes ablesen, die im Jahr 2000 noch mit einem Zinskupon von 5,25 Prozent ausgegeben wurden, während es in 2003 und 2004 nur noch 4,5 und 3,75 Prozent waren. Die Anleihe von 2000 wird heute zu einem Kurs von 110 Prozent gehandelt, die von 2003 zu 107 und die von 2004 zu 101 Prozent.
Dieser Zusammenhang erklärt, warum die Rentenfonds in den letzten Jahren trotz anhaltenden Zinsrückgangs und eines extrem niedrigen Zinsniveaus eine gute Wertentwicklung erzielen konnten. Der springende Punkt ist, dass der Mechanismus aber auch in die andere Richtung wirkt: Steigen die Zinsen, sinken die Kurse. Dies kann insbesondere bei Anleihen mit langen Restlaufzeiten zu deutlichen Verlusten führen. Steigt beispielsweise die Rendite bei der oben genannten Anleihe aus 2004 bis Januar nächsten Jahres um ein Prozent, hätte dies einen Kursrückgang von 101 auf 94 Prozent zur Folge.
Wann die Zinsen steigen, in welchem Tempo und welchem Ausmaß, weiß niemand, auch die Verbraucherzentrale nicht. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Zinsen zunächst noch weiter sinken. Der überwiegende Teil der professionellen Marktbeobachter erwartet allerdings, dass der Rentenmarkt „gelaufen“ ist und mittlerweile die Risiken größer sind als die Chancen. Dass ausgerechnet vor diesem Hintergrund in den beiden ersten Monates des Jahres gut 60 Prozent des Mittelaufkommens der deutschen Publikumsfonds in Rentenfonds geflossen sind, lässt deshalb befürchten, dass es Fonds-Vertrieb einmal mehr an einer adäquaten Risikoaufklärung hapert.
Wem in jüngster Zeit ein Rentenfonds als „sichere“ Anlage verkauft wurde, sollte deshalb überlegen, ob er nicht auf Rückabwicklung des Geschäfts drängen sollte. Auf jeden Fall sollten sich Anleger darüber informieren, in welche Laufzeiten ihr Rentenfonds vorrangig investiert. Je länger die durchschnittliche Laufzeit, umso höher ist das Risiko. Bei Kurzläufern und geldmarktnahen Investitionen sind die Risiken demgegenüber eher gering. Vorsichtige Anleger sollten schließlich überlegen, ob es nicht besser ist, Gewinne mitzunehmen und erst einmal anderweitig zu parken. Zumindest aber sollten sie die Zinsentwicklung mit dem notwendigen Problembewusstsein verfolgen.
Do, 28. Apr 2005



