Vorsicht vor Provisionsschinderei bei fondsgebundenen Lebensversicherungen
Vor dem Hintergrund der verbreiteten Aktieneuphorie haben die Versicherungsgesellschaften in den vergangenen Jahren verstärkt Kombinationen aus einer Versicherung und einer Investmentanlage angeboten. Kritiker haben schon früh bemängelt, dass viele diese fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherungen mit zu hohen Kosten belastet sind. Inzwischen liegen der Verbraucherzentrale jedoch Fälle vor, bei denen die Anleger mit solchen Produkten regelrecht abkassiert wurden.
Viele Anleger glauben, dass sich ein reiner Investmentfonds und eine Fondspolice lediglich dadurch unterscheiden, dass letztere einen zusätzlichen Versicherungsschutz bietet und die Auszahlungen obendrein gänzlich steuerfrei bleiben. Tatsächlich unterscheiden sie sich beide Produkte aber ganz wesentlich darin, wie der Kunde mit den Abschluss- und Vertriebskosten belastet wird. Bei den reinen Investmentfonds zahlt er in der Regel einen Ausgabeaufschlag, der größtenteils als Provision an den Vermittler fließt. Wird ein Sparplan mit Investmentfonds abgeschlossen, so werden auf diese Weise die Vermittlungskosten nach und nach über die gesamte Laufzeit belastet. Anders bei der fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung. Bei ihr werden die gesamten Abschlusskosten zum Beginn der Laufzeit verlagert. Im Ergebnis landet deshalb in den ersten ein bis zwei Jahren ein großer Teil der Einzahlungen gar nicht in den Fonds, sondern wird insbesondere für die Provision verbraucht. Diese beträgt bis zu vier Prozent der vertraglich vereinbarten Beitragssumme und das bedeutet: Die Vermittlungskosten sind umso höher, je höher die Vertragssumme gewählt wird.
Dies ist den wenigsten Anlegern bewusst, da die Kosten nicht offen ausgewiesen werden. Das wiederum machen sich schwarze Schafe unter den Vermittlern zu Nutze, um mit überhöhten Beitragssummen ihre Provisionen zu maximieren. Ein Weg dazu ist eine viel zu lange Versicherungsdauer. So liegen der Verbraucherzentrale Fälle vor, in denen Laufzeiten bis zum 75. oder gar 80. Lebensjahr empfohlen wurden, obwohl die Versicherungsnehmer spätestens ab dem 65. Lebensjahr die Prämien nicht mehr zahlen können und auch nicht wollen. Schließlich möchten sie im Alter von den Ersparnissen leben. Von ihrem Vermittler wurden sie beruhigt, dass die zusätzlichen Jahre nur eine zeitliche Reserve seien und sie schon früher nicht mehr einzahlen brauchen sowie Fondsvermögen entnehmen können. Nicht gesagt wurde aber, dass dadurch die Beitragssumme und somit auch die Provision teilweise bis zum Doppelten aufgebläht wurden.
Ein weiterer Trick besteht darin, dass Kunden, die einen größeren Geldbetrag besitzen, zu Verträgen mit aberwitzig hohen Beitragssummen überredet werden, die sie aus ihren laufenden Einkommen nie und nimmer bezahlen können. Gezahlt werden die Beiträge deshalb zunächst aus dem vorhandenen Vermögen, das in ein Beitragsdepot eingezahlt wird. Aber auch das reicht oft nur für zwei bis drei Jahre. Beruhigt werden die Kunden wieder damit, dass man die Beitragssummen danach problemlos herabsetzen könne. Aber bis dahin ist ein großer Teil des anfänglichen Vermögens von den immens hohen Provisionen aufgefressen worden. Der Verbraucherzentrale liegt beispielsweise ein Fall vor, in dem in 1999 eine Versicherungsdauer von 30 Jahren mit einer anfänglichen Monatsrate von 2.500 DM empfohlen wurde, die zunächst aus einem Beitragsdepot von 60.000 DM gespeist werden sollte. In den ersten 17 Monaten wurden daraus 43.750 DM in den Vertrag eingezahlt. Wirklich im Anlagefonds landeten davon aber laut der Beitragszerlegung des Versicherers gerade einmal rund 2.700 DM.
Besonders perfide wird diese Methode, wenn Kunden obendrein noch zur Kündigung bestehender Lebensversicherungen gedrängt werden, um das anfängliche Beitragsdepot zu schaffen.
Fr, 14. Jan 2005



