Noch schnell eine Lebensversicherung abschließen?
Der im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat getroffene Kompromiss sieht vor, dass Auszahlungen aus Kapitallebensversicherungen, die nach dem 31.12.2004 abgeschlossen werden, nicht mehr steuerfrei bleiben. Allerdings sollen nicht alle Erträge der Besteuerung unterliegen, sondern nur die Hälfte des Unterschiedsbetrages zwischen der Versicherungsauszahlung und der Summe der für sie geleisteten Einzahlungen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Versicherung erst ab einem Alter von 60 Jahren ausgezahlt wird, die Laufzeit mindestens 12 Jahre betrug und wenigstens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden.
Für einen alleinstehenden Versicherungsnehmer, der 30 Jahre lang monatlich 100 EUR einzahlt und 69.000 EUR ausbezahlt bekommt, würde dies bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000 EUR (ohne die Versicherungssleistung) nach den heutigen Steuersätzen zu einem Abzug von 6.700 EUR führen. Unter einmaliger Berücksichtigung des heutigen Sparerfreibetrags läge die Belastung bei 6.100?. Die steuerliche Schlechterstellung ist also nicht unerheblich und sie fällt um so größer aus, je höher der persönliche Steuersatz und der zu versteurnde Versicherungsleistung ist. Gerade für höhere Einkommensbezieher ist es daher durchaus attraktiv, noch in diesem Jahr eine Lebensversicherung abzuschließen.
Bei mittleren und kleineren Einkommen wird sich die Lage jedoch vielfach anders darstellen. Oft kann hier der Sparerfreibetrag auch längerfristig gar nicht ausgeschöpft werden, so dass die Steuerfreiheit einer Lebensversicherung überhaupt keinen Vorteil bietet. In der Regel ist es zudem lukrativer, zunächst die Möglichkeiten der „Riester“-Förderung und der betrieblichen Altersvorsorge zu nutzen, weil die Kapitallebensversicherungen trotz Steuerfreiheit mit diesen Produkten nicht mithalten können. Schließlich ist zu bedenken, dass die Lebensversicherung ein sehr unflexibles Produkt ist und schon von daher gar nicht zu dem meisten Anlegern passt. Der Umstand, dass jeder zweite Versicherung vorzeitig gekündigt wird, zeigt das sehr deutlich. Statt der steuerfreien Vermögensbildung steht dann am Ende oft ein Vermögensverlust, weil aufgrund der hohen Provisionsbelastung und des Stornos nicht einmal die eingezahlten Beiträge wieder zurückfliessen.
Wenn der Abschluss einer Lebensversicherung sinnvoll erscheint, sollte schließlich nicht auf einen Angebotsvergleich verzichtet werden. Denn die Leistungsfähigkeit der Versicherer ist sehr unterschiedlich. Einem 30jährigen Mann, der monatlich 100 EUR spart, wird über eine Laufzeit von 30 Jahren derzeit in der Spitze eine Auszahlung von 48.500 EUR garantiert. Teure Anbieter garantieren demgegenüber nur etwas mehr als 40.000 EUR. Gemessen an der Differenz zwischen den Einzahlungen von 36.000 EUR und der Auszahlung garantieren die Tabellenletzten gerade einmal ein Drittel der Leistungen des Spitzenreiters. Wer ohne zu vergleichen blindlings einen teuren Anbieter wählt, riskiert somit, dass der erhoffte steuerliche Vorteil zu einem großen Teil durch die hohen Kosten des Versicherers zunichte gemacht wird.
Die Verbraucherzentrale Bremen bietet deshalb allen Interessierten für 30 Euro die Möglichkeit, sich einen individuellen Angebotsvergleichs erstellen zu lassen, der sowohl die garantierten, als auch die unverbindlich in Aussicht gestellten Ablaufleistungen von über 70 Versicherern enthält. Neben ausführlichen Informationen erfolgt auch ein Überblick über die diversen Rankings der Anbieter.
Download: Individueller Angebotsvergleich für Kapitallebens- und Rentenversicherungen (PDF).
Fr, 14. Jan 2005



