Konkrete Risikovorgabe – aber wie?
Banken und Sparkassen müssen die Risikobereitschaft ihrer Kunden erfragen, bevor sie Anlageempfehlungen geben dürfen. Viele der Fragebögen, die dabei verwendet werden, sind allerdings vage und unbestimmt. Das gilt insbesondere, wenn der Anleger oder die Anlegerin grundsätzlich bereit ist, Risiken in Kauf zu nehmen, um sich die Chance auf eine höhere Rendite zu eröffnen. Oft bleibt dann unbestimmt, wie groß genau die Verluste sein dürfen, die maximal in Kauf genommen werden.
Dieser Punkt sollte jedoch präzise geklärt und dann auch im Kundenberatungsbogen bzw. Beratungsprotokoll dokumentiert werden. Denn nur so erhält die Bank oder Sparkasse eine konkrete Vorgabe, an der sie sich – was die Angemessenheit ihrer Empfehlungen betrifft – auch messen lassen muss.
In der praktischen Umsetzung wird das dann weitere Präzisierungen erfordern. Ein Beispiel: Angenommen es geht um einen Anlagebetrag von 50.000 Euro. Ein Teil soll in Aktienfonds investiert werden. Der Anlagehorizont liegt bei 10 Jahren und der Anleger macht folgende Vorgaben: Nach 10 Jahren soll das Anlagevermögen zumindest erhalten sein und zwischenzeitlich dürfen die Verluste maximal 20 Prozent betragen. Die Frage ist: Wie hoch darf der Aktienanteil dann bei der Anlage sein?
Die Antwort hängt zum einen davon ab, welche sichere Verzinsung über die 10 Jahre hinweg – nach Steuern – zu erzielen ist. Zum anderen ist eine Annahme zu treffen, welcher maximale Verlust bei dem Aktienanteil für möglich gehalten wird.
Angenommen, der sichere Zins liegt bei 3,5 Prozent und der Anleger unterstellt einen möglichen Totalverlust der Aktienanlage: Dann dürfte der Aktienanteil maximal bei 10.000 Euro oder 20 Prozent liegen. Denn eine Vorgabe ist ja, dass der zwischenzeitliche Verlust maximal 20 Prozent betragen darf. Die zweite Vorgabe – kein Verlust nach 10 Jahren würde ebenfalls erfüllt: Bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent würde der sicher angelegte Betrag von 40.000 Euro auch nach Steuern mit Zins und Zinseszins auf gut 51.000 Euro anwachsen.
Es stellt sich natürlich die Frage, ob es sinnvoll ist, für die Aktienanlage einen Totalverlust zu unterstellen. Beim Kauf einzelner und obendrein exotischer Aktien – also einer hochgradig spekulativen Anlage – wäre das zwar durchaus zu empfehlen. Bei Aktienfonds, die demgegenüber ausschließlich in den großen Standardwerten investiert sind und einen Aktienindex wie den DAX, den EuroStoxx oder den MSCI Welt abdecken, erscheint demgegenüber die Annahme eines Totalverlustes wohl als zu pessimistisch. Allerdings: Auch der DAX ist von seinem vorausgegangenen Höchststand schon einmal um knapp 75 Prozent abgestürzt. Eine Annahme über das mögliche Verlustrisiko sollte deshalb zumindest solche bereits beobachtete Rückschläge berücksichtigen. 75 Prozent unter dem letzten Hoch sind beim DAX ein Stand von 2.000 Punkten.
Di, 23. Feb 2010



