Verbraucherzentrale Bremen
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Themen :: Geldanlage :: Information zu Provisionen

Information zu Provisionen: Versteckt oder auf den letzten Drücker

Viele Geldanleger und Altersvorsorgesparer werden nach wie vor nur unzureichend über die Provisionen und Abschlusskosten informiert, die mit dem Abschluss ihrer Verträge verbunden sind. Diese Informationen werden zwar nicht einfach unterschlagen. Zu bemängeln ist jedoch, dass die gesetzlich vorgeschrieben Angaben oft erst sehr spät erfolgen, an einer wenig auffälligen Stelle stehen und/oder vom Anleger nicht hinreichend verstanden werden können. Das jedenfalls sind die Beobachtungen der Verbraucherzentrale in ihrer Beratungspraxis

Besonders auffällig sind diese Mängel im Bereich der so genannten geschlossenen Fonds. Solche Fonds werden aufgelegt, um innerhalb eines bestimmten Zeitraums Gelder für ein bestimmtes Investitionsprojekt zu sammeln: für Immobilien, Flugzeuge, Schiffe, Container, Wind- und Solarkraftwerke oder dergleichen mehr.

Vertrieben werden diese Fonds sowohl über Banken und Sparkassen, aber auch über freie Vertriebe. In der Regel erhalten die Anleger dann zunächst dünne Hochglanzbroschüren, in denen vor allem die Chancen des Projektes ausgemalt werden. Dort findet sich dann zumeist auch die Information, dass beim Kauf von Fondsanteilen ein „Agio“ von fünf Prozent fällig wird. Dass diese fünf Prozent an den Vermittler fließen, wird dem Anleger nicht unbedingt gesagt. Zumindest einige von ihnen dürften das aber vermuten.

Was nach den Erfahrungen der Verbraucherzentrale jedoch kaum jemand weiß: diese nach außen sichtbare Provision ist nur ein Teil der Vergütung für den Vermittler. Es gibt daneben noch Innen-Provisionen, die oftmals sogar noch deutlich höher ausfallen. Diese findet man aber erst in dem vollständigen Verkaufsprospekt des Fonds und zwar in der Aufstellung über die so genannte Mittelherkunft. Dort wiederum firmieren sie unter dem Posten „Eigenkapitalbeschaffung“ – ein Begriff, der dem normalen, nicht aufgeklärten Anleger so gut wie nichts sagen wird.

Bei dem Solarfonds SolEs 21, den z.B. die Postbank zuletzt mit großem Eifer vertrieb, liegt das nach außen hin ausgewiesene Agio bei fünf Prozent. Tatsächlich belaufen sich die gesamten Eigenkapitalbeschaffungskosten aber auf den doppelten Betrag, nämlich 10 Prozent. Darüber müsste die Postbank in ihren Beratungen eigentlich aufklären. Tut sie das? In den vergangenen zwei Wochen waren drei Postbankkunden in der Geldanlageberatung der Verbraucherzentrale, denen dieser Fonds als hervorragendes Investment angepriesen worden war. Nicht einer von ihnen hatte eine ungefähre Vorstellung, geschweige denn eine klare Information darüber, was die Postbank für die Vermittlung der Fondsanteile erhält. Offenbar glaubt die Bank – und nicht nur diese – ihren Pflichten Genüge zu tun, wenn sie bei der Vertragsunterzeichnung das vollständige Verkaufsprospekt aushändigt.

Ein ähnliches Hinter-dem-Berg-halten ist bei Angeboten für Rentenversicherungen zu beobachten. Gerade bei der Anlage größerer Geldbeträge erhalten Verbraucher oft auch Angebote für eine Rentenversicherung. Dabei müssten dann eigentlich auch die Abschlusskosten für diese Verträge ausgewiesen werden – und zwar in Euro und Cent. Tatsächlich ist jedoch festzustellen, dass diese Information zunächst nicht gegeben wird. Die Strategie ist offenbar, sie erst mit den umfangreichen Unterlagen zu liefern, wenn die grundsätzliche Zustimmung des Kunden bereits gewonnen ist.

Derartige Taktiken sind nicht hinnehmbar. Jeder Anleger sollte wissen: Außer bei Sparbüchern, Tages- und Festgeldern sowie Sparbriefen sind immer Provisionen im Spiel. Wer ein Angebot erhält, in dem diese nicht in klarer und verständlicher Weise ausgewiesen werden, sollte von sich aus nachfragen: Welche Kosten fallen für mich an? Wie hoch ist der Betrag in Euro? Was davon bekommt die Bank, Sparkasse oder der Vermittler?

Di, 23. Feb 2010

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