Betrügerische Angebote zum Transfer von hohen Geldbeträgen
Die Schreiben stammen größtenteils aus Nigeria. Von dort aus werden schätzungsweise 30.000 Hilfegesuche pro Woche in alle Welt verschickt. Als Bezeichnung für die Banden hat sich deshalb der Begriff „Nigeria-Connection“ eingeprägt. Daneben dienen aber auch andere afrikanische Staaten als Absenderländer. Neuerdings werden solche Angebote zudem aus dem asiatischen Raum versandt.
Im Kern ist die Masche immer die Gleiche: Angeblich verfügen die Absender oder ihre Geschäftspartner über hohe, zumeist zweistellige Millionenbeträge, die aus einer dubiosen Quelle stammen. Ihre angebliche Herkunft reicht von umstrittenen Erbschaften über Familienschätze von Ex- Diktatoren bis hin zu unterschlagenen Firmenvermögen. Diese Gelder sollen ins Ausland transferiert werden, was den Absendern allein jedoch nicht möglich sei. Es wird deshalb um eine „kleine“ Hilfestellung gebeten: z.B. die Bereitstellung des eigenen Kontos, eine finanzielle Unterstützung oder die Übersendung von Bankunterlagen. Als Gegenleistung wird eine fürstliche Belohnung in Aussicht gestellt, die zwischen 20 und vierzig Prozent der außer Landes geschafften Gesamtsumme betragen soll.
Wer Interesse signalisiert, erhält vom Absender in der Regel eine rasche Antwort. Manchmal scheint das Schreiben direkt von der Nigerianischen Zentralbank zu kommen. In der vermeintlich offiziellen Mitteilung, die den bereitwilligen Helfer erreicht, ist bereits sein Name eingetragen. Um den angeblichen Millionen-Transfer perfekt zu machen, seien nur noch einigere „kleinere“ Zahlungen zu leisten, z.B. für Überweisungsgebühren, Anwaltskosten, Steuern oder „Freistellungszahlungen“, sprich Schmiergelder.
Angesichts des zu erwartenden Geldsegens scheinen 10.000 Euro, die zunächst investiert werden sollen, nicht allzu viel zu sein. Nicht wenige sind sogar bereit, den doppelten oder dreifachen Betrag zu zahlen. Tatsächlich hat jedoch noch keiner der hoffnungsfrohen Investoren etwas von den versprochenen Millionen gesehen. Und ebenso wenig haben sie ihre vorab gezahlten Beträge je wieder gesehen.
Nach Angaben der Zentralen Geschäftsstelle der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes wurde allein für das Jahr 2001 bundesweit ein Schaden von etwa 1,63 Mio. Euro registriert. Dies dürfte jedoch nur die „Spitze des Eisbergs“ sein. Viele der Geschädigten erstatten keine Anzeige bei der Polizei, die Dunkelziffer ist deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit weit höher.
Da die Täter ihre Geschichten geschickt an aktuelle Ereignisse wie jetzt den Irak-Krieg anpassen und nach wie vor geschätzte ein Prozent der Angeschriebenen auf die Betrugsmasche hereinfallen, warnt die Polizeiliche Kriminalprävention jetzt mit einem neuen Merkblatt vor den „Nigeria-Briefen“. Auf derartige Schreiben sollte nicht geantwortet und keinerlei Kontakt aufgenommen werden. Persönliche Daten wie Kontonummer, Bankverbindung oder Firmenadresse könnten zu Verfälschungen und anderen Betrügereien genutzt werden. Auf gar keinen Fall sollte jemand zum Abschluss derartiger Geschäfte ins Ausland reisen. Nach den Erfahrungen der Polizei besteht ein hohes Risiko – nicht zuletzt auch für die persönliche Sicherheit der interessierten Helfer.
Das Merkblatt „Nigeria-Briefe“ ist auf jeder Polizeidienststelle erhältlich und kann auch unter ->http://www.polizei.propk.de aus dem Internet heruntergeladen werden.
Fr, 14. Jan 2005



