Firmengeflecht der EURO-GRUPPE in Würzburg meldet Insolvenz an
Die Verbraucherzentralen hatten es schon seit längerem befürchtet; jetzt ist es eingetreten: Die EURO-GRUPPE in Würzburg hat am 13.12.2005 Eigenantrag auf Insolvenz für alle ihre Beteiligungsgesellschaften gestellt. Am Grauen Kapitalmarkt zeichnet sich damit ein neuer Großschaden ab, von dem mehrere Zehntausend Anleger betroffen sind.
Zu dem Firmengeflecht der EURO-GRUPPE gehören die GOJ AG, die Euro-Pool AG, die IBEKA AG, die Schober AG, die Lenz AG, die Knothe AG, die Schuster-Schreiber AG, die PIERENZ AG, die BIALEK AG sowie die AVB Allgemeine Vermögensberatungs GmbH. Letztere war die Vertriebsgesellschaft der Gruppe. Sie hatte bereits am 25.11. einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Am 9.12. folgte die IBEKA, wenige Tage später kam dann das vorläufige Aus für den Rest der Gruppe. Sachverständige werden jetzt zunächst die Vermögenslage der Firmen prüfen. Anschließend werden die Insolvenzverwalter vermutlich versuchen, die Immobilien der Gruppe zu verwerten. Ob dabei unter dem Strich viel für die Anleger übrig bleibt, ist mehr als fraglich.
Betroffen sind schätzungsweise 40.000 Anleger, die sich mit Einmalanlagen oder langfristigen Sparplänen als „atypisch stille Teilhaber“ an den Gesellschaften beteiligt haben – einem Geschäftsmodell, mit dem bereits in der Vergangenheit eine große Zahl von gutgläubigen Anlegern geschädigt wurde. Im Fall der EURO-GRUPPE wurde insbesondere mit der Sicherheit von Immobilieninvestitionen geworben und längerfristig eine zweistellige Rendite in Aussicht gestellt. Die großspurigen Versprechungen stehen noch immer auf der Internet-Seite.
Die Verbraucherzentrale Bremen hat bereits vor vier Jahren erstmals öffentlich vor der EURO-GRUPPE gewarnt. In Bremen war sie insbesondere dadurch aufgefallen, dass sie mit besonders üblen Methoden versuchte, vor allem Spätsaussiedler aus der Sowjetunion für ihre hochriskanten Beteiligungen zu gewinnen. Die Kontaktaufnahme erfolgte über den überraschenden Anruf eines „Landsmannes“, der angeblich „eine wichtige Nachricht vom Finanzamt“ überbringen solle und von dort auch die Adresse des Angesprochenen erhalten habe. Beim anschließenden Hausbesuch entpuppte sich die wichtige Nachricht als angebliche Empfehlung des Finanzamtes, sich an einer Tochtergesellschaft der EURO-GRUPPE zu beteiligen, die acht Prozent Zinsen im Jahr zahle. Um die dafür benötigten Gelder freizusetzen, wurden die Anleger dann gedrängt, bestehende Verträge, insbesondere Lebens- und Rentenversicherungen zu kündigen.
Eine Reihe von Betroffenen hat sich anschließend an die Verbraucherzentrale gewandt und es konnte die Auflösung von Verträgen und die Rückzahlung von Geldern erreicht werden. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Warnungen vor der EURO-GRUPPE viele Anleger dieser Zielgruppe nicht erreicht haben und – nicht nur in Bremen – überproportional viele ehemalige Bürger der Sowjetunion, aber auch Polens zu den Geschädigten zählen. Darauf deutet nicht zuletzt auch hin, dass die Internet-Seite der EURO-GRUPPE Weiterleitungen auf Seiten in russischer und polnischer Sprache besitzt.
Im Internet findet sich jetzt auch die Seite einer „Interessengemeinschaft EURO Gruppe“, die angeblich von Betroffenen der Insolvenz stammt, vermutlich aber von Mitarbeitern aus dem Firmengeflecht lanciert wird. Sie warnt vor Rechtsanwaltskanzleien, die Anlegern Hilfe anbieten, und empfiehlt stattdessen die Kontaktaufnahme zu den Vermittlern der Beteiligungen. Von einer solchen Kontaktaufnahme ist jedoch nachdrücklich abzuraten, da die Vermittler selbst mögliche Adressaten von Schadensersatzansprüchen sind.
Mi, 04. Jan 2006



