Banksparpläne: Großer Bonus – kleine Rendite
Bei Banksparplännen zahlt der Kunde regelmäßig einen bestimmten Betrag auf sein Konto ein und bekommt dafür in der Regel eine doppelte Vergütung. Zum einen zahlt ihm die Bank oder Sparkasse eine gleichbleibende oder variable Grundverzinsung. Zum anderen erhält der Sparer je nach erreichter Laufzeit zusätzlich noch einen Bonus.
So bietet die Postbank beispielsweise einen Sparplan mit einer – wie es im Werbeprosbekt heißt: „stattlichen“ – Grundverzinsung von zur Zeit 1% pro Jahr an. Zusätzlich wird ein garantierter Bonus bis zu 100% gezahlt. Diesen maximalen Bonus erreicht der Sparer zwar erst nach einer Laufzeit von 25 Jahren. Gleichwohl klingen 100% sicherlich nicht schlecht. Die Frage ist allerdings, welche effektive Verzinsung, sprich: Rendite ergibt sich aus dieser Kombination von Grundverzinsung und Bonus wirklich?
In den Werbeprospekten finden sich dazu keine Angaben. Denn im Unterschied zu Krediten muss bei Anlageprodukten der Effektivzins nicht angegeben werden. Stattdessen enthält der Werbeprospekt unter der Überschrift „So schnell können Sie ein kleines Vermögen aufbauen“ lediglich eine Beispielrechnung. Danach würde sich bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro nach 14 Jahren das Gesamtguthaben auf 22.030,91 Euro belaufen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Bonus auf die jährlichen Sparleistungen bereits auf 50% gestiegen. Das lässt eine ansehliche Verzinsung vermuten. Nachgerechnet zeigt sich aber, dass sich die effektive Verzinsung über die 14 Jahre hinweg gerade einmal auf 3,76% beläuft.
Noch magerer sieht es bei kürzeren Laufzeiten aus. Nach zwei Jahren weist der Vertrag bei den derzeitigen Konditionen lediglich eine Rendite von 1,5% auf. Nach sieben Jahren, wenn der Bonus die 20-Prozent-Marke erreicht hat, sind es 2,79% – während ein gut ausgewählter Bausparvertrag in diesem Zeitraum annähernd vier Prozent bringt. Enttäuschend fällt schließlich auch das Ergebnis am langen Ende aus. Wenn nach 25 Jahren der maximale Bonus von 100% gezahlt wird, erwartet der Sparer natürlich auch die höchste Verzinsung. Tatsächlich erzielt er über die ganze Laufzeit hinweg aber nur 3,75%, also sogar noch einen Tick weniger als in dem angeführten Beispiel über 14 Jahre. Der Grund liegt darin, dass der Bonus selbst zwar stetig steigt, im Verhältnis zu dem angesparten Guthaben nach dem zwanzigsten Jahr aber wieder sinkt – was sicherlich das i-Tüpfelchen auf der insgesamt undurchsichtigen Verzinsung ist.
Die Postbank ist aber nicht das einzige Geldinstitut, bei dem sich hinter einem großen Bonus eine kleine Rendite verbirgt. Da der Staat beide Augen zudrückt, ist die irreführende Masche vielmehr gang und gäbe und die Ergebnisse sind mitunter noch frappierender. So wirbt die Sparkasse in Bremen für ihr Flexibles Prämiensparen: „Wenn Sie jeden Monat 100,- EUR ansparen, dann gibt es nach 5 Jahren Laufzeit mit Zinsen und Prämie schon über 6.200,- EUR.“ Das klingt gut, ist aber eher blanke Ironie. Denn die effektive Verzinsung liegt bei 1,29%. Wenn der Sparer nach zehn Jahren die maximale Prämie von beeindruckenden 65 Prozent bekommt, erreicht die tatsächliche Rendite bei der derzeitigen Grundverzinsung gerade einmal einen Wert von sage und schreibe 1,7 Prozent. Das sind schon fast Bonsai-Zinsen auf japanischem Niveau, die hier hinter scheinbar hohen Prämien versteckt werden.
Wer sich für einen Banksparplan interessiert und sich nicht veräppeln lassen möchte, dem bleibt folglich nur dies: darauf bestehen, dass das Geldinstitut die effektive Verzinsung, sprich: Rendite nennt. Zudem sollte nicht auf einen Marktvergleich verzichtet werden, um zu sehen, was anderswo möglich ist. Die Verbraucherzentrale Bremen bietet dazu für 3,50 Euro eine Marktübersicht Sparen und Geldanlage an, die wöchentlich am Donnerstag aktualisiert wird.
Fr, 14. Jan 2005



