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Statistische Lebenserwartung Teil 2: Erst im hohen Alter winkt ein Plus

Bei einer privaten Rentenversicherung leistet der Kunde einmalig oder über einen längeren Zeitraum Zahlungen an den Versicherer. Im Gegenzug erhält er ab einem bestimmten Zeitpunkt eine lebenslange Rente. Ob sich dieses Geschäft lohnt, ist grundsätzlich ungewiss. Denn es hängt letztlich davon ab, wie lange der Versicherungsnehmer lebt.

Wie viel der Versicherungsnehmer an Leistungen – sprich Rente – erhält, hängt allerdings auch davon ab, mit welchen statistischen Lebenserwartungen der Versicherer kalkuliert. Je höher die unterstellte Lebenserwartung ist, umso niedriger fällt die Rente aus. Denn das eingezahlte und angelegte Geld muss dann für einen längeren Zeitraum ausreichen. Insofern stellt sich die Frage, mit welchen Lebenserwartungen die Versicherer eigentlich kalkulieren – und ob diese Kalkulation realistisch und damit letztendlich auch fair ist.

Nach der aktuellen Sterbetafel DAV 2004 R rechnen die Versicherer damit, dass ein männlicher Rentner nach Erreichen des 65. Lebensjahres im Durchschnitt noch 24 Jahre lebt – also 89 Jahre alt wird. Ein Blick auf Versicherungsangebote zeigt: Zahlt ein 65jähriger Mann Ende Juli 100.000 Euro in eine sofort beginnende Rente ein, würde er ab August beispielsweise bei der Allianz garantiert 436 Euro monatliche Rente erhalten und beim Zürich Deutscher Herold 435 Euro. Nach den (unverbindlichen) Hochrechnungen soll die Allianz-Rente in der dynamischen Variante jährlich um 2,76 % steigen; die der Zürich um 1,74 %. Gehen diese Prognosen auf, würde ein Rentner, der tatsächlich 89 Jahre alt wird, folgende jährliche Verzinsungen auf sein eingezahltes Geld erzielen: 4,7 % bei der Allianz und 3,7 % bei der Zürich. Für eine durchschnittliche Lebenserwartung wäre zumindest das Ergebnis bei der Allianz nicht schlecht. – Aber sind die 89 Jahre realistisch?

In der vorigen Woche wurde an dieser Stelle eine wissenschaftliche Untersuchung zur Lebenserwartung männlichen Rentnern und Pensionären vorgestellt. Sie gelangt zu deutlich niedrigeren Zahlen. Demnach lag in 2003 die durchschnittliche Lebenserwartung von Rentnern nach Erreichen des 65. Lebensjahres bei einem Endalter von knapp 81 Jahren. Bei pensionierten Beamten betrug sie knapp 83 Jahre. Gleichzeitig zeigte sich eine starke Abhängig der Lebenserwartung vom Einkommen und der Sicherheit des früheren Berufs: Beamte des höheren Dienstes wiesen danach mit 84,6 Jahren eine um fünf Jahre höhere Lebenserwartung auf als Rentner mit einem niedrigen Lebensarbeitseinkommen.

Legt man diese durchschnittlichen Lebenserwartungen zugrunde, sieht die wahrscheinliche Rentabilität der Rentenversicherungen ganz anders aus: Selbst die früheren Beamten des höheren Dienstes würden im Durchschnitt bei der Allianz nur eine Rendite von 2,9 % pro Jahr erreichen; bei der Zürich wären es noch weniger: nämlich 1,9 %. Die Rentner insgesamt würden im Durchschnitt bei der Allianz auf eine Verzinsung von gerade einmal 0,2 % kommen; bei der Zürich droht sogar ein Verlust von 0,74 % pro Jahr. Rentner, die in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen leben, können noch weniger erhoffen. Ihnen droht bei der Allianz ein Minus von ein Prozent pro Jahr und bei der Zürich sogar von knapp zwei Prozent. Real, also nach Berücksichtigung der Inflation, wären die Ergebnisse nach desaströser.

Wer trotz solcher Zahlen eine private Rentenversicherung abschließt, muss folglich ein ziemlicher Optimist sein, was seine persönliche Lebenserwartung angeht.

So, 20. Jul 2008

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