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Themen :: Geldanlage :: Altersvorsorge :: Statistische Lebenserwartung Teil 1

Statistische Lebenserwartung Teil 1: Gut Versorgte leben länger

Lohnt sich eine zusätzliche private Altersvorsorge? Diese Frage ist den zurückliegenden Monaten vor allem mit Blick auf diejenigen gestellt worden, deren gesetzliche Rente so niedrig ausfallen wird, dass sie der zusätzlichen staatlichen Grundsicherung bedürfen werden. Ob sich die Vorsorge lohnt, hängt aber auch davon ab, wie gut das Geld bei den Versicherungen, Banken und Investmentgesellschaften angelegt wird. Und entscheidend ist letztlich natürlich, wie lange der Vorsorgesparer lebt und seine Rente beziehen kann.

Individuell lässt sich dies nicht voraussagen. Interessant ist aber ein Blick auf die Statistiken zur Lebenserwartung. Weithin bekannt ist, dass sie eine allgemein zunehmende Lebensspanne verzeichnen. Zudem belegen sie, dass Frauen im Schnitt älter werden als Männer. Weitaus weniger bekannt ist, dass die statistische Lebenserwartung auch von wirtschaftlichen und sozialen Faktoren beeinflusst wird. Hierzu haben kürzlich Berliner und Rostocker Wissenschaftler eine eindrucksvolle Untersuchung vorgelegt.

Die Wissenschaftler haben zum einen für die Gesetzliche Rentenversicherung untersucht, wie sich die Höhe des Lebensarbeitseinkommens auf die Lebenserwartung von Männern ab dem 65. Lebensjahr auswirkt. Auf einer sehr breiten Basis von Daten für die Jahre von 1999 bis 2003 gelangen sie dabei zu einem eindeutigen Ergebnis: die weitere Lebenserwartung steigt mit der Höhe der Einkünfte während der Lebensarbeitszeit und damit auch mit der Höhe der erworbenen gesetzlichen Rente. Im Durchschnitt lag die Lebenserwartung bei 80,8 Jahren. Das Fünftel der Männer mit den höchsten Rentenentgeltpunkten erreichte aber ein durchschnittliches Alter von 82,5 Jahren. Am anderen Ende lag die durchschnittliche Lebenserwartung demgegenüber nur bei 79,6 Jahren. Gut verdienende männliche Arbeitnehmer leben somit im Schnitt fast drei Jahre länger als die Bezieher von niedrigeren Einkommen und Renten. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der wachsenden Zahl schlecht bezahlter Jobs erwarten die Wissenschaftler, dass diese Lücke künftig sogar noch zunimmt.

Neben der Lebenserwartung der Männer in der Gesetzlichen Rentenversicherung wurde zum anderen auch die Lebenserwartung von männlichen pensionierten Beamten nach dem 65. Lebensjahr untersucht. Es zeigt sich das gleiche Ergebnis, aber auf insgesamt höherem Niveau. Im Durchschnitt verzeichneten die pensionierten Beamten eine Lebenserwartung von 82,8 Jahren – also zwei Jahr mehr als die Rentner in der Gesetzlichen Rentenversicherung. Während Beamte aus der einfachen und mittleren Laufbahn im Durchschnitt nur 80,8 und 81,9 Jahre erreichten, erreichten Beamte aus der gehoben und der höheren Laufbahn demgegenüber ein durchschnittliches Alter von 83,6 und 84,6 Jahren.

Im Quervergleich ergibt sich damit, dass männliche Arbeitnehmer, die in bescheidenen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen leben, im Schnitt um fünf Jahre früher sterben als Beamte des höheren Dienstes.

Für diese soziale Ungleichheit bei der Lebenserwartung sehen die Forscher mehrere Gründe. Im Kern heben sie aber hervor, dass sich die Höhe der Einkünfte und die Sicherheit des Arbeitsplatzes positiv auf die Lebenszufriedenheit und das Gesundheitsbewußtsein auswirken – und dass besser gestellte Personen auch eher das notwendige Geld besitzen, um zusätzliche Gesundheitsprodukte und eine gesündere Lebensweise zu finanzieren.

Die Untersuchungsergebnisse werfen natürlich viele Fragen auf, nicht zuletzt auch für das Altersvorsorgesystem selbst: Wie gerecht sind gesetzliche oder private Renten, die die soziale Ungleichheit bei der Lebenserwartung nicht berücksichtigen? Muss die verdeckte finanzielle Umverteilung von schlechter zu besser gestellten Personen, die damit verbunden ist, hingenommen werden? Zudem: Mit welchen statistischen Lebenserwartungen kalkulieren die privaten Versicherer eigentlich ihre Produkte? Diese Frage wird Gegenstand von Teil 2 des Blickes auf Altersvorsorge und Lebenserwartung sein.

Di, 08. Jul 2008

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