Riester-Produkte: Wichtigstes Auswahlkriterium sind die Kosten
Neben der Sicherheit und der Flexibilität interessiert vor allem die Rentabilität einer Kapitalanlage. Maßstab dafür ist die Rendite oder die effektive Verzinsung des eingesetzten Geldes. Bei den Riester-Produkten ist eine Auswahlentscheidung anhand dieses Maßstabes jedoch allenfalls bei den Banksparplänen möglich. Bei den anderen Produkten macht ein Rendite-Vergleich wenig Sinn. Denn: Die in den Angeboten in Aussicht gestellten Renten basieren – sofern es sich nicht um die mindestgarantierten Werte handelt – ausnahmslos auf unverbindlichen Beispielrechnungen. Welche Erträge die Anbieter mit den einzelnen Produkten tatsächlich erwirtschaften, wird sich erst im Nachhinein zeigen. Statt sich von unsicheren Rentenprognosen blenden zu lassen, sollten sich Anleger deshalb an denjenigen Fakten orientieren, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Rentabilität haben: Das sind vor allem die Kosten. Denn jeder Beitrags-Euro, der in den Taschen des Anbieters und seines Vertriebs hängen bleibt, steht für den Kapitalaufbau für die Rente nicht mehr zur Verfügung.
Für einen Kostenvergleich weisen gerade die Riester-Produkte einen wichtigen Fortschritt auf. Während Anleger bei den herkömmlichen Rentenversicherungen und Fondspolicen hinsichtlich der Provisionen und Gebühren völlig im Dunkeln tappen, müssen bei den zertifizierten Altersvorsorgeprodukten erstmals die Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten offen gelegt werden. Allerdings: Bei dem Bemühen, für mehr Transparenz zu sorgen, hat die Politik den Unwillen der meisten Anbieter unterschätzt, die Karten wirklich offen zu legen. Statt klare und vergleichbare Kostenquoten auszuweisen, werden dem Anleger die unterschiedlichsten Modelle präsentiert. Mal werden die Kosten in Prozent der Eigenbeiträge, der Zulagen oder der Beiträge insgesamt genannt. Mal werden sie in Prozent aller planmäßig zu zahlenden Beiträge, in Prozent der bereits geleisteten Beiträge, in Prozent des gebildeten Kapitals oder in Prozent der späteren Jahresrente beziffert. Daneben gibt es noch diverse Fixbeträge, die zu entrichten sind. Bisweilen sind die Kosten im Zeitlauf obendrein gestaffelt. Schließlich bleibt es oftmals noch ein Rätsel, wann genau die Gebühren belastet werden: am Jahresanfang, am Jahresende, Quartalsweise oder bei jeder Beitragszahlung. Auch solche Feinheiten wirken sich über die Jahre hinweg nicht unerheblich aus.
Für einen normalen Anleger ist dieser Gebührendschungel ohne fremde Hilfe undurchdringlich. Von daher ist zu hoffen, dass der Gesetzgeber, der in seinem Bemühen um mehr Transparenz von den Anbietern regelrecht veräppelt wird, gerade in diesem Punkt nochmals nachbessert. Grundsätzlich ist es aber durchaus möglich, mit den vorhandenen Informationen die Kosten der angebotenen Produkte zu analysieren und fundierte Vergleiche zu erstellen. Von einigen privaten Rating-Agenturen und von der Stiftung Warentest liegen bereits erste Ergebnisse vor. Sie zeigen, dass die Spannbreite der Kosten – je nach Produkt und Fallgestaltung – von vier Prozent bis sage und schreibe über 30 Prozent reicht. Schwerpunktmäßig liegen die Kosten um die 15 Prozent. Aber auch das ist wohl eher „mangelhaft“ als „guter Durchschnitt“.
Die modellhaften Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Kosten der Produkte je nach Fallgestaltung recht unterschiedlich ausfallen können. Hinzu kommen sehr große Unterschiede bei einem außerplanmäßigen Verlauf der Verträge wie zum Beispiel einem Anbieterwechsel, einer Beitragsfreistellung, der Entnahme für eine Immobilienfinanzierung oder beim Versterben des Anlegers in der Ansparphase. Statt sich nur an den Ergebnissen von Modellfällen zu orientieren, sind deshalb individuelle Berechnungen erforderlich. Und statt lediglich auf den planmäßigen Vertragsverlauf abzustellen, sollten auch die Kosteneffekte bei nichtplanmäßigem Verlauf vorgerechnet und beachtet werden. Von den Verbraucherzentralen wird ein solcher Rechner bei den persönlichen Beratungen eingesetzt werden.
Fr, 14. Jan 2005



