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„Riester“: Undurchsichtige Angebote und zu teure Produkte

Viele „Riester“-Verträge sind mit zu hohen Kosten belastet. Ein großer Teil der staatlichen Förderung landet deshalb in der Finanzindustrie und nicht bei den Vorsorgesparern. Es fehlt an einem funktionierenden Preis- und Qualitätswettbewerb. Einen günstigen Riester-Vertrag zu finden, ist deshalb eher wie ein Spiel in der Lotterie.

Zu dieser harschen Kritik gelangt eine Studie, die der ->Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in der vergangenen Woche vorgestellt und auf seiner Internet-Seite veröffentlicht hat. Der Verfasser des Gutachtens, Prof. Andreas Oehler von der Universität Bamberg, hatte über Testkunden rund 130 Angebote für den Abschluss eines Riester-Vertrages eingeholt und diese ausgewertet.

Erster Befund: Nur knapp die Hälfte der Anbieter lieferte nutzbare Informationen zu den Kosten der Verträge. Selbst auf ausdrückliche Nachfrage verbesserte sich die Transparenz nicht. Fast 40 Prozent der Angebote wiesen die Kosten nicht oder nur teilweise in Euro aus, obwohl das gesetzlich zwingend vorgeschrieben ist. Bei einem Drittel der Angebote fehlten Angaben zu den Kosten eines Vertragswechsels. Rund ein Viertel der Angebote lieferte keine hinreichenden Informationen zu den Abschluss- und Vertriebskosten. Zudem blieben Zuschläge für monatliche Ratenzahlungen häufig versteckt, wenn sie denn überhaupt angegeben wurden. Der Gutachter fragt daher zu Recht: „Wie soll ein Verbraucher hier einigermaßen sinnvoll Produkte und Anbieter vergleichen können, wenn selbst die wichtigsten Informationen fehlen?“

Zweiter Befund: Ein großer Teil der angebotenen Verträge ist – soweit sich das dann nachrechnen lässt – mit hohen Kosten verbunden. Im Durchschnitt lagen die Kosten so hoch, dass sie – je nach Laufzeit der Verträge – zwischen 75 und 90 Prozent der staatlichen Grundzulagen ausmachten. Für den Gutachter bleibt es daher fraglich, „ob größere Teile der staatlichen Zahlungen aus Steuermitteln den Kostenforderungen einer Branche dienen sollen, oder aber zusätzliche Renditepunkte bei gleichem Risiko die Verbraucher zur Vorsorge anregen sollen.“

Für den Gutachter ist klar, dass die Antwort zu Gunsten der Vorsorgesparer ausfallen sollte. Dann aber sieht er es für erforderlich an, dass die Kosten der Riester-Produkte gedeckelt werden müssten.

Das Gutachten beleuchtet aber noch andere Punkte. Es verweist insbesondere auch darauf, dass die knapp 13 Millionen Riester-Verträge noch keine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte sind. Denn damit hat maximal die Hälfte der Förderberechtigten einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Die Quote ist wegen der Dunkelziffer der indirekt Förderberechtigten sogar eher niedriger – und das nach mittlerweile acht Jahren. Hinzu kommt, dass lediglich 60 Prozent der Riester-Sparer so hohe Beiträge aufbringt, dass sie auch die vollen Zulagen erhalten.

Berücksichtigt man, dass die Riester-Rente kein zusätzliches Sahnehäubchen für das Alter, sondern eine nicht mehr ausreichende gesetzliche Rente ergänzen soll, so ist das bedenklich. Der Gutachter verweist dabei insbesondere auch auf die Probleme für die unteren Einkommensbezieher, deren Versorgung im Alter schon heute vergleichsweise schlecht ist. Aus seiner Sicht ist es daher überfällig, dass eine bislang verdrängte Frage gestellt wird, nämlich nach der „individuellen Tragfähigkeit der Riester-Rente“. In anderen Worten: Liegt die vergleichsweise noch immer geringe Beteiligung daran, dass große Teile der Förderberechtigten die zusätzlichen Aufwendungen gar nicht aufbringen können?

Di, 23. Feb 2010

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