Riester-Rente mit ethisch-ökologischer Geldanlage
Neben dem klassischen Zieldreieck von Sicherheit, Flexibilität und Rentabilität gewinnt für zunehmend mehr Anleger ein weiteres Kriterium an Bedeutung: Sie wollen nicht, dass ihr Geld in Unternehmen angelegt wird, die in umweltschädlichen Branchen tätig sind, Menschenrechte missachten oder destruktive und gefährliche Produkte wie Waffen und Atomkraftwerke herstellen. Im Rahmen der staatlich geförderten Altersvorsorge müssen die Anbieter deshalb erstmals einmal im Jahr schriftlich darüber informieren, ob und wie sie ethische, soziale und ökologische Belange bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge berücksichtigen. Das Angebot an „grünen“ Riester-Produkten ist bislang allerdings noch begrenzt. Bei den meisten dieser Offerten handelt es sich zudem lediglich um Mischungen aus konventionellen und ethisch/ökologischen Anlagen.
Das Gros der Anbieter hat zunächst nur konventionell anlegende Produkte zertifizieren lassen. Ein Teil der Unternehmen begründet das mit dem unzureichenden Interesse auf der Nachfrageseite. Andere führen für ihre Zurückhaltung – mehr oder weniger verklausuliert – die angeblich mangelhafte Rentabilität solcher Investments an. So schreibt beispielsweise die Investmentgesellschaft DWS – Tochter der Deutschen Bank – in ihrer Ethik-Information: „Im Interesse einer wirtschaftlichen Kapitalanlage verzichtet die DWS bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge auf die Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Belange.“ Seltsamer Weise hat dies die Gesellschaft aber nicht daran gehindert, jüngst für andere Zielgruppen auch Fonds aufzulegen, die sich gezielt an führenden Unternehmen beteiligt, die durch eine konsequente Ausrichtung an wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Kriterien einelangfristige und nachhaltige Optimierung des Unternehmenswerts anstreben.
Tatsächlich ist das Schauermärchen von der geringen Rentabilität ethisch-ökologischer Anlagen durch wissenschaftliche Untersuchungen schon mehrfach widerlegt worden. Vieles spricht sogar dafür, dass eine effiziente Umweltpolitik, eine ökologisch innovative Produktpalette und ein verantwortungsbewusstes Handeln des Managements sich längerfristig vorteilhaft auf die Gewinne und damit auch den Wert der Unternehmen auswirkt. Bei den angebotenen Riester-Produkten mit ethischer und ökologischer Ausrichtung handelt es sich bislang praktisch ausschließlich um Rentenversicherungen und um Fondspolicen, bei denen ein Teil der Beiträge in eine Rentenversicherung und ein Teil in Investmentfonds fließt. Die „grünen“ Rentenversicherungen unterscheiden sich dabei insbesondere dadurch, ob die nach ethisch-ökologischen Kriterien angelegten Gelder separat verwaltet werden oder ob sie in den Gesamttopf der Anlagen des Versicherers fließen und dieser lediglich anteilig alternative Geldanlagen tätigt. In diesen Fällen kann ein Teil der erwirtschafteten Überschüsse durchaus aus „nicht-sauberen“ Quellen stammen.
Bei den „grünen“ Fondspolicen wird in der Regel nur der Fondsanteil nach ethisch-ökologischen Kriterien angelegt. Dieser Anteil kann je nach Produkt unterschiedlich groß sein. Der Versicherungsanteil, mit dem die Kapitalgarantie gewährleistet werden soll, fließt demgegenüber überwiegend bis gänzlich in konventionelle Anlagen. Bei diesen Angeboten kann der Anleger aber zumeist den oder die Fonds wählen, in die investiert werden soll. Insofern kann er – wenn auch nur für einen Teil der Beiträge – seine persönlichen Kriterien für eine ethische und ökologische Kapitalanlage differenzierter zur Geltung bringen.
Gerade in der Frage, welche konkreten Kriterien die Auswahl der Wertpapiere beeinflussen, unterscheiden sich die ethisch-ökologisch Produkte teilweise ganz erheblich. Wer sich für eine solche Anlage interessiert, kommt deshalb nicht herum, sich mit den unterschiedlichen Auswahlverfahren und Anlagephilosophien der einzelnen Fonds vertraut zu machen.
Fr, 14. Jan 2005



