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Deutsche Bank: Empfohlen wird, was mehr Provision bringt

Die Riester-Rente entwickelt sich allmählich zu einer Erfolgsgeschichte. Es fällt allerdings auf, dass nicht alle Produktgruppen gleichermaßen von der Nachfrage profitieren. Mit einem Marktanteil von 69 Prozent liegen bislang die Versicherungsprodukte weit vorne, während die Fondssparpläne mit 27 Prozent und die Banksparpläne mit knapp 5 Prozent abgeschlagen auf den Plätzen landen. Mit einer besseren Qualität der Versicherungsprodukte lassen sich diese großen Unterschiede kaum erklären. Es gibt zwar eine Handvoll gute Angebote in dieser Gruppe. Aber auch die sind nicht unbedingt die Spitzenreiter beim Absatz. Wichtiger als die Produktqualität scheint deshalb anderes zu sein: bei den meisten Versicherungsprodukten erhalten die Vermittler sofort die volle Abschlussprovision. Bei Fondsparplänen bekommen sie diese demgegenüber erst ratenweise und an Banksparverträgen lässt sich für Vermittler gar nichts verdienen. Es überrascht daher nicht, dass Vermittler und Vertriebe am liebsten die Versicherungsprodukte empfehlen. Wie die Praxis zeigt, bevorzugt aber auch manche Bank den schnellen Provisionserlös via Versicherung. Dies geht sogar soweit, dass eigene Alternativprodukte bei der Beratung der Kunden verschwiegen werden.

Negativ aufgefallen ist damit bislang vor allem die Deutsche Bank. Eine Verbraucherin hatte sich bei der Verbraucherzentrale Bremen beraten lassen und schließlich für einen Riester-Fondssparplan von der DWS entschieden – der führenden Investmentgesellschaft in Deutschland und damit einer der Vorzeige-Töchter der Deutschen Bank. Nachdem die Verbraucherin eine Filiale der Deutsche Bank aufgesucht hatte, glaubte sie, auch genau einen solchen Vertrag unterschrieben zu haben. Bei einer weiteren Beratung in der Verbraucherzentrale zeigte sich jedoch, dass sie nicht den Fondsparplan der DWS abgeschlossen hatte, sondern eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung beim Deutschen Herold, dem Versicherungspartner der Deutschen Bank. Während der DWS Fondssparplan – insbesondere für jüngere Anleger – zu den attraktiven Angeboten in seiner Produktgruppe gehört, zählt die Fondspolice des Deutschen Herold nicht zu den Produkten, die von den Verbraucherzentralen, der Stiftung Warentest oder von Ökotest als empfehlenswert eingestuft werden. Vor allem ist sie mit höheren Kosten für den Verbraucher belastet.

Nachdem auf Rückfragen bei Verbrauchern von einem weiteren solchen Fall berichtet wurde, machte die Verbraucherzentrale selbst einen Test. Ein Mitarbeiter ließ sich bei der Deutschen Bank zum Abschluss eines Riester-Vertrages beraten. Ergebnis: Vorgestellt wurde nur die fondsgebundene Rentenversicherung. Auf Nachfrage, ob die Deutsche Bank nicht auch einen reinen Fondssparplan ohne den Versicherungsmantel im Angebot habe, wurde dies sogar ausdrücklich verneint. Ein solches Angebot, so der Berater, kenne er nicht.

Diese Irreführung der Kunden ist augenscheinlich auch keine bremische Besonderheit. Im jüngsten Heft der Stiftung Warentest/Finanztest berichten gleich zwei Leserbriefschreiber von erfolglosen Versuchen, die von Finanztest empfohlene DWS TopRente bei der Deutschen Bank abzuschließen. Stattdessen wurde hartnäckig versucht, die Kunden zu den Fondspolicen des Deutschen Herold zu überreden.

Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt deshalb, die Deutsche Bank in Sachen Riester-Rente vorerst zu meiden. Wer sich für den DWS Fondsparplan interessiert, kann sich direkt an die DWS wenden oder besser noch: an einen Fondsvermittler, über den das DWS Produkt mit reduzierten Ausgabeaufschlägen erhältlich ist.

Wer bereits – möglicher Weise sogar unwissentlich – die Fondspolice des Deutschen Herold bei der Deutschen Bank abgeschlossenen hat, sollte prüfen, ob er bei diesem Produkt bleiben will. Laut einem neuen BGH-Urteil muss die Bank bei der Beratung über etwaige Provisionen aufklären. Dies könnte den Weg öffnen, ohne Verluste wieder aus dem Vertrag herauszukommen.

Stand: 14.3.2007

Fr, 18. Mai 2007

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