Lebensmittelkennzeichnung: Der schöne Schein
Die Zutatenliste ist korrekt, eine Nährwertangabe vorhanden und die sog. Verkehrsbezeichnung lässt keinen Zweifel zu, worum es sich handelt: eine Pizza, belegt mit Thunfisch. Das Tiefkühlprodukt des bekannten Herstellers enthält ein großes, Appetit anregendes Foto – inwieweit Foto und Realität übereinstimmen, lässt sich erst nach dem Erhitzen im Backofen genauer sagen. Und ob die Pizza schmeckt, muss sowieso jeder selbst entscheiden. Doch auch ohne diesen Praxistest gibt es bei der Pizza aus Sicht der Verbraucherzentrale „Ärgerpunkte“ bei der Kennzeichnung: Zunächst wird bei der Nährwerttabelle, bei der auch die problematischen Nährstoffe, wie Fett, Zucker oder Salz aufgeführt werden, die Rechnung für eine halbe Pizza aufgemacht. Das schönt das Bild ganz erheblich, denn ob bei Fett nur 15 % oder fast schon ein Drittel der empfohlenen Tageszufuhr oder beim Natrium (Kochsalz) gut 50 % erreicht oder schon die gesamte Menge für einen Tag überschritten wird, ist ein großer Unterschied. Doch – Hand aufs Herz – wer isst nur eine halbe Tiefkühlpizza?
Eine solche Form der Nährwertangaben ist bei vielen Produkten zu finden. Die Angaben werden für unrealistisch kleine Portionsgrößen berechnet: für drei (!) Kekse, für 40 g (!) Müsli oder eine Handvoll (!) Chips. So sehen dann weder die Zucker-, noch die Fett- oder Salzgehalte dramatisch aus. Diese „Nährwert-Kosmetik“ der Hersteller ist irreführend, schwer zu durchschauen und kann nach Auffassung der Verbraucherzentrale Bremen zu Fehlein-schätzungen führen. Der Ampelcheck der Verbraucherzentralen dagegen hilft, die Nährwertgehalte richtig einzuschätzen – unabhängig davon, wie klein die Portionsgrößen sind. Je nach Gehalt von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 g Lebensmittel kann man Hilfe der Ampelkarte ein Rot, Gelb oder Grün vergeben und Zuckerbomben, Fettfallen oder völlige Übersalzung schon im Geschäft erkennen. Der Ampelcheck und ein informatives Faltblatt dazu sind in der Verbraucherzentrale Bremen, Altenweg 4, 28195 Bremen erhältlich. Bei Einsendung eines mit 0,55 € frankierten und adressierten Din-A-lang Briefumschlages wird beides auch zugesandt.
Unter ->www.verbraucherzentrale-ampelcheck.de ist der Ampelcheck auch online machbar.
Das Gesund-Rechnen durch zu kleine Portionen kommt häufig vor, aber zusätzlich haben die meisten Hersteller weitere „Schminktöpfe“ parat – seien es bildliche Darstellungen oder eine erstaunliche Wortakrobatik. Besagte Pizza nennt sich zum Beispiel „Die Ofenfrische“. Klingt gut und man scheint schon den verlockenden Pizza-Duft zu spüren. Aber gibt es Leute, die sich die Pizza nicht in den Ofen schieben und frisch, sondern tiefgekühlt essen? Wohl kaum – ist somit nicht jede Pizza ofenfrisch??
Andere Beispiele für Ärgerpunkte:
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Die Verpackung von Kartoffeln ist mit einem (niedersächsischen?) Fachwerkhaus verziert – und wo kommen die Knollen her? Aus Israel!
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Ein bekanntes Vanille-Markeneis enthält auf der Verpackung Vanilleschoten. Und was ist drin? Tatsächlich die gemahlenen Schoten – aber ohne das teure Vanillemark.
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Ein zweites Vanille-Beispiel: Auf einer Dessertpackung steht groß „Vanille“ – und darunter fast winzig klein – „Geschmack“... das Dessert enthält nur künstliche Aromastoffe.
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Bei einem verpackten Schnittkäse ist die Kennzeichnung in der Falz versteckt, erst nach mühsamem Auseinanderziehen wird klar: Bei dem „Schnittkäse“ handelt es sich in Wirklichkeit um billigen Schmelzkäse.
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Auf einer Mozzarella-Verpackung findet sich eine schöne toskanische Landschaft, doch der Käse kommt... aus Bayern.
Diese Liste mit Ärgerpunkten ließe sich unendlich lange fortsetzen. Die Industrie versucht auf unterschiedlichste Arten, die Qualität ihrer Waren schönzureden. Oft genug bewegen sie sich dabei am Rande der Legalität. Doch was können Verbraucher tun, um nicht der Schönrechnung, Qualitätsschönung oder Schönrederei auf den Leim zu gehen?
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Lesen Sie sich die Zutatenlisten und Herstellungsverfahren durch.
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Ignorieren Sie bei den Nährwertangaben die Portionsgrößen und machen Sie den Ampelcheck.
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Lassen Sie sich weder von vollmundigen Werbeversprechen noch von bunten Bildern täuschen.
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Protestieren Sie beim Händler oder Hersteller, wenn Ihnen Widersprüche auffallen.
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Schalten Sie die Verbraucherzentrale Bremen ein.
Do, 22. Apr 2010



