Umschuldungsangebote nicht ungeprüft annehmen
Seit September letzten Jahres sind die Zinssätze für Hypothekendarlehen um einen halben Prozentpunkt gestiegen. Da weitere Zinsschritte von der Europäischen Zentralbank erwartet werden, spricht einiges dafür, dass sich auch die Darlehenszinssätze weiter erhöhen werden. Viele Eigenheimfinanzierer, deren Zinsbindung erst in zwei, drei Jahren ausläuft, würden daher gerne vorzeitig umschulden, um sich die aktuellen Konditionen zu sichern. Die meisten Banken lehnen dies jedoch ab. Einige Kreditinstitute ergreifen in jüngster Zeit allerdings selbst die Initiative und bieten ihren Kunden eine Umschuldung an. Das ist auf den ersten Blick erfreulich. Wie die Erfahrungen zeigen, sollten solche Offerten aber sorgfältig geprüft werden.
Einem Kunden der Sparkasse in Bremen wurde Anfang März angeboten, ein Annuitätendarlehen vorzeitig umzuschulden. Der derzeitige Zinssatz liegt bei 6,4 Prozent nominal und ist noch bis August 2010 vorgeschrieben. Für die laufende Tilgung ist ein Satz von anfänglich vier Prozent vereinbart. Die Restschuld beträgt derzeit 39.300 Euro. Das Angebot der Sparkasse: Der Kunde zahlt eine Vorfälligkeitsentschädigung von 4.800 Euro und erhält dafür ein neues Darlehen mit einem Zinssatz von 4,5 Prozent. Die Vorfälligkeitsentschädigung wird über das neue Darlehen mitfinanziert. Gleichzeitig wird auch die Finanzierungsform gewechselt: Statt einer laufenden Tilgung wird ein Bausparvertrag bespart, mit dem der Kredit Ende 2011 abgelöst werden soll.
Nach Aussage des Kundenberaters beinhaltet die Vorfälligkeitsentschädigung ein Entgegenkommen der Sparkasse. Denn eigentlich sei ein Schadensausgleich von rund 6.000 Euro gerechtfertigt. Als vorteilhaft herausgestellt wird zudem der niedrige Darlehenszins von nur noch 3,25 Prozent, der für das spätere Bauspardarlehen gilt.
Die Verbraucherzentrale hat dieses Angebot nachgerechnet. Demnach dürfte eine fair berechnete Vorfälligkeitsentschädigung maximal bei rund 3.500 Euro liegen. Der geforderte Ablösepreis ist also bei weitem zu hoch und der angebliche Nachlass von 1.200 Euro überhaupt nicht nachzuvollziehen.
Weiterhin zeigt sich Folgendes: Bei planmäßiger Fortsetzung des Darlehens würde die Restschuld am Zinsbindungsende bei 26.400 Euro liegen. Bei dem umgeschuldeten Darlehen würde sich zu diesem Zeitpunkt demgegenüber – per Saldo aus Kredit und Bausparguthaben – eine Restschuld von 30.600 Euro ergeben. Bis dahin würde die Umschuldung folglich ein dickes Minusgeschäft bedeuten.
Ein möglicher Vorteil der Umschuldung könnte darin liegen, dass der Darlehensnehmer anschließend bis zur vollständigen Kredittilgung eine Zinssicherheit besitzt. Ohne Umschuldung besteht demgegenüber im August 2010 das Risiko, dass die Anschlussfinanzierung deutlich teurer wird. Wie die Berechnung des kritischen Zinses zeigt, müsste der Anschlusszins jedoch auf über 9,8 Prozent effektiv steigen, damit sich die Umschuldungsvariante am Ende doch lohnen würde. Eine solch pessimistische Erwartung hat der Sparkassenkunde jedoch nicht, so dass er auf das Angebot verzichten wird.
Der Gerechtigkeit halber ist zu betonen, dass die Verbraucherzentrale auch schon attraktivere Offerten der Sparkasse gesehen hat. Das Beispiel zeigt jedoch, dass Bankkunden bei Umschuldungsangeboten nicht blindlings zusagen, sondern die Möglichkeiten einer unabhängigen Beratung nutzen sollten. Zudem sollte ihnen ein wichtiger Punkt klar sein: Selbst wenn die geforderte Vorfälligkeitsentschädigung fair berechnet wird, ist das keine Garantie dafür, dass sich die Umschuldung auch lohnt. Dies hängt vielmehr von der künftigen Zinsentwicklung ab.
Do, 06. Apr 2006



