Lebensversicherung – zum Ansparen für das Eigenheim nicht geeignet
Wer sich mit der Überlegung trägt, eine Lebensversicherung abzuschließen, hat nicht immer nur die steuerfreie Auszahlung im Alter vor Augen. Vielen wird die Kapitalpolice auch als Baustein für eine spätere Eigenheimfinanzierung anempfohlen. Tatsächlich ist die Lebensversicherung jedoch ein Produkt, das für das Ansparen und Finanzieren einer selbstgenutzten Immobilie in der Regel nicht empfehlenswert ist.
Für den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände ist vor allem eines nötig: möglichst viel Eigenkapital! Je mehr Eigenkapital zur Verfügung steht, um so mehr kann man sich leisten bzw. um so geringer ist die erforderliche Kreditaufnahme und damit die finanzielle Belastung, die mindestens zu tragen ist. Vom vorhandenen Eigenkapital hängt es obendrein auch ab, welche Kreditinstitute für die Finanzierung überhaupt in Frage kommen und welche Spielräume für das Aushandeln möglichst günstiger Konditionen bestehen.
Entscheidend ist, dass das eigene Geld zum Bau- oder Kauftermin auch zur Verfügung steht. Hier aber zeigt sich – im Vergleich zu anderen Sparformen – der erste große Nachteil der zumeist langfristig abgeschlossenen Kapitallebensversicherung. Ein Beispiel: Wer seinen Versicherungsbedarf über eine reine Risikolebensversicherung deckt und daneben monatlich 162 Euro anspart, verfügt nach 10 Jahren – bei einer Verzinsung von 5 % – über ein Eigenkapital von rund 25.000 Euro. Bei einer Eigenheimfinanzierung von 175.000 Euro besteht somit noch ein Kreditbedarf von 150.000 Euro.
Wer demgegenüber Monat für Monat 162 Euro in eine kapitalbildende Lebensversicherung einzahlt, hat nach 10 Jahren noch keinen Pfennig zur Verfügung. Sein Geld steckt in der Versicherung, die erst in 20 Jahren ausgezahlt wird – und das bedeutet: Statt lediglich 150.000 Euro müßte der gesamte Finanzierungsbedarf von 1750.000 Euro über Kredit finanziert werden. Ist die damit verbundene Belastung nicht verkraftbar, bleibt noch die Möglichkeit, die Versicherung vorzeitig zu kündigen. Das aber ist regelmäßig mit finanziellen Nachteilen verbunden; bei leistungsschwachen Gesellschaften und ungünstigen Vertragsgestaltungen erhält man möglicherweise noch nicht einmal die eingezahlten Beträge in vollem Umfang zurück. Im Ergebnis ist auch dann eine vergleichsweise höhere Kreditaufnahme erforderlich.
Selbst wenn die Finanzierung mit Einbezug der Lebensversicherung tragbar wäre, würde sie mit höheren Risiken behaftet sein. Erstens ist nicht bekannt, wie hoch die Auszahlung der Versicherung am Ende tatsächlich sein wird. Insofern ist unklar, wie teuer die Finanzierung wirklich ist und ob der Kredit bei Fälligkeit der Versicherung vollständig getilgt werden kann. Zweitens besteht ein größeres Zinsänderungsrisiko, weil keine laufende Tilgung erfolgt, sondern der Kredit bis zum Versicherungsablauf in voller Höhe bestehen bleibt. Drittens besteht obendrein noch die Gefahr, dass ein möglicher Abbruch der Finanzierung – was nicht selten vorkommt – mit vergleichsweise höheren Kosten verbunden ist: Weil für den Kredit mangels laufender Tilgung viel mehr Zinsen zu zahlen sind, fällt regelmäßig auch die Vorfälligkeitsentschädigung höher aus, die ein Kreditinstitut für eine vorzeitige Vertragsbeendigung verlangen kann.
Wer trotz dieser Nachteile und Risiken bereits eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat, sollte gründlich überlegen, ob er den Vertrag unverändert fortsetzt. Das gilt insbesondere für diejenigen, bei denen die Verträge noch nicht lange laufen.
Fr, 14. Jan 2005



