Hilfestellung beim finanziellen Kraftakt
Schon 4.000 Baufinanzierungsberatungen bei der Verbraucherzentrale / Infotage
Der Bau oder Kauf der eigenen vier Wände ist für diejenigen, die es wagen, zumeist die größte finanzielle Investition ihres Lebens. Mit einer soliden und günstigen Finanzierung bestehen gute Chancen, dass sich der finanzielle Kraftakt am Ende lohnt. Eine riskante oder unnötig teure Finanzierung kann die Eigenheimerwerber demgegenüber Tausende von Euros zusätzlich kosten oder den Traum vom eigenen Heim am Ende sogar platzen lassen.
Aus diesen Gründen hat die Verbraucherzentrale 1995 damit begonnen, persönliche Vorabberatungen zur Baufinanzierung anzubieten – mit nachhaltiger Resonanz. Die Zahl der Fälle, in denen anbieterneutraler Rat gesucht wurde, hat inzwischen die Marke von 4.000 überstiegen. Die Kreditsumme, zu der dabei beraten wurde, liegt in der Summe bei rund 470 Millionen Euro. Unterstellt man, dass im Schnitt eine um 0,1 Prozent günstigere Finanzierung herbeigeführt werden konnte, würde das eine Ersparnis von bislang rund drei Millionen Euro für die Beratenen bedeuten. Tatsächlich dürfte der Effekt weitaus größer sein. Denn der Unterschied zwischen einer sehr günstigen und einer nur mittelmäßigen Finanzierung liegt schnell bei 0,2 bis 0,3 Prozent. Bei teuren Finanzierungen kann die Differenz sogar einen Prozentpunkt betragen – bei hohen Beträgen und langen Laufzeiten ein gewaltiger Unterschied.
Diesen Beratungszahlen steht jedoch gegenüber, dass in der Region Bremen und in Bremerhaven Jahr für Jahr mehrere Tausend Eigenheimfinanzierungen abgeschlossen oder verlängert werden. Praktisch sind es daher weniger als 10 Prozent der Darlehensnehmer, die vor Vertragsabschluss die Möglichkeit einer unabhängigen Beratung nutzen. Die Frage ist daher, woran das liegt?
Liegt es daran, dass die meisten Darlehensnehmer selbst über hinreichende Kenntnisse in der Baufinanzierung verfügen? Wohl kaum. Baufinanzierungen sind regelmäßig eine komplexe Fragestellung, die man ohne solide finanzmathematische Kenntnisse kaum angemessen beurteilen kann. Zudem ist es ein Gebiet, auf dem zumeist vorab kein Erfahrungswissen gesammelt werden konnte.
Liegt es daran, dass die meisten Banken und Vermittler in diesem Bereich so gut beraten, dass eine neutrale Beratung zumeist überflüssig ist? Wohl kaum. Finanzierungen mit Lebensversicherungen, die vielen Verbrauchern harsche Verluste beschert haben, oder vorfinanzierte Bausparverträge, die regelmäßig teurer sind, als der Kreditnehmer erkennen kann, zeigen eher das Gegenteil. In den Beratungen bei der Verbraucherzentrale konnten lediglich in zwei Prozent der Fälle keine Verbesserungen aufgezeigt werden, weil den Ratsuchenden bereits ein optimales Angebot vorlag.
Liegt es daran, dass die Beratung bei der Verbraucherzentrale nicht kostenlos oder für 10 Euro zu haben ist, sondern zumeist zwischen 80 und 150 Euro kostet? In der Tat schreckt dies einige ab – und leider oft gerade die, die eine neutrale Beratung vermutlich am nötigsten hätten. Denn bei einer Finanzierung, die Zigtausende Euro kosten wird, ausgerechnet an der Beratung zu sparen, zeugt von falschen Vorstellungen.
Do, 13. Mär 2008



