Forward-Darlehen sind eine Zinsspekulation
Wer zur Finanzierung einer Immobilie ein Darlehen aufgenommen hat, dessen Zinsbindung jetzt ausläuft, kann sich glücklich schätzen. Die Zinsen für die Anschlussfinanzierung sind so günstig wie selten zuvor. Was aber sollen Darlehensnehmer tun, deren Zinsbindung erst in ein, zwei, drei oder vier Jahren ausläuft?
Wer befürchtet, dass die Zinsen bis dahin wieder steigen, kann ein so genanntes Forward-Darlehen abschließen. Mit einem solchen Darlehen werden schon jetzt die Konditionen für die spätere Anschlussfinanzierung vereinbart. Die Darlehensnehmer sichern sich somit gegen einen Zinsanstieg in der Zukunft ab. Im Gegenzug binden sie sich allerdings auch. Denn ein Forward-Darlehen ist keine Option, die man wahrnehmen oder nicht wahrnehmen kann. Der Darlehensnehmer verpflichtet sich vielmehr zur Abnahme des Kredites. Nimmt er ihn nicht in Anspruch, droht ihm deshalb eine Schadensersatzforderung.
Die Zinssicherheit, die ein Forward-Darlehen schafft, hat folglich auch eine Kehrseite: Wenn die Zinsen bis zum Ende der bisherigen Festschreibung wider Erwarten sinken, profitiert der Darlehensnehmer davon nicht.
Das Problem ist: Wie sich die Zinsen künftig entwickeln, kann niemand mit Sicherheit voraussagen. Mehrheitlich tendieren gegenwärtig die Erwartungen zwar dahin, dass die Zinsen wieder steigen werden und möglicherweise in den nächsten Jahren sogar ein sehr kräftiger Anstieg droht. Anlass für diese Erwartungen gibt vor allem die Politik der Zentralbanken und Regierungen, die derzeit rund um den Globus Billionen in die Wirtschaft pumpen, um die Finanzkrise und die drohende Depression zu bekämpfen. Das Beispiel Japan hat in den letzten 20 Jahren allerdings auch gezeigt, dass sich eine wirtschaftliche Erholung quälend lange hinziehen kann und die Zinsen längerfristig auf einem extrem niedrigen Niveau verharren können.
Diese Unsicherheit über die künftige Entwicklung bedeutet: der Abschluss eines Forward-Darlehens ist faktisch eine Zinsspekulation. Denn nur wenn die Zinsen künftig steigen, würde sich der heutige Abschluss eines Forward-Darlehens als vorteilhaft erweisen.
Viele Darlehensnehmer, deren Zinsbindung in den nächsten Jahren endet, werden eine solche Spekulation nicht mögen. Tatsächlich müssen sie sich allerdings klarmachen: einer solchen Zinsspekulation können sie sich gar nicht entziehen. Wenn sie nämlich kein Forward-Darlehen abschließen, dann spekulieren sie praktisch auf gleichbleibende oder sinkende Zinsen. Denn nur mit dieser Erwartung ist es sinnvoll, die Anschlussfinanzierung nicht vorzuziehen, sondern einfach bis zum Zinsbindungsende abzuwarten.
Jeder Darlehensnehmer, der seinen Kopf nicht einfach in den Sand stecken will, sollte sich deshalb mit der Frage eines Forward-Darlehens auseinandersetzen. Bevor er sich für ein solches Darlehen entscheidet, sollte er aber auch sorgfältig vergleichen: Denn bei den Effektivzinssätzen für Forward-Darlehen finden sich Unterschiede bis zu einem ganzen Prozentpunkt. Das aber macht bei einem Darlehen über 100.000 Euro und einer Zinsfestschreibung von 10 Jahren rund 10.000 Euro aus.
Di, 23. Feb 2010



