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Desaster bei vorfinanzierten Bausparverträgen

Sie müssen bei Zuteilung des Bausparvertrages jetzt oftmals feststellen, dass sich die Inanspruchnahme des Bausparkredites nicht lohnt, weil normale Hypothekendarlehen billiger sind.

Die Vorfinanzierung des Bausparvertrages erweist sich damit als ein teures Verlustgeschäft, wie an einem Beispiel deutlich wird. Wer im Februar 1993 ein Darlehen über umgerechnet 50.000 Euro mit einem marktdurchschnittlichen Zins von nominal 7,8 Prozent aufgenommen und statt einer laufenden Tilgung einen Bausparvertrag mit monatlich 153 Euro bespart hat, verfügt bei einem Sparzins von 2,5 Prozent heute über ein Bausparguthaben von rund 20.000 Euro. Seine Restschuld beläuft sich somit auf 30.000 Euro.

Hätte er stattdessen ein Darlehen mit laufender Tilgung gewählt, würde sich seine Restschuld – bei gleichem Nominalzins und gleicher monatlicher Belastung – lediglich auf 22.300 Euro belaufen. Der Umweg über den Bausparvertrag schlägt folglich mit einem finanziellen Nachteil von rund 7.700 Euro zu Buche. Im Verhältnis zu dem Darlehen mit laufender Tilgung ist die Kombination aus Vorausdarlehen und Bausparvertrag damit um gut 25 Prozent teurer!

Wenn die Vorfinanzierung mit einem günstigeren Zinssatz und mit kürzerer Laufzeit erfolgte, verringert sich der Nachteil zwar. Unter dem Strich bleiben solche Finanzierungskonstruktionen aber in den allermeisten Fällen ein deutliches Verlustgeschäft.

Von den Banken, Sparkassen und Bausparkassen wird der Vorwurf einer Falschberatung gleichwohl bestritten. Die Kombination aus Vorausdarlehen und Bausparvertrag sei vor allem empfohlen worden, um das Risiko von Zinserhöhungen bei der Anschlussfinanzierung zu vermeiden. Dass die Zinsen nunmehr so niedrig seien, habe niemand voraussehen können.

Dieses Argument ist aber schon deshalb wenig tragfähig, weil den Kunden niemals vorgerechnet worden ist, wie hoch denn die Zinsen steigen müssten, damit sich die Bausparvorfinanzierung im Vergleich zu einem normalen Hypothekendarlehen lohnt. Im obigen Beispiel hätte sich die Bausparkombination nur dann gerechnet, wenn die Zinsen für ein Darlehen mit 10jähriger Zinsfestschreibung derzeit bei fast 12 Prozent effektiv liegen würden. Es hätte somit schon einer außerordentlichen Portion an Pessimismus bedurft, um sich für ein solches Angebot zu erwärmen.

Entscheidend ist überdies, dass dem Kunden nicht nur die möglichen Vorteile, sondern auch die Nachteile der angebotenen Finanzierung aufgezeigt werden und er insbesondere über deren Kosten richtig aufgeklärt wird. Genau daran fehlte und fehlt es jedoch bei solchen Darlehenskombinationen regelmäßig. Im obigen Beispiel wäre dem Darlehensnehmer der Effektivzins des Vorausdarlehens von 8,1 Prozent und der Effektivzins des späteren Bauspardarlehens von 5,2 Prozent genannt worden. Mangels weiterer Informationen hätte er somit geglaubt, mit durchschnittlich 6,6 Prozent eine sehr günstige Finanzierung abzuschließen. In Wirklichkeit liegt der effektive Zins über die planmäßige Gesamtlaufzeit hinweg aber bei 8,6 Prozent. Und auch das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Wenn der Kreditnehmer nämlich jetzt auf das Bauspardarlehen verzichtet, weil ein Hypothekendarlehen billiger ist, dann steht er so dar, als wenn er vor 10 Jahren ein Darlehen mit einem Effektivzins von 9,4 % aufgenommen hätte.

Wer als Betroffener über solche Zusammenhänge und Risiken nicht aufgeklärt worden ist, sollte sich deshalb zu seinen Schadensersatzansprüchen beraten lassen.

Fr, 14. Jan 2005

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