Bausparen – mit staatlicher Förderung ins finanzielle Abseits
Die staatliche Förderung des Bausparens richtet sich insbesondere auch an jüngere Menschen. Schon 16jährige können die Wohnungsbauprämie erhalten. Aus Sicht der Bundesregierung ist dies der beste Weg, auf dem junge Menschen das Sparen lernen und das notwendige Eigenkapital für eine eigene Immobilie bilden können.
Die Frage ist, ob das stimmt. Das ARD-Magazin Plusminus und die Verbraucherzentrale Bremen haben eine Stichprobe gemacht. Vier Bausparkassen und Banken in Hamburg wurde die gleiche Aufgabe gestellt: Eine junge Frau möchte die Förderung in Anspruch nehmen und zirka 15 Jahre lang monatlich 150 Euro sparen. Danach möchte sie vielleicht eine Eigentumswohnung kaufen. Sicher ist sie sich noch nicht. Denn das hängt natürlich von ihrer weiteren beruflichen und familiären Entwicklung ab.
Der Verfasser dieser Zeilen hat die junge Frau zu den Beratungsgesprächen begleitet und die Angebote anschließend unter die Lupe genommen. Geprüft wurde zunächst, wie das finanzielle Ergebnis nach 15 Jahren aussieht, wenn der Wohnungswunsch aufgegeben und das Bauspardarlehen nicht in Anspruch genommen wird.
Der Berater der BHW Bausparkasse stellte für diesen Fall eine Guthabenverzinsung von vier Prozent und mit Wohnungsbauprämie sogar von fünf Prozent in Aussicht. Ein respektabler Wert. Leider aber reine Phantasie. Die Förderung hätte sich lediglich um 0,3 Prozent ausgewirkt. Und die maximal mögliche Verzinsung lag tatsächlich bei 1,8 Prozent. Der Berater hatte nämlich übersehen, dass der Sonderzins, den BHW bei Darlehensverzicht gewährt, längstens für acht Jahre gilt.
Die 1,8 Prozent wären aber noch vergleichsweise viel gewesen. Schwäbisch-Hall (angeboten über die PSD-Bank Nord) und Deutsche Bank Bausparkasse erreichten lediglich 1,0 Prozent und die LBS Hamburg sogar nur 0,5 Prozent. Bei allen drei hätten die Kosten übrigens die Bausparprämie komplett aufgezehrt.
Ein gutverzinster Banksparplan – z.B. der Deutschen Bank – bietet demgegenüber über 15 Jahre hinweg eine Verzinsung von 4,2 Prozent. Im Vergleich dazu würden sich die empfohlenen Bausparverträge trotz Förderung als ein dickes Verlustgeschäft erweisen: Die Bausparerin würde nach 15 Jahren zwischen 6.490 Euro (BHW) und 9.400 Euro (LBS Hamburg) weniger an Vermögen besitzen.
Dass ihre Verträge bei einem Darlehensverzicht ein schlechtes Geschäft sein würden, haben die Berater von LBS Hamburg, Deutsche Bank Bauspar und PSD-Bank / Schwäbisch-Hall immerhin offen gesagt. Ausnahmslos alle Berater gaben sich aber felsenfest davon überzeugt, dass die Bausparerin bei Annahme des Darlehens eine sehr günstige Finanzierung haben würde. Tatsächlich steht der günstige Darlehenszins aber nur auf dem Papier. Berücksichtigt man die entgangenen Guthabenzinsen im Vergleich zu dem Banksparplan und betrachtet diese als Kosten, dann zeigt sich das glatte Gegenteil: die effektiven Kosten des günstigsten Bauspardarlehens (LBS Hamburg) lägen bei 9,9 Prozent und die des teuersten aufgrund der empfohlenen Schnelltilger-Variante sogar bei 17 Prozent (PDF, 3.7 MB) (Schwäbisch-Hall). Was im Brustton vollster Überzeugung angepriesen wurde, war in Wirklichkeit also ein fast unglaublicher Nonsense.
Junge Menschen werden in der Regel längere Zeit für die eigene Immobilie ansparen müssen. Für sie sind die heutigen Bauspartarife mit den sehr niedrigen Guthabenzinsen folglich reines Gift. Dass diese Produkte gleichwohl gefördert werden, ist daher keine staatliche Hilfe, sondern eine staatliche Irreführung und Behinderung bei der Eigenkapitalbildung – und eine ärgerliche Verschwendung von Steuergeldern obendrein.
Der Bericht über den test findet sich hier:
Mi, 13. Aug 2008



